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Nach EZB-Entscheid: Franken legt zu

Die Europäische Zentralbank hält ihren Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent. Bis Ende 2017 will sie zudem weitere Anleihen für Hunderte Milliarden Euro kaufen.

Ein Euro-Symbol wird auf das Hauptgebäude der EZB in Frankfurt projiziert. (13. März 2016)
Ein Euro-Symbol wird auf das Hauptgebäude der EZB in Frankfurt projiziert. (13. März 2016)
Boris Rössler, Keystone

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erwartungsgemäss die Leitzinsen nicht angetastet. Der Schlüsselsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bleibe bei 0,0 Prozent, teilten die Währungshüter in Frankfurt mit.

Auf diesem Rekordtief liegt er bereits seit März. Die EZB behielt auch die Strafzinsen für Banken, wenn diese über Nacht überschüssige Liquidität bei der Notenbank horten, auf dem bisherigen Niveau von minus 0,4 Prozent.

Anleihekaufprogramm verlängert

Die Notenbank verlängert den milliardenschweren Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren bis Ende Dezember 2017. Das ist länger als die meisten Volkswirte erwartet hatten. Sie will allerdings ab April monatlich nur noch 60 Milliarden Euro statt 80 Milliarden Euro in den Markt pumpen.

Damit kommen weitere Geldsalven in Höhe von 540 Milliarden Euro hinzu, mit denen die Zinsen in den 19 Ländern der Eurozone niedrig gehalten werden. Seit März 2015 hat die EZB – ohne die Verlängerung – 1,74 Billionen Euro in die Massnahme gepumpt, mit der Finanzmärkte beruhigt und Inflation und Wachstum erhöht werden sollen. Das Gesamtprogramm schwillt auf 2,28 Billionen Euro an.

Inflationsziel verfehlt

Die Euro-Wächter hielten sich zugleich offen, die monatlichen Käufe wieder aufzustocken, sollte die Inflationsentwicklung hinter den Erwartungen zurückbleiben. Nähere Einzelheiten zu den vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapier-Transaktionen will EZB-Präsident Mario Draghi am Nachmittag vorstellen.

Der Italiener hatte wiederholt betont, die Euro-Notenbank werde die sehr erhebliche geldpolitische Konjunkturhilfe bewahren, die zur Erreichung ihres Inflationsziels nötig sei.

Die EZB strebt knapp zwei Prozent Teuerung als Idealniveau für die Wirtschaft an. Doch davon ist sie immer noch weit entfernt: Im November hatten die Konsumentenpreise lediglich um 0,6 Prozent angezogen. Inzwischen verfehlen die Euro-Wächter ihr Inflationsziel bereits seit Frühjahr 2013.

Schrecksekunde bei den Anlegern

Mit ihrer Entscheidung EZB die Börsen am Donnerstag kurzzeitig aus dem Tritt gebracht. Der Dax gab seine Gewinne kurzzeitig komplett ab, kletterte dann jedoch auf ein Jahreshoch von 11'092,64 Punkten.

Verkäufe bei den Bundesanleihen trieben die Rendite der zehnjährigen Titel auf ein Elf-Monats-Hoch von 0,451 Prozent.

Börsianer werteten die Entscheidung dennoch positiv, da das Gesamtvolumen der Anleihekäufe höher ausfalle als gedacht. Anleger hätten lediglich mit einer Verlängerung um ein halbes Jahr bei einem unveränderten monatlichen Volumen gerechnet. «Neun mal 60 sind eben mehr als sechs Mal 80», betonte ein Aktienhändler.

Franken wird stärker

Der Franken hat sich gegenüber dem Euro aufgewertet. Die Gemeinschaftswährung kostete gegen 15 Uhr 1,0814 Franken. Am Vorabend waren es 1,0834 Franken gewesen.

Eröffnet hatte der Euro noch mit 1,0832 Franken, wie dem Onlineportal Börse online zu entnehmen ist. Das Tageshoch markierte die Gemeinschaftswährung bei 1,0897 Franken. Auf ein Jahr zurück betrachtet, war der Euro beim Stand von 1,0557 am wenigsten wert.

Zum Dollar verlor der Euro kurz nach dem EZB-Entscheid 1 Prozent auf 1,0640 Dollar und beschleunigte damit seine seit längerem zu beobachtende Talfahrt. Anfang November lag der Wechselkurs noch bei 1,13 Dollar. Der Franken legte hingegen zum Dollar leicht zu und stand bei 1,0138 Franken. Am Vorabend waren es noch 1,0070 Franken gewesen.

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