Gute Investition für Arbeitgeber

Ein bezahlter Pflegeurlaub kann dazu beitragen, dass Angestellte schneller wieder die volle Leistung erbringen.

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Wer sich einmal über längere Zeit um einen pflegebedürftigen Elternteil gekümmert hat, weiss, dass an normales Arbeiten in solchen Phasen kaum zu denken ist. Schon Beruf, Partnerschaft und Kinderbetreuung sind manchmal schwer unter einen Hut zu bringen, bei der Erkrankung eines Angehörigen ist die Belastungsgrenze rasch überschritten.

Bis jetzt blieben Betroffene mit dieser Überfor­derung meist allein. Einen gesetzlich verankerten Urlaubsanspruch gibt es in der Schweiz nur für die Betreuung kranker Kinder (3 Tage pro Jahr). Bei der Pflege von Lebenspartnern oder Eltern sind Angestellte auf den Goodwill ihrer Arbeitgeber angewiesen. Dass die Thematik nun auf politischer Ebene aufgegriffen wird, ist richtig. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft und der Zunahme von Demenzerkrankungen sind Berufstätige vermehrt auch mit der Betreuung von Eltern gefordert. Fast zwei Drittel der 144'000 Demenzkranken werden beispielsweise zu Hause betreut.

Arbeitgeber tun gut daran, nicht auf gesetzliche Vorschriften zu warten. Wenn Angestellte wegen erkrankter Familienmitglieder übermüdet zur Arbeit kommen oder aufgrund permanenter Überlastung krank werden, kommt das die Betriebe teurer zu stehen als ein zusätzlicher Pflegeurlaub. Im Hinblick auf den Fachkräftemangel, der sich in einigen Branchen abzeichnet, sind die Arbeitgeber gefordert, attraktive Arbeitsbedingungen anzubieten. Dazu gehören nicht nur Teilzeitpensen und die Möglichkeit, zeitlich und örtlich flexibel zu arbeiten, sondern auch die unbürokratische Entlastung bei Betreuungsengpässen.

Firmen, die hier mehr bieten als das gesetzliche Minimum, signalisieren damit auch, dass es ihnen ernst ist mit der besseren Integration gut ausgebildeter Frauen – denn nicht nur bei der Kinderbetreuung, sondern auch bei der Pflege Angehöriger tragen Frauen die Hauptlast. Auf Dauer ist es nicht die Aufgabe der Unternehmen, private Pflegeaktivitäten ihrer Angestellten zu finanzieren. Ein Entgegenkommen bei Belastungs­spitzen, wie Microsoft das anbietet, kann aber dazu beitragen, dass Angestellte rasch eine gute Lösung finden, statt über längere Zeit am Limit zu laufen.

Erstellt: 19.01.2018, 19:41 Uhr

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