«In Zürich werden wir alle drei Standorte behalten»

Globus-Chef Thomas Herbert erklärt, wie er sich die Integration von Schild vorstellt – und wie gross eine erfolgreiche Filiale sein muss.

Erst im Mittelfeld, jetzt vor dem Aus: Hemd, Anzug und Krawatte von Schild. Foto: Urs Jaudas

Erst im Mittelfeld, jetzt vor dem Aus: Hemd, Anzug und Krawatte von Schild. Foto: Urs Jaudas

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Der digitale Einkauf und auch der Einkaufstourismus erschweren Ihr Geschäft: Werfen Sie daher in den nächsten Monaten einen besonders kritischen Blick auf die Grenzregionen?
Nein, das wird nicht passieren. In den Grenzregionen schliessen wir nicht schlechter ab als in der restlichen Schweiz. Dies gilt besonders für Globus, dessen Sortiment in vielen Bereichen nicht so stark unter Druck ist wie das von Schild. Letzteres ist vergleichbar mit Marken wie S. Oliver oder Street One, die sehr preisgetrieben sind und stark in den Grenzregionen vertreten sind. Der Preiszerfall ist bei Schild, der sich preislich in der Mitte bewegt, grösser als im Premiumbereich.

Wie stark ist der Einfluss des Einkaufstourismus auf die ­Standorte in den Grenzgebieten?
Dieser Einfluss macht sich vor Ort nicht sonderlich stark bemerkbar. Schild in Basel ist beispielsweise nicht schlechter gelaufen als andere Standorte. Es existiert vor allem ein digitaler Einkaufstourismus, der den stationären Bekleidungsmarkt in der gesamten Schweiz stark konkurrenziert. Davon sind alle Standorte in gleichem Masse betroffen.

In Zürich befinden sich zurzeit ein Schild, ein Herrenglobus und das grosse Globus-Haus in unmittelbarer Nähe zueinander am Löwenplatz. Planen Sie da einen Globus-Campus? Oder wird einer der Standorte aufgegeben? Alle drei zu behalten, kann ja kaum im Sinne der Effizienz sein . . .
Zu Zürich kann ich schon heute sagen, dass wir alle drei Standorte behalten werden. In Zürich gibt es genügend Kundinnen und Kunden, und die Kaufkraft stimmt auch. Den Schild werden wir in einen Globus mit attraktiver Damenmode transformieren.

Wo liegt die kritische Grösse für ein Ladengeschäft?
Wenn wir Frauen- und Herrenmode zusammen anbieten wollen, werden es 800 Quadratmeter sein. Bei Fachgeschäften für Herren oder Frauen genügen 400 bis 500 Quadratmeter, darunter sehen wir keine Möglichkeiten.

Wie viele Standorte haben heute weniger als 400 Quadratmeter?
Es handelt sich um zehn Standorte.

Die Folgen für die Mitarbeiter wegen einer Filialschliessung dürften nicht in jedem Fall leicht abzufedern sein: Wer im direkten Kundenkontakt gut verkauft, eignet sich nicht zwingend auch für eine Beratung im Chat, wie sie Ihnen vorschwebt.
Vielleicht bietet sich dann für diese Mitarbeitenden eine Chance in der Logistik. Online auszubauen, bedeutet nicht nur, Entwickler und Spezialisten für die Kundenkommunikation einzustellen, sondern auch die Logistik zu stärken. Es wird ganz unterschiedliche Stellenprofile geben. Was feststeht, ist der Abbau von 80 Stellen in der Zentrale.

Wo sehen Sie noch Potenzial für Wachstum? In der Gastronomie?
In den Fachgeschäften werden es vor ­allem arrondierende Bereiche zur Mode sein wie Kosmetika, Parfümerie, Schuhe und Taschen. Gastronomie ist in den Fachgeschäften dazu da, die Verweildauer zu erhöhen und auch eine Zone zu bieten, wo sich die digitale Integration ausbauen lässt. Dort wird es keine Menüangebote geben. Wir denken eher an Bars oder Cafés. Wir brauchen Bereiche, wo sich Kunden hinsetzen und Dinge im Netz bestellen oder eine Auswahl treffen können. Click & Collect ist etwa eine Anwendung, bei der man vor Ort eine Auswahl von Produkten prüfen kann, die unsere Kunden vorab im Netz in die Filiale bestellt haben.

Erstellt: 12.05.2017, 22:29 Uhr

Thomas Herbert CEO Globus.
Foto: PD

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