Grösster Aktionär setzt Sunrise unter Druck

Die milliardenschwere UPC-Übernahme droht zu scheitern. Jetzt muss Sunrise reagieren.

Muss Sunrise-Chef Olaf Swantee bei der UPC-Übernahme den Notausgang nehmen?

Muss Sunrise-Chef Olaf Swantee bei der UPC-Übernahme den Notausgang nehmen? Bild: Christian Beutler /Keystone

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6,3 Milliarden Franken wäre der Deal zwischen UPC und Sunrise schwer; ein neuer Riese auf dem Telekommunikationsmarkt geboren. Sunrise hätte Zugang zu Kabelnetzkunden und dem TV-Markt. Doch der grösste Aktionär von Sunrise – das deutsche Unternehmen Freenet – hat sich nun gegen eine Übernahme ausgesprochen. Freenet, die immerhin fast 25 Prozent der Sunrise-Aktien hält, sieht die Übernahme schon länger kritisch. Und die Stimme von Freenet hat Gewicht. Kein anderer Aktionär hält auch nur ansatzweise so viele Aktien wie Freenet. Schon mehrfach hat das Unternehmen seit der Ankündigung der Übernahme versucht, die Bedingungen neu zu justieren. Bisher ohne Erfolg. Sunrise will das Geschäft so durchziehen, wie man es aufgegleist hatte.

Freenet erhöht nun aber den Druck. Mit der Mitteilung, der Übernahme an einer ausserordentlichen Generalversammlung nicht zuzustimmen, ändert sich die Ausgangslage.

Der Hintergrund: Die Kapitalerhöhung um 4,1 Milliarden Franken würde die Sunrise-Aktionäre viel Geld kosten. Allen voran Freenet. Die Deutschen müssten rund 1 Milliarde Franken einschiessen. Etwas, das sie nicht wollen und wohl auch gar nicht könnten. Der Kaufpreis und die zugrunde gelegte Unternehmensbewertung für UPC Schweiz seien zudem zu hoch, vor allem wegen des angespannten Marktumfelds in der Kabelnetzbranche.

Mehr Fremdkapital

Christoph Vilanek, Chef von Freenet erklärte gegenüber dieser Zeitung: «Das Ziel müsste eigentlich sein, die Kapitalerhöhung von 4,1 Milliarden Franken zu verkleinern». Eine Möglichkeit wäre Liberty Global, das Mutterhaus von UPC Schweiz, selber am neuen Unternehmen zu beteiligen. Zudem soll das Fremdkapital erhöht werden. So könne die Belastung für die Aktionäre massiv reduziert werden, so Vilanek.

Mit dem heutigen Deal zahle man bei der Übernahme pro UPC-Kunde gut 2500 Franken. Das sei viel zu viel, vor allem auch darum, weil UPC in den letzten Monaten mit aggressiven Promotionen auf Kundenakquise gegangen sei, sagt Vilanek. Würden die wieder abspringen, wird der Betrag gar noch höher. Ausschlaggebend für die Ansage, gegen eine Übernahme zu stimmen, waren laut Vilanek die Quartalszahlen von UPC. «Wir haben unsere Berechnungen noch einmal überarbeitet und nach Rücksprache mit unserem Aufsichtsrat nun heute kommuniziert.» UPC hatte im vergangenen Quartal einen Umsatzrückgang zu verzeichnen gehabt. Der Umsatz sank zwischen April und Juni um 3,6 Prozent auf 315,6 Millionen Franken.

Anleger freuen sich

Der Markt reagierte positiv auf die Nachrichten aus Deutschland. Die Sunrise-Papiere stiegen um über 3 Prozent an. Es ist auch ein Zeichen, dass die Anleger einem No-Deal-Szenario einiges abgewinnen könnten.

Für Vilanek ist klar: die Sunrise-Aktien würden bei einem Alleingang schon bald wieder auf dem Niveau von vor der Ankündigung performen. Damals lagen die Aktien deutlich höher als heute. Einer Sunrise ohne UPC würde Freenet die Treue halten. «Solange wir eine schöne Dividende erhalten, ist ein Abgang kein Thema.» Und das ökonomische Umfeld stimme, die Geschäfte bei Sunrise liefen gut.

Um den Deal ganz zu verhindern, wäre an einer ausserordentlichen Generalversammlung Freenet auf Unterstützung angewiesen. Mit einem Anteil von fast 25 Prozent hat die Ankündigung des Unternehmens aber entsprechend Gewicht. «Wir haben diesbezüglich noch keine Gespräche mit anderen Aktionären geführt», sagt Vilanek. Man sei jetzt gespannt darauf, wie andere auf die Ankündigung reagieren.

Sunrise muss sich bewegen

Bei Sunrise nimmt man keine explizite Stellung zu den Aussagen von Freenet. Man nehme sie zur Kenntnis und will am 22. August wieder über die Übernahme informieren. Dann werden die Halbjahreszahlen präsentiert. Sunrise sei aber weiterhin überzeugt, dass eine «Übernahme von UPC Schweiz eine stärkere und wertvollere Sunrise schafft».

Nach der Ansage von Freenet ist aber klar: Sunrise muss seinen grössten Aktionär vor der ausserordentlichen Generalversammlung umstimmen können. Die Gefahr, dass der Deal platzt, ist nun zu gross, um sich nicht zu bewegen.

Erstellt: 16.08.2019, 15:12 Uhr

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