Frauen- statt Kapitalquote

UBS-Präsident Axel Weber wünscht sich mehr Frauen in der Branche.

«Frauen denken längerfristig»: UBS-Präsident Axel Weber. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

«Frauen denken längerfristig»: UBS-Präsident Axel Weber. Foto: Laurent Gilliéron (Keystone)

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Die Glaubwürdigkeit der Banker ist dahin und damit ihr guter Ruf. Aber auf UBS-Präsident Axel Weber hören alle. Selbst wenn er nicht nur über seine Bank spricht, sondern über Wirtschaft generell, Gesellschaft und Geschlechterfragen. Dem deutschen «Handelsblatt» sagte Weber: «Ich denke, dass ein höherer Frauenanteil im Investmentbanking eine andere Mentalität geschaffen hätte. Auch weil Frauen längerfristiger denken und eher die gesamte Gesellschaft im Blick haben.»

Gabor Steingart, der scharfzüngige «Handelsblatt»-Herausgeber, reagierte trocken: «Wenn das stimmt, wäre in der Finanzindustrie die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote wichtiger als die Erhöhung von gesetzlichen Eigenkapitalquoten.» Steingart interpretiert den Interviewpartner wohl richtig – ausser, dass Weber Vorbehalte gegen die meisten Sorten gesetzlicher Regulierung hat, auch und gerade wenn es um die Banken geht.

«Angela Merkels Wunschkandidat»

Dabei ist der 60-jährige Deutsche, der seit fünf Jahren an der Spitze der UBS steht, das Gegenteil eines Karrierebankers. Weber absolvierte eine klassische Professorenlaufbahn, lehrte Wirtschaftstheorie, monetäre und internationale Ökonomie. Er gehörte zu den «Wirtschaftsweisen», die die deutsche Bundesregierung beraten, und war von 2004 bis 2011 Präsident der Bundesbank, des deutschen Pendants zur Schweizer Nationalbank. Unklar ist, warum er dann den Sprung an die Spitze der Europäischen Zentralbank nicht schaffte – obwohl ihm nachgesagt wurde, er sei Angela Merkels Wunschkandidat.

An die Bahnhofstrasse hat er 2012 seinen professoralen Habitus mitgenommen und die Vorliebe, über die ganz grossen Zusammenhänge zu philosophieren. Der UBS hat er damit mehr noble Gravitas verliehen, als sie verdient nach der Rettung durch den Bund, der sprunghaften Führung durch den Heisssporn Oswald Grübel und den nicht abreissenden rechtlichen Problemen.

Die besseren Investmentbanker

Seine Glaubwürdigkeit zu pflegen, trug Axel Weber reiche Ernte ein: Er brachte sein – auch nach internationalen Massstäben – rekordverdächtiges Gehalt von 6 Millionen Franken glatt durch die diesjährige Aktionärsversammlung. Sein Amtskollege von der Credit Suisse, Urs Rohner, hatte nur Tage zuvor in einer veritablen Aktionärsrebellion um seine eigenen vergleichsweise bescheidenen 4 Millionen zittern müssen. Der smarte Zürcher Jurist und Filmliebhaber ist damit einmal mehr zum grossen, bösen Mann in der Bankerboni-Debatte gestempelt worden.

Banker-Philosoph Axel Weber kann sich derweil Wichtigerem zuwenden: Die Politiker zu ermahnen, es mit der Bankenregulierung nicht so weit zu treiben, dass die Schweizer Wirtschaft Schaden nimmt (in der «Basler Zeitung»). Oder eben mit der Frage, ob Frauen oder Männer die besseren Investmentbanker sind.

Erstellt: 25.05.2017, 23:22 Uhr

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