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Immer mehr Nachtarbeit in der Schweiz

Die Zahl der Gesuche für Einsätze an Feiertagen oder in der Nacht steigen deutlich.

Der Tag geht, die Arbeit beginnt: Bürobetrieb im zweithöchsten Gebäude der Schweiz, dem Prime Tower Zürich. Foto: Reto Oeschger
Der Tag geht, die Arbeit beginnt: Bürobetrieb im zweithöchsten Gebäude der Schweiz, dem Prime Tower Zürich. Foto: Reto Oeschger

Die Wirtschaft läuft rund um die Uhr und ist deshalb immer stärker auf Arbeiterinnen und Arbeiter angewiesen, die dann anpacken, wenn der Rest der Schweiz am Schlafen ist. Betriebe, die auf Nachtarbeit angewiesen sind, können diese beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) beantragen. Wurden 2016 noch rund 1800 Gesuche gutgeheissen, stieg die Zahl nun auf rund 2300 an, wie eine Datenanalyse von Tamedia zeigt. Die Gesuche betreffen neu 83'000 Arbeitsplätze gegenüber 75'000 im Jahr 2016.

Nachtarbeit bleibt jedoch umstritten. Arbeitnehmervertreter kritisieren, dass sie auf die Gesundheit schlägt. Häufig komme es zu Schlafstörungen und Magen-Darm-Problemen, weil die Arbeitnehmer zu unregelmässigen Zeiten essen. Zudem leide das Sozialleben. Den betroffenen Personen falle es schwerer, am Gesellschaftsleben teilzunehmen. Besondere Sorge bereitet es den Gewerkschaften, dass die Ausnahmen zunehmen und die Arbeitszeit damit weiter zerstückelt wird.

Diktat der Konsumenten

Die «SonntagsZeitung» hat berichtet, dass die Sonntags- und Feiertagsarbeit in den letzten drei Jahren deutlich zugenommen hat. In den letzten drei Jahren ist die Anzahl bewilligter Gesuche um über 30 Prozent auf mehr als 2000 angestiegen.

2018 wurde für mehr als 70'000 Arbeitsplätze Sonn- und Feiertagsarbeit bewilligt. Vor zwei Jahren waren noch rund 60'000 Arbeitsplätze betroffen. Davon nicht erfasst werden kantonale Gesuche und Berufsgruppen, die ohnehin von dieser Bewilligungspflicht ausgenommen sind. Das gilt etwa für den Gesundheitsbereich oder die Gastronomie. «Als Begründung wird grundsätzlich das besondere Konsumbedürfnis aufgeführt, sehr häufig aber auch eine technische oder wirtschaftliche Unentbehrlichkeit», heisst es beim Seco.

Vorschriften sollen angepasst werden

Die internationale Zusammenarbeit spielt auch eine Rolle. Da sich die Feiertage in den Kantonen unterscheiden, beantragten Schweizer Firmen und die Niederlassungen von internationalen Konzernen Ausnahmebewilligungen, damit ihre Angestellte aus verschiedenen Kantonen und Ländern zusammenarbeiten könnten, heisst es beim Seco.

Die Analyse zeigt, dass die Zulieferbetriebe, Grossmetzgereien und Verteilzentren von Migros und Coop besonders oft Bedarf nach Sonn- und Feiertagsarbeit haben. Doch auch in Informatikbetrieben oder bei Produktionsanlagen ist der Bedarf gross. Entsprechend erhalten auch die Grossbanken UBS und CS oder die Pharmafirmen Novartis und Roche viele Bewilligungen für Sonntags- und Feiertagsarbeiten. Die Unternehmen zeigen sich dabei grosszügig. Aus einer Umfrage bei zehn Grosskonzernen geht hervor, dass die Mehrheit ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besser entschädigen, als gesetzlich festgelegt ist.

Sowohl bei der Nachtarbeit als auch bei der Sonn- und Feiertagsarbeit sollen die Vorschriften angepasst werden. Eine solche Änderung der Verordnung ist in der Vernehmlassung. Dadurch könnte auch in weiteren Berufen künftig bewilligungsfrei in der Nacht oder an Feiertagen gearbeitet werden.

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