Freundlichkeit als Waffe

Wie Uber aus dem Geschäft geworfen werden soll.

Mehr Freundlichkeit: Beim Taxi-Dienst Juno werden die Fahrer durch Aktien zu Mitbesitzern gemacht.

Mehr Freundlichkeit: Beim Taxi-Dienst Juno werden die Fahrer durch Aktien zu Mitbesitzern gemacht. Bild: Paul Sakuma/Keystone

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Eben noch schien der Internet-Taxidienst Uber den Planeten zu erobern. Die billigen Fahrten überzeugten das Publikum weltweit. Dass Uber seinen Fahrern nur Hungerlöhne zahlte, sich weder um Krankheitsgelder noch Sozialabgaben scherte, beeindruckte die Kunden kaum. Und die Aktionäre nicht. Nach dem Börsengang war Uber 17 Milliarden Dollar wert.

Kein Wunder, demonstrierten die Taxifahrer, sogar in Zürich. Und einige Länder versuchten es mit Verboten, die Uber oft ignorierte. Doch nun ist in New York ein Konkurrent aufgetaucht, der Uber aus dem Geschäft drängen könnte: Juno. Die Firma tut dasselbe wie Uber – nur ist sie wesentlich freundlicher zu den Fahrern. Diese werden erstens mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt. Und bekommen zweitens weit mehr Geld: Wo Uber 25 Prozent Anteil an Fahrten verlangt, will Juno nur 10. Und während Uber seine Fahrer wie Tagelöhner behandelt, macht Juno sie zu Mitbesitzern: durch Aktien.

 Selten hat man einen so höflichen Parasiten gesehen. Was zeigt, dass Kapitalismus nicht notwendig Brutalität bedeutet.

Dabei wirbt Juno gezielt die besten Uber-­Fahrer ab: leicht identifizierbar an ihrem öffen­tlichen Rating. Mit dem Ziel, möglichst schnell so viele Fahrer zu bekommen, dass Juno so rasch Taxifahren garantieren kann wie Uber.

Im Testmarkt New York funktioniert das bereits erstaunlich gut. Bald soll der Rest der USA folgen, dann die ganze Welt.

Im Prinzip funktioniert Juno wie ein Krebs, der das Haus einer Schnecke besiedelt. Uber hat die Infrastruktur aufgebaut, die Fahrer evaluiert, die Leute an eine neue Art des Taxifahrens gewöhnt – und nun übernimmt Juno das Geschäft, weil es den Gewinn fairer verteilt. Selten hat man einen so höflichen Parasiten gesehen. Was zeigt, dass Kapitalismus nicht notwendig Brutalität bedeutet. Sondern dass Freundlichkeit eine ebenso gute Waffe ist. Ein unterschätztes Geschäftsmodell.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.10.2016, 22:30 Uhr

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