Globus steht zum Verkauf, Manor muss raus, und jetzt?

Die traditionsreichen Schweizer Warenhäuser kämpfen mit sinkenden Umsätzen und Onlinekonkurrenz. Sind sie noch zu retten?

Warenhäuser haben gegenüber Onlineshops den Vorteil, dass sie Konsum und Erlebnis verknüpfen können. Foto: Patrick B. Krämer, Keystone

Warenhäuser haben gegenüber Onlineshops den Vorteil, dass sie Konsum und Erlebnis verknüpfen können. Foto: Patrick B. Krämer, Keystone

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Sie kämpfen seit Jahren. Und wie es auf den ersten Blick scheint, wenig erfolgreich. Warenhäuser verlieren zusehends an Boden: Seit mehr als sechs Jahren sinken die Umsätze, Filialen werden geschlossen, Mitarbeiter müssen gehen.

Ihren bisher grössten Kampf verlor die ­Warenhauskette ­Manor nun an der Zürcher Bahnhofstrasse. Ende Januar 2020 muss sie den Standort verlassen. Der Mietvertrag mit der Gebäudeeigentümerin Swiss Life wurde nicht verlängert. Dem war ein jahrelanger Streit vor Gericht vorangegangen: Die Versicherung wollte die Miete von 6 auf 19 Millionen Franken erhöhen; dagegen klagte Manor.

Das Warenhaus verliert in doppelter Hinsicht. Denn der Standort in Zürich soll nicht nur einer der einträglichsten aller Manor-Filialen sein. Es wird auch fast unmöglich sein, ihn zu ersetzen, falls das Warenhaus nicht bereit ist, die Stadtzürcher ­Filiale zu verkleinern. Die Schliessung bedeute einen Umsatzverlust im zweistelligen Millionenbereich, sagte Manor-Chef Jérôme Gilg am Montag bei der Bekanntgabe der Schliessung.

Schlag auf Schlag schlechte Nachrichten

Seit 2010 schrumpfen die Umsätze der Manor-Warenhäuser: von damals 2,98 Milliarden Franken auf heute geschätzte 2,4 Milliarden. Umsatzzahlen gibt das Familienunternehmen Maus Frères, dem Manor gehört, seit 2015 keine mehr heraus. Auch Filialen mussten schliessen: Von 70 Warenhäusern im Jahr 2010 sind heute noch 61 geöffnet. In der Folge sanken auch die Mitarbeiterzahlen.

In der Schweiz versuchen die fünf Warenhäuser Coop City, Loeb, Jelmoli, Globus und Manor, sich für die Zukunft fit zu halten. Oder sich fit zu machen. Einkaufstourismus und Onlinehandel machen den Häusern das Leben schwer. Das haben sie zum Teil selber verschuldet. Manor zum Beispiel startete seinen Onlineshop erst 2012.

In der Modebranche wächst die Konkurrenz. Onlinehändler wie Zalando oder Amazon graben klassischen Händlern die ­Umsätze ab. Im vergangenen Jahr wuchsen die Umsätze im Onlineshopping in der Schweiz laut dem Verband des Schweizerischen Versandhandels um 10 Prozent. Die Umsätze der Warenhäuser hingegen sanken.

Die Modebranche habe es in den vergangenen Jahren schwer gehabt, viele Anbieter hätten sich aus dem Markt verabschiedet, sagt Sandra Wöhlert, Geschäftsleitung des Marktforschungsinstituts GFK Schweiz. «Es ist einer der rückläufigsten Non-Food-Märkte.» Mit Food hingegen können Warenhäuser punkten. Dass Manor in Luzern Lebensmittel aus dem Sortiment gestrichen habe, sei ein Fehler, sagt Detailhandelsexperte Gotthard Wangler. «Sobald Manor auf Food verzichtete, sanken die ­Frequenzen.» Online läuft Food weniger gut, Frischeprodukte kauft man noch immer lieber im Laden.

Für die Warenhäuser ­bestehe die Chance, Konsum und Erlebnis zu verknüpfen, sagt die Konsumforscherin Marta Kwiatkowski vom GDI. Durch das Einkaufserlebnis könne sich der ­stationäre Handel hervorheben. «Es muss allerdings investiert werden, um eine Erlebniswelt permanent aufrechtzuerhalten», sagt sie. Luxushäuser, die ihre Verkaufsflächen bereits heute als Marketingfläche verstanden haben, hätten einen Vorteil.

Das Internet ist für das Warenhaus eine Chance

Dass die Warenhäuser bis heute an neuen Strategien feilten, sei eine Mitschuld ihrer Führungsetagen, sagt ein Branchenkenner, der nicht namentlich genannt werden möchte. Um die Warenhäuser in die Zukunft zu führen, brauche es Mut, Neues auszu­probieren.

Was bei Manor der Grund für einen zweifachen Chefwechsel in den vergangenen zwei Jahren war, bleibt offen. Doch bevor Jérôme Gilg im Januar diesen Jahres begann, hatte Stéphane Maquaire im Januar 2017 das Ruder von Bertrand Jungo übernommen. Maquaire baute Stellen ab, brachte den Onlinekanal auf Vordermann und räumte auf bei Manor – nach zwei Jahren wurde er vor die Tür gestellt. Urs Küng vom Immobiliendienstleister und Retailspezialisten Partner Real Estate sieht das Internet als die grosse Chance für das Warenhaus. Der Wunsch nach Transparenz über Herkunft und Zusammensetzung der Kleidung oder Lebensmittel steige. Die Aufgabe der Warenhäuser werde es zunehmend sein, den Kunden diese Erklärungen zu liefern.

Wie es für Manor an der Bahnhofstrasse weitergeht, ist ungewiss. Ein Immobilienexperte sieht durchaus zwei bis drei mögliche neue Standorte – abseits der Bahnhofstrasse. Auch bei der Verkaufsfläche müsse sich das Warenhaus einschränken. Statt der bisher über 10'000 Quadratmeter müsse es sich mit höchstens 6000 zufriedengeben.

Erstellt: 25.09.2019, 09:53 Uhr

Decathlon bricht Versprechen

Decathlon bricht Versprechen
Der französische Sportartikel­verkäufer Decathlon, der im vergangenen Jahr die Sportkette Athleticum von Manor-Besitzerin Maus Frères übernommen hatte, wird Ende Jahr in der Schweiz rund 850 Personen beschäftigen. Bei Bekanntgabe der Übernahme hatte Decathlon noch ­angekündigt, die Zahl der Mitarbeiter bis Ende des laufenden Jahres mit der Einstellung von zusätzlichen 600 Personen auf rund 1000 zu steigern. Dieses Ziel werde mit rund 850 Mitarbeitern per Ende Jahr noch nicht erreicht, sagt Adrien Lagache, der bei Decathlon für die Entwicklung des Schweizer Markts zuständig ist. (sda)

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