Gisels riskante Gegenattacke

Warum Patrik Gisel noch ziemlich dumm dastehen könnte.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Raiffeisen-Chef Patrik Gisel versucht, auf maximalen Abstand zu seinem Vorgänger Pierin Vincenz und dessen dubiosen Geschäften zu gehen. Er weiss: Jetzt geht es auch um seinen Job. Und der hängt an einem ­seidenen Faden. Daher ging ­Gisel in die kommunikative Offensive.

Obwohl er jahrelang die Nummer zwei war, will Gisel nichts von Vincenz’ Beteiligungen gewusst haben, mit denen sich der Ex-Raiffeisen-Chef ­bereichert haben soll. Er sei ­angelogen worden, sagt Gisel. Gleichzeitig verspricht er schonungslose Aufklärung. Auch von einer neuen internen Aufarbeitung aller Zukäufe ist jetzt plötzlich die Rede. Damit nicht genug: Gisel geht sogar so weit und vollzieht persönlich den Bruch mit seinem früheren Mentor. Freunde seien sie ­sowieso nie gewiesen, heisst es plötzlich.Dieses Vorgehen ist zwar nicht elegant, aber für den Machterhalt wohl nötig. Doch Gisels «Ich habe von allem nichts gewusst»-Strategie ist nicht ohne Risiken.

Denn die Ermittlungen stehen erst an ihrem Anfang. Noch ist erst in Umrissen erkennbar, was genau vorgefallen ist. Und von aussen ist schon gar nicht abzuschätzen, wer wann wovon gewusst hat.

Aussage gegen Aussage

Sollte im Zuge der Ermittlungen ans Tageslicht kommen, dass Gisel entgegen der eigenen Aussage doch von den Transaktionen seines Vorgängers früher gewusst hat, dann ist er als Chef der drittgrössten Bank nicht mehr zu halten. Ein Mann könnte dabei Gisel gefährlich werden: Pierin Vincenz. Dieser dürfte den öffentlichen Bruch und den Fakt, dass seiner Frau, Nadja Ceregato, von Gisel quasi per Pressekonferenz gekündigt wurde, kaum goutieren. Was aber macht Gisel, wenn Vincenz ihn bei der Staatsanwaltschaft anschwärzt und erzählt, er habe seine frühere Nummer zwei über seine Geschäfte in einem Vier­augengespräch informiert? Dann stünde Aussage gegen Aussage. Und Gisel ziemlich dumm da.

Denn als Aufklärer hat er bisher keine glückliche Figur gemacht. Die internen Ermittler der Kreditkartenfirma Aduno, an der Raiffeisen beteiligt ist, hatten in wenigen Wochen Material für eine Strafanzeige beisammen. Gisel brauchte dazu erst einen Tipp der Staatsanwaltschaft.

Erstellt: 02.03.2018, 22:37 Uhr

Artikel zum Thema

«Mit den Behörden ist nicht mehr zu spassen»

Interview Für Maurice Pedergnana, Bankenprofessor an der Hochschule Luzern, erinnern die Entwicklungen um Pierin Vincenz an frühere Vorkommnisse bei der Zürcher Kantonalbank. Mehr...

Die letzte Chance für den neuen Raiffeisen-Chef

Kommentar Tamedia-Chefredaktor Arthur Rutishauser über die neuste Entwicklung im Fall Pierin Vincenz. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...