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Gewerkschaften kritisieren Personalumfrage der Post

Die Befragung sei nur vordergründig anonym, das verzerre das Ergebnis, sagen Transfair und Syndicom.

Im Postkonzern weht gemäss Arbeitnehmervertretern ein rauer Wind: Angestellte im Briefpostzentrum Härkingen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Im Postkonzern weht gemäss Arbeitnehmervertretern ein rauer Wind: Angestellte im Briefpostzentrum Härkingen. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Die Ergebnisse der Personalumfrage bei der Post haben überrascht. Letzte Woche gab der gelbe Riese bekannt, die Zufriedenheit seiner Angestellten sei nach wie vor auf hohem Niveau. Sie erreichte 73 von 100 möglichen Punkten und lag damit nur um einen Punkt unter dem Wert des Vorjahrs. Auch in Sachen Engagement und Identifikation mit dem Konzern und Arbeitssituation erteilen die Mitarbeitenden der Post erstaunlich gute Noten.

Erstaunlich deshalb, weil mit den geplanten Poststellenschliessungen rund 1200 Angestellte ihre angestammte Stelle verlieren dürften. Und deshalb, weil die Post im Backoffice derzeit eine Umstrukturierung am Laufen hat, mit der die Kosten um rund ein Drittel sinken sollen. Oder weil bei der Postfinance eine Reorganisation läuft und viele Angestellte immer noch nicht wissen, ob und wo sie in Zukunft noch gebraucht werden. Alles Gründe, die durchaus auf die Personalzufriedenheit, die Motivation und die Identifikation mit dem Arbeitgeber drücken können.

Die Umfrage zeichne ein verzerrtes Bild, heisst es denn auch beim Personalverband Transfair. Es herrsche ein Klima der Angst und Verunsicherung, sagt Gewerkschafter Stefan Marti, der früher selber im Konzern gearbeitet hat und bei Transfair für die Postfinance zuständig ist. Die Stimmung habe gedreht. Wo es früher familiär zu und her ging, blase heute ein rauer Wind.

Antworten beeinflussen Bonus

Bei der Gewerkschaft Syndicom verweist Matteo Antonini, stellvertretender Sektorleiter Post und Logistik, auf eigene Umfragen beim Personal, die zu anderen Resultaten kämen. Etwa jene unter rund 370 Angestellten der Paketpost. Sie hat vor einem Jahr ergeben, dass sich viele unter Druck gesetzt fühlen. Nur 1 Prozent stimmte beispielsweise der Aussage vollkommen zu, die Arbeitsbelastung sei gerade richtig.

Wie aber erklären sich die Gewerkschaften die trotz allem guten bis sehr guten Umfrageergebnisse? Für das gute Abschneiden sieht Marti mehrere Gründe. Der wesentlichste: Die Umfrage ist nur vordergründig anonym. Die Antworten würden bis auf die Stufe einzelner Teams von teilweise nur fünf Personen ausgewertet. Wenn ein solches Team kumuliert eine negative Bewertung abgebe, wisse der Teamchef in der Regel sofort, wer mit schlechten Antworten den Schnitt gedrückt hat. Und zum Fenster hinauslehnen wolle sich in der momentanen, unsicheren Situation niemand, so Marti.

Die Anonymität der Personalbefragung stellt auch Antonini infrage. «Wenn die Angestellten ihr Alter, ihr Geschlecht und ob sie teilzeit- oder vollzeitbeschäftigt sind, angeben müssen, und die Ergebnisse dann auf Teamebene bekannt sind, kann kaum von einer anonymen Erhebung die Rede sein», meint Antonini. Die persönlichen Angaben, so heisst es bei der Post auf Anfrage, müssten nicht zwingend gemacht werden. Sie seien aber hilfreich, um etwa zu sehen, wie die unterschiedlichen Alters- und Geschlechtsgruppen ihre Situation beurteilten.

«Das ist ein altbekannter Reflex: Wenn einem die Ergebnisse nicht dienen wie gewünscht, zweifelt man die Studie an.»

Oliver Flüeler, Post-Sprecher

Problematisch findet Antonini zudem, dass die Umfrage für die Kaderangestellten einen Einfluss auf die Zielerreichung und damit den Bonus habe. Das kritisiert auch Marti von Transfair. Es gebe Chefs, die ihren Teams vor der Umfrage sagten: «So schlechte Werte wie letztes Jahr will ich heuer nicht mehr sehen.» Gleichzeitig gebe es viele Angestellte, die dem direkten Vorgesetzten keins auswischen wollten. Deshalb würden sie ihre Antworten einfach ein wenig nach oben anpassen. Nicht zuletzt seien die Fragen häufig auch so formuliert, dass am Ende «die richtige Antwort herauskommt», erklärt Marti, der solche Umfragen aus seinen Jahren im Personalwesen bestens kennt.

Die Post weist die Kritik zurück: «Das ist ein altbekannter Reflex: Wenn einem die Ergebnisse nicht dienen wie gewünscht, zweifelt man die Studie an», sagt Post-Sprecher Oliver Flüeler. Dabei helfe die Auswertung primär den Mitarbeitenden, weil die Post bei negativen Resultaten in den Teams handle und Massnahmen ergreife, um die Situation zu verbessern.

Dass nicht in allen Kategorien Top-­Ergebnisse resultierten – die Strategie erreichte beispielsweise nur 63 Punkte –, sowie die hohe Rücklaufquote zeigten, dass die Angestellten die Umfrage nicht nur pro forma ausfüllten.

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