Günstiger telefonieren mit einem Auslandabo in der Schweiz

Wann sich ein Handy-Abo von Anbietern aus der EU lohnt und was Kunden beachten müssen.

Es gibt Fälle, in denen Kunden mit einem ausländischen Mobilfunk-Angebot in der Schweiz günstiger fahren. Foto: Keystone

Es gibt Fälle, in denen Kunden mit einem ausländischen Mobilfunk-Angebot in der Schweiz günstiger fahren. Foto: Keystone

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Thomas Müller, ein in der Schweiz wohnhafter Deutscher, nutzt seit einiger Zeit ein deutsches Handy-Abo: Magen­tamobil L der Deutschen Telekom. Er habe gemerkt, dass er damit erheblich sparen könne, sagt er. Das Abo kostete ihn die ersten zwei Jahre 47 Euro pro Monat. Nach Ablauf des Einsteigerrabattes beträgt der Preis nun 55 Euro. Es beinhaltet 6 Gigabyte Daten, unlimitierte Telefonie sowie Roaming bis zu einer bestimmten Nutzungsgrenze in der EU und der Schweiz. Für vergleichbare Abos mit Inklusiv-Roaming, sagt Müller, würde er bei Schweizer Anbietern 90 bis 100 Franken zahlen.

Ralf Beyeler, Mobilfunkexperte beim Vergleichsdienst Verivox, bestätigt: «Es gibt Fälle, in denen Kunden mit einem ausländischen Mobilfunkangebot in der Schweiz günstiger fahren als mit einem Schweizer Mobilfunkangebot.» Der Grund: Einige Telecomanbieter in der EU behandelten die Schweiz gleich wie EU- und EWR-Länder. Und da es seit diesem Sommer grundsätzlich kein Roaming in der EU mehr gibt, gälten die Konditionen dieser Anbieter auch in der Schweiz.

Ein Auslandsabo lohnt sich aber nicht immer. Wer Geld sparen will, sollte folgende Punkte beachten:

  • Entscheidend ist das Nutzungsverhalten. Lohnen kann ein Auslandsabo, wenn jemand viel ins europäische Ausland telefoniert oder nach Europa reist und im Internet surft. Thomas Müller beispielsweise telefoniert regelmässig nach Deutschland, was er mit dem deutschen Handy-Abo ohne Zusatzkosten tun kann. Extrakosten fallen allerdings an, wenn er vom Ausland in die Schweiz telefoniert. Müller nutzt deshalb in diesen Fällen Skype oder Whatsapp Call.
  • Nutzer, die primär im Inland telefonieren oder surfen, fahren dagegen mit einem Schweizer Abo besser. In der Schweiz gibt es inzwischen Flatrates mit unlimitierten Daten und unlimitierten Gesprächen ab 40 Franken im Monat, wie Verivox-Experte Beyeler festhält. Salt verkaufe als Promotionsangebot derzeit eine entsprechende Flatrate für unter 30 Franken. Bei Telefonaten im Ausland kommen jedoch Roamingkosten hinzu. Von den Schweizer Abos, bei denen Roaming inklusive ist, ist eines von UPC für 45 Franken jenem der Deutschen Telekom sehr ähnlich. Allerdings enthält es nur 4 statt 6 Gigabyte Daten. Für 65 Franken gäbe es das Abo aber auch mit 10 Gigabyte Daten.
  • Wer ein ausländisches Abo kauft, erhält dann natürlich auch eine ausländische Telefonnummer. Das kann für das Umfeld ungewohnt sein. Zudem zahlen Schweizer Anrufer dann den Auslandstarif. Thomas Müller weist deshalb Schweizer Anrufer jeweils ab und ruft sie dann selbst zurück.
  • Selbst wenn ein Nutzer zum Schluss kommt, dass ein ausländisches Abo sich lohnen würde, kann es sein, dass ausländische Telecomunternehmen Schweizer als Kunden abweisen. Denn die Anbieter haben Vertragsfreiheit. Das bedeutet, dass nicht verpflichtet sind, ­jedem potenziellen Kunden einen Abovertrag anzubieten. Viele Mobilfunk­anbieter, so Beyeler, verlangten für Abos einen Wohnsitz im eigenen Land. Teilweise sei das sogar schon bei Prepaid-Karten der Fall.
  • Letztlich kann es sogar sein, dass ein Schweizer Kunde früher oder später gesperrt wird, wenn er ein EU-Abo fast ausschliesslich in der Schweiz benutzt. Denn die EU hat bei der Abschaffung des Roamings eine Art Schutzklausel eingebaut, die sogenannte Fair-use-Regel. Sie soll verhindern, dass Kunden SIM-Karten in Ländern mit günstigeren Tarifen kaufen, diese dann aber überwiegend in ihrem Heimatland verwenden. Viele Anbieter verwenden diese Fair-use-Regel. So verlangen sie zum Beispiel einen Mietvertrag als Beweis, dass sich die Kunden in Zukunft häufiger im Heimatland des Anbieters aufhalten werden, wenn das Abo eine Zeit lang sehr oft im Ausland benutzt wurde.

Die Schweizer Telecomanbieter zeigen sich daher mit Blick auf die Auslandskonkurrenz gelassen. Bei der Swisscom heisst es, solche Fälle kämen äusserst selten vor. Meist sei ein Kombiangebot mit TV, Festnetzinternet und Mobile für die Kunden interessanter. Salt teilt mit, Konkurrenz belebe den Markt. Und Sunrise empfiehlt Kunden, die in der Schweiz wohnen, aber Familie und Freunde im Ausland haben, ihr Abo Freedom max. Das kostet allerdings 100 Franken im Monat. Eine Alternative wäre ein günstigeres Abo mit einer Option für Telefonanrufe in ein bestimmtes europäisches Land. Etwas Geld erhalten Swisscom, Sunrise und Salt zudem sogar, wenn Kunden mit Auslandsabos in der Schweiz telefonieren. Sie verrechnen dem ausländischen Anbieter den vereinbarten Tarif für die Nutzung ihres Netzes durch dessen Kunden.

Erstellt: 16.10.2017, 21:25 Uhr

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