Swiss-Ticket bezahlt und am Gate stehen gelassen

Wer seinen Hinflug verpasst, muss damit rechnen, dass er den Rückflug nicht antreten darf. Die Gesellschaft bewegt sich auf juristisch dünnem Eis.

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Aus Angst, den Flug zu verpassen, stehen manche zu früh am Flughafen. Verpasst man ihn dann doch einmal, kann es sein, dass einem die Swiss den Rückflug verweigert. Das berichtet SRF.

Der Grund liegt in den Beförderungsbestimmungen der Fluggesellschaft: Wer unangekündigt nicht zu einem Flug erscheine, dem könne die Reservation für den Rück- oder Anschlussflug gestrichen werden, heisst es darin.

Österreicher sind besser gestellt

Seit Jahren schröpfe Swiss damit die Kunden, schreibt SRF. Die Regelung gibt es auch bei anderen Airlines. Mit dieser Preispolitik wollen sie verhindern, dass Schweizer Passagiere günstigere Tickets im Ausland kaufen und dann nur einen Teil der Strecke fliegen.

Die Bestimmung, dass der Preis nur gilt, wenn alle Flüge in der gebuchten Reihenfolge angetreten werden, gilt nicht für Kunden mit Wohnsitz in Österreich. Sie sind damit besser geschützt als Schweizer. Laut SRF hatte der Oberste Gerichtshof des Nachbarlands vor vier Jahren entschieden, dass auch wer seinen Hinflug verpasst, ohne zusätzliche Kosten mit dem Rückflugticket zurückfliegen kann.

Für Rechtsprofessoren nicht akzeptabel

Die Sendung «Kassensturz» berichtete in den letzten Jahren schon mehrmals von Passagieren, die ihren Flug nicht antreten durften, obwohl sie diesen bezahlt hatten. Im schlimmsten Fall lasse die Swiss Kunden einfach am Gate stehen.

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Für viele Rechtsexperten ist die Klausel nicht akzeptabel: Der Kunde buche zwei Leistungen. Wenn er eine nicht in Anspruch nehme, heisse das nicht, dass die zweite nicht erbracht werden müsse, sagte Rechtsprofessor Vito Roberto dem Sender. Die allgemeinen Geschäftsbedingungen seien deshalb in diesem Punkt nicht gültig. Die Klausel verstösst laut verschiedenen Rechtsprofessoren gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, wie SRF weiter schreibt.

Swiss beruft sich auf Praxis in der Branche

Die Swiss gibt «Kassensturz» keine Antwort auf die Frage, weshalb die Fluggesellschaft an der umstrittenen Vertragsklausel festhält. «Die komplexe Thematik ist keine Swiss-Thematik», sagt Marketingchef Markus Binkert an der Bilanzmedienkonferenz von vergangener Woche der Moderatorin Kathrin Winzenried.

Und Medienchef Daniel Bärlocher doppelt nach: Die «sehr geringe Zahl der Fälle» stehe in keiner Relation zu den über 16 Millionen zufriedenen Fluggästen pro Jahr.

Bildstrecke – Das sind die sichersten Airlines der Welt.

(oli)

Erstellt: 29.03.2017, 10:26 Uhr

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