«Game of Thrones» muss weitergehen

HBO produziert bereits einen Nachfolger für die erfolgreiche Serie – damit die Geldquelle weitersprudelt. Netflix, Amazon und Disney kontern mit Investitionen in ähnliche Projekte.

Die Saga wird bald enden, aber die sagenhaften Gewinne sollen andauern: Szene aus der achten Staffel von «Game of Thrones». Foto: PD

Die Saga wird bald enden, aber die sagenhaften Gewinne sollen andauern: Szene aus der achten Staffel von «Game of Thrones». Foto: PD

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In einer der letzten noch ausstehenden Episoden wird die grösste je am Fernsehen inszenierte Schlacht zu sehen sein und eine rekordhohe Zahl von Zuschauern an sich fesseln. Den Auftakt zur letzten Staffel von «Game of Thrones» sahen Mitte April bereits 17,4 Millionen Menschen, und weitere 50 Millionen verfolgten sie auf einem illegalen Weg. Auch die Schweiz verzeichnete mit 60’000 Zuschauern einen Rekord.

Der Kult um die Fantasy-Serie hat nicht nur den Fernsehsender HBO gross gemacht. Konkurrenten wie Netflix, Amazon und Disney sind gezwungen, ihrerseits Milliarden-Investitionen in ähnliche Produktionen zu tätigen. Darüber hinaus sind Drehorte in Nordirland, Island, Marokko und Kroatien zu lukrativen Tourismusdestinationen geworden.

Der Abschluss von «Game of Thrones» ist für den US-Kabelsender HBO eine zwiespältige Sache. Marketingexperten schätzen, dass die Serie mehr als eine Milliarde Dollar wert ist und noch auf Jahre Lizenzeinnahmen sichern wird. Dies aber setzt voraus, dass «Game of Thrones» auch nach dem Ende der acht Staffeln in diesem Sommer weiterlebt. Wie bei keinem anderen Sender hängt der weitere Erfolg von HBO von einer einzigen Serie ab. Zwar produzierte HBO mit «The Sopranos» in den 90er-Jahren bereits eine Kultserie, aber ihre finanzielle Folgewirkung hielt sich Grenzen. Dies hat sich mit dem erbitterten Kampf der Streamingdienste von Netflix bis Amazon und Apple von Grund auf verändert.

Gefährliche Abhängigkeit

Wenn HBO mit weltweit 142 Millionen Abonnenten mit dem stürmischen Wachstum von Netflix (148 Millionen Abonnenten) mithalten konnte, dann wegen «Game of Thrones». Denn 50 Millionen Zuschauer wurden gemäss «Hollywood Reporter» nur wegen der Serie HBO-Kunden und trugen so massgeblich zum Gewinn von sechs Milliarden Dollar in den letzten drei Jahren bei.

Dies hat eine gefährliche Abhängigkeit geschaffen, verabschieden sich doch jeweils fast 30 Prozent der Zuschauer von einem Bezahlsender, wenn ihre Lieblingsserie ausläuft. Das Ende der Serie kommt aber für HBO zu einem höchst ungünstigen Zeitpunkt. Der Telecomriese AT&T hat nun die Kontrolle erlangt, nachdem er für über 85 Milliarden Dollar den Unterhaltungskonzern Time Warner aufgekauft hatte, zu dem HBO gehört.

Die Erwartungen an eine Fortsetzung des Geldsegens sind hoch. «‹Game of Thrones› war ein unglaublicher Erfolg für uns», sagt HBO-Programmchef Casey Bloys, «doch nun dürfen wir es mit Nachfolgeserien nicht übertreiben. Wir wollen vermeiden, dass plötzlich die Lichter ausgehen.»

Dennoch sind bereits vier Nachfolgeproduktionen im Gespräch, und eine erste Staffel wird seit kurzem in Nordirland mit Naomi Watts abgedreht. Dass Nordirland zum Zug kommt, erstaunt nicht. Nordirland hat wie kein anderes Land von der Popularität der Serie profitiert. Tourism Ireland vermarket die spektakulären Drehorte ähnlich aggressiv, wie das Neuseeland mit den «Lord of the Rings»-Filmen getan hat. Mehr als 12 Prozent der Arbeitsplätze in der Unterhaltungs- und Tourismusindustrie in Nordirland sollen dank «Game of Thrones» geschaffen worden sein. HBO plant für nächstes Jahr in Belfast die Eröffnung eines filmischen Vergnügungsparks.

Bildstrecke: Hier wurde die Fanatsy-Serie gedreht

Auch in Island, Marokko und Dubrovnik an der kroatischen Küste floriert der Fremdenverkehr dank der Drehorte. In Dubrovnik musste der Bürgermeister letztes Jahr gar die Touristenzahl limitieren, nachdem sich Bürger über den Rummel der «Set-Jetters» beklagt und die Unesco vor der Zerstörung des kulturellen Erbes der Stadt gewarnt hatten.

«Herr der Ringe» und «Star Wars» wiederbelebt

Mit den Nachfolgeserien hofft HBO, auch die Lizenzeinnahmen absichern zu können. Der Marktwert von «Game of Thrones» ist unter anderem deswegen so hoch, weil immer mehr luxuriöse Ware vermarktet wird. Zu haben sind unter anderem eine schwarz-rote Uhr des Schweizer Herstellers Ulysse Nardin für 10’500 Dollar, eine Kunststoff-Replika des eisernen Throns für 30’000 Dollar und eine handbemalte Lederjacke des Modeschöpfers John Varvatos für 2698 Dollar. Adidas warf eine Kollektion von sechs Ultraboot-Schuhen auf den Markt, und der Kosmetikhersteller Urban Decay offeriert 20 Augenschattierungen, inspiriert von den «starken Frauen der sieben Königreiche».

Getrieben wird die Vermarktungswelle durch die Furcht, in der Flut neuer Fernsehserien unterzugehen. Mittlerweile können Zuschauer in den USA aus mehr als 500 Serien auswählen, und ein Ende ist nicht abzusehen. So plant Amazon für eine Milliarde Dollar eine «Lord of the Rings»-Serie, und Disney investiert ebenfalls eine Milliarde in eine zehnteilige Neuauflage der «Star Wars»-Filme. Beide Produktionen waren bereits im Kino grosse Erfolge und werden nun aus kommerziellen Gründen wiederbelebt.

Worum es geht, machte John Stankey, der Chef von Time Warner und HBO, schon letztes Jahr klar. «Wir müssen jede Stunde im Tag besetzen. Unsere Konkurrenz sind die Smartphones, die die Aufmerksamkeit der Nutzer alle 15 Minuten von neuem auf sich ziehen.»

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 25.04.2019, 21:38 Uhr

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