Weshalb sich Banken plötzlich für Frauen interessieren

Frauen werden immer reicher, sind loyal und bringen einem Finanzinstitut mehr als nur ihr eigenes Geld.

In der Schalterhalle der UBS an der Zürcher Bahnhofstrasse.

In der Schalterhalle der UBS an der Zürcher Bahnhofstrasse. Bild: Keystone

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Die Karte mit den aufgedruckten Ornamenten ist schmucker als viele andere Kreditkarten. Und sie bietet mehr: Eine Handtaschenversicherung. Wird die Handtasche mit Portemonnaie und eben dieser Kreditkarte gestohlen, dann ersetzt die Herausgeberin deren Wert bis zu einem Betrag von 2000 Franken.

Ansonsten bietet die Lady Kreditkarte der Cornercard nur wenig mehr als andere. Aber die Nachfrage danach ist da, wie deren Sprecherin vier Jahre nach der Lancierung bilanziert. Zahlen dazu gibt das Unternehmen keine heraus. Man sei mit der Nachfrage aber «sehr zufrieden».

Die unterschätzte Bankkundin

Finanzinstitute suchen vermehrt nach Wegen, wie sie Frauen für sich gewinnen können, denn Frauen werden von Jahr zu Jahr reicher: Nach Schätzung der Boston Consulting Group wird im Jahr 2020 ein Drittel der weltweiten Privatvermögen von 224 Billionen Dollar in der Hand von Frauen sein. Und da ihre Vermögen mit 7 Prozent voraussichtlich schneller wachsen als jene der Männer, wird sich der Reichtum besser auf die Geschlechter verteilen.

Ein Grund für den zunehmenden weiblichen Wohlstand ist die Bildung: Frauen sind heute besser ausgebildet als früher und verdienen entsprechend besser. Seit Mitte der 90-er Jahre erlangen in der Schweiz zum Beispiel mehr junge Frauen als Männer die Matur.

Lange haben Finanzinstitute die finanzielle Macht der Frauen unterschätzt – möglicherweise auch deshalb, weil Frauen bis zur Revision des Eherechts anno 1988 die Unterschrift des Mannes benötigten, um ein eigenes Bankkonto zu eröffnen. Viele haben zwar schon immer Einfluss auf die finanziellen Angelegenheiten der Familie genommen, es war aber nicht offensichtlich, da der Mann als alleiniger Verwalter des gemeinsam Ersparten galt.

In Beziehungen wählen Frauen die Bank aus

Eine Bank, die Frauen für sich gewinnen kann, bekommt aber mehr als nur ihr Geld. In Beziehungen sind es zu 89 Prozent der Fälle die Frauen, welche die gemeinsame Bank auswählen und manchmal verlegt auch der Partner sein bisheriges Konto zur Bank seiner Frau. «Fassen sie Vertrauen zu einer Bank, werden sie zu loyalen Kundinnen», sagt Natalie Waltmann, Pressesprechrin der Bank Cler, vormals Bank Coop. Diese hat die Frauen bereits 2001 entdeckt: Da deren Leben oft weniger linear verläuft als jenes der Männer und so mehr Lücken in der Altersvorsorge entstehen, lancierte sie das Programm «Eva». Damit will sie in der Beratung besser auf die Lebenssituation der Kundinnen eingehen. Sie führte auch Anlässe durch, an denen sich Frauen vernetzen können und gibt das Magazin «Eva» heraus.

«Wenn die Frauen sehen, dass wir ihre Anliegen ernst nehmen, fühlen sie sich willkommen», sagt Natalie Waltmann. Das bringt letztlich auch der Bank Vorteile. Kundinnen lassen gerne grössere Anteile ihres Vermögens bei der Bank verwalten, wodurch die Kundenbeziehung profitabler wird. So zeigen Auswertungen der Bank, dass die durchschnittlichen Vermögen von eva-Kundinnen über 15 Prozent höher sind als die von anderen Kundinnen. Zahlen, die zeigen wie sich die Zahl der Kundinnen entwickelt hat, sind nicht verfügbar.

Lady Kreditkarte auch für Männer

Die Grossbank UBS hat Anfang 2017 vor allem wohlhabende Frauen ins Auge gefasst, als sie im Rahmen des Wealth Managements das Programm Unique lancierte. Sie wollte ihre weibliche Kundschaft gezielter beraten und führt in der ganzen Welt Workshops für Frauen zu Themen wie Altersvorsorge oder Vermögensplanung durch. Diese sind gemäss einer UBS-Sprecherin sehr gut besucht. Wie wohlhabend eine Kundin für dieses Programm sein muss, lässt sie offen.

Das Programm Unique existiert in dieser Form allerdings bereits nicht mehr; es ist im Zuge einer übergeordneten Reorganisation auf alle Märkte ausgeweitet worden, wie die Sprecherin sagt. Das Unternehmen habe mit Blick auf dieses «sehr wichtige Kundensegment» die weibliche Perspektive standardmässig auf alle Prozesse übertragen – auf Beratung, Forschung und Entwicklung neuer Angebote. Wie sich die Zahl der Kundinnen oder die Vermögen von Kundinnen entwickelt haben, gibt die UBS nicht bekannt.

Die Handtaschenversicherung der Cornercard ist im übrigens nicht Frauen vorbehalten, wie ihre Sprecherin sagt. Auf Wunsch erteilt das Unternehmen auch Männern die Lady Kreditkarte.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 26.12.2018, 14:21 Uhr

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