Hat Tidal-Besitzer Jay-Z mit Streaming-Zahlen geblufft?

Norwegen geht Vorwürfen nach, wonach die Zugriffszahlen beim von Superstars wie Jay-Z betriebenen Musikdienst frisiert wurden.

Millionenschweres Superstar-Ehepaar und Mitbesitzer von Tidal: Jay-Z und Beyoncé. (Archiv)

Millionenschweres Superstar-Ehepaar und Mitbesitzer von Tidal: Jay-Z und Beyoncé. (Archiv)

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Im Mai 2018 informierte die norwegische Tageszeitung «Dagens Næringsliv» ihre Leser erstmals und mit den grossen Lettern: «Beyoncés Hörerzahlen bei Tidal werden manipuliert.»

Bereits im nächsten Satz schrieb die Zeitung, dass nicht nur die Zugriffszahlen des Albums «Lemonade» der US-Sängerin – nota bene die Ehefrau von Tidal-Mitbesitzer Jay-Z und selbst auch Anteilseignerin –, sondern auch diejenigen von «Life of Pablo» von Kanye West – auch ihm gehört ein Teil von Tidal – künstlich nach oben getrieben wurden. Und zwar im grossen Stil: Es geht um Hunderte von Millionen angeblich abgerufene Lieder.

So sollen die beiden Superstars und ihre Plattenfirmen dank der falschen Zahlen auf Kosten anderer Künstler höher bezahlt worden sein, weil sich dadurch ein erhebliches Ungleichgewicht bei der Ausschüttung von Tantiemen ergeben hat.

Laut der «Dagens Næringsliv» zahlte Tidal 2016 rund 4 Millionen US-Dollar Tantiemen an das Label Sony, bei dem Beyoncé unter Vertrag steht. Davon sollen allein 2,5 Millionen US-Dollar für Abrufe von «Lemonade» geflossen sein. An Universal flossen demnach 3,2 Millionen US-Dollar, allein 2 Millionen US-Dollar für Streams von Wests Album.

Zusammen mit Experten der norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie hatte die Zeitung die Zahlen und Daten von Tidal untersucht. Im Schlussbericht heisst es, dass zu bestimmten Zeitpunkten Daten manipuliert wurden. Das Unternehmen Tidal mit Sitz in Oslo bestreitet die Manipulationen.

Ein Fall für Økokrim

Die Vorwürfe riefen auch die norwegischen Urheberrechts- und Musikverbände auf den Plan, die eine Beschwerde einreichten. Mit Erfolg. Laut dem Wirtschaftsportal Bloomberg.com läuft derzeit gegen den abonnementbasierten Streamingdienstanbieter eine Untersuchung durch die norwegische Behörde für Bekämpfung von Wirtschafts-, Umwelt- und Computerkriminalität (Økokrim).

«Durch Medienberichte wurde bekannt, dass der Verdacht besteht, dass jemand die Anzahl der Stücke einiger Lieder auf Tidals Streaming-Service manipuliert hat», wird die Anwältin von Økokrim, Elisabeth Harbo-Lervik, aus einer E-Mail an Bloomberg zitiert. Man habe nun eine Untersuchung eingeleitet, um dem Vorwurf einer angeblichen Manipulation nachzugehen.

Laut Tidals Anwalt Fredrik Berg von Fend werde Tidal weder verdächtigt noch angeklagt. Weitere Kommentare lehnte Berg ab.

Bereits 2017 hatte die «Dagens Næringsliv» die von Tidal kommunizierten Abonnentenzahlen von drei Millionen Nutzern nach nur einem Jahr Bestehen hinterfragt.

Aber auch Jay-Z zweifelte – nachdem er 2015 den Dienst vom norwegisch-schwedischen Technologiekonzern Aspiro (siehe Infobox) erworben hatte – an diesen Zahle. Der Star-Rapper schickte ein Jahr nach der Übernahme dem Vorbesitzer einen Brief, in dem er den Verkäufer beschuldigte, zum Zeitpunkt der Transaktion die Abonnentenzahlen überzeichnet zu haben. Er hatte eine Entschädigung gefordert, weil der Kaufpreis viel zu hoch gewesen sei. (nag)

Erstellt: 15.01.2019, 19:11 Uhr

Wem gehört Tidal?

Ein Grossaufgebot an Stars

Tidal wurde 2014 von der norwegisch-schwedischen Firma Aspiro gegründet. Im März 2015 hatte Jay-Z Aspiro übernommen. Kurz darauf wurden weitere Künstler bekannt gegeben, die zu den Anteilseignern gehören. Neben Beyoncé und Kanye West gehör(t)en auch Prince, Coldplay, Madonna, Rihanna, Daft Punk, Alicia Keys, Usher, Nicki Minaj Jack White oder Arcade Fire dazu.

2017 erwarb der US-Mobilfunkbetreiber Sprint Corp. einen Anteil von 33 Prozent.

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