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Irrfahrt mit spätem Ende

Travis Kalanick ist bei Uber nicht nur an seinem Unvermögen gescheitert. Die Investoren liessen den Unternehmer aus Eigeninteresse gewähren.

Uber erhielt mehr Geld als Facebook, Google, Amazon und Ebay zusammen. Foto: «The Washington Post» (Getty)
Uber erhielt mehr Geld als Facebook, Google, Amazon und Ebay zusammen. Foto: «The Washington Post» (Getty)

Der steile Aufstieg und abrupte Fall von «Bad Boy» Travis Kalanick wirft nicht nur ein schlechtes Licht auf ihn – sondern auch auf die Geldgeber von Uber. Viele von ihnen hatten mit Start-ups wie Google, Facebook, Linkedin, Zynga oder Twitter schnell und leicht Milliardengewinne gemacht. Mit Uber glaubten sie den Erfolg erzwingen und ohne jegliche ethische Bedenken ein Monopol errichten zu können. Das Vorhaben ist gescheitert, der Gewinn infrage gestellt.

78 Investoren haben seit 2009 mehr als 15 Milliarden Dollar in Uber gesteckt, teilweise zu weit günstigeren Bedingungen, als es für ein Start-up-Unternehmen üblich ist. Die Summe übersteigt alles, was das an Überfluss gewöhnte Silicon Valley zuvor gesehen hat. 15 Milliarden Dollar sind mehr, als Facebook, Google, Amazon, Yahoo und Ebay zusammen an Risikokapital bekommen hatten, bevor sie an die Börse gingen. Was die Investoren antrieb, war der geradezu grandiose Anspruch von Kalanick, den Taxidienst weltweit zu revolutionieren und zu kontrollieren.

Kurz gesagt: Uber sollte ein monopolartiger Koloss wie Amazon, Apple oder Google werden. Diese Perspektive, dieser Traum zog viele Geld­geber an, und sie waren es, die den Firmenwert bis vor einem Jahr auf unglaubliche 68 Milliarden Dollar stemmten. Uber war mehr wert als GM, Ford oder Tesla, und das, obwohl Kalanick steigende Verluste auswies und in immer mehr Märkten von Konkurrenten bedrängt wurde.

Eine erstaunliche Idee

Doch die beste Chance, Kasse zu machen, haben die Investoren inzwischen verpasst. Darauf deuten die jüngsten Wertberichtigungen durch institutionelle Anleger hin. Nach dem Auffliegen der Sexskandale im Frühling schrieben die ­Fondsmanager von T. Rowe Price und der Principal Financial Group ihre Uber-Beteiligung vorsichtshalber vorerst mal um 5 Prozent ab. Diese Korrektur dürfte aber zu gering sein. Gestützt auf die Abgangsentschädigungen einiger Uber-Mitarbeiter, schätzen Analysten heute, dass das Unternehmen noch 50 Milliarden Dollar wert sein könnte. Das wäre fast ein Viertel weniger als im Sommer 2016, als der saudische Investitionsfonds die letzte grosse Tranche von 3,5 Milliarden Dollar in Uber steckte.

Im Rückblick erstaunt mehr und mehr, wie leicht es Kalanick fiel, die Idee eines globalen Beförderungsmonopols zu verkaufen, obwohl das Taxiwesen stets lokal verankert und reguliert war und alle Versuche, nur schon ein nationales System zu errichten, scheiterten. Doch aus der Optik der Silicon-Valley-Investoren ist alles machbar, solange genug Geld investiert wird. Nur so ist zu erklären, dass sie Kalanick gewähren liessen, als er die Behörden in mehreren US-Städten mit einer betrügerischen Software hintergehen wollte. Nur so ist auch zu erklären, dass sie die Software «God View» (Blick Gottes) tolerierten, die auf prominente Uber-Kunden angesetzt werden sollte. Die Investoren fanden offenbar nichts dabei, als ein Uber-­Manager das Ausspionieren von Journalisten androhte. Und sie blieben stumm, als Kalanick einen Top-Ingenieur anheuerte, der bei seinem Abgang von Google geheime Software­pakete entwendet hatte.

Die vertane Chance der Geldgeber

Doch am bedenklichsten ist, dass die erfolgsverwöhnten Geldgeber nichts gegen die lausigen Arbeitsbedingungen der Fahrer unternahmen und ein frauenverachtendes Unternehmensklima akzeptierten. Im Rückblick zeigt sich, dass Uber einen von aussen zugezogenen, erfahrenen Topmanager gebraucht hätte. Einer oder eine, die den Firmengründer nicht fraglos gewähren lässt. Es hätte eine Sheryl Sandberg wie bei Facebook oder einen Eric Schmidt wie bei Google gebraucht. Doch Kalanick verhinderte dies und umgab sich stattdessen konsequent mit seinesgleichen. Er konnte das, weil er trotz der Geldschwemme die Kontrolle über 60 Prozent des Kapitals behielt.

Ein geschickter Zug, doch auch ein verhängnisvoller. Wäre Uber nicht in Geld geschwommen, hätten die Mittel bereits zu einem früheren Zeitpunkt mittels Börsengang beschafft werden müssen. Doch Kalanick verhinderte das. Er wusste, dass er dann der Kontrolle durch die Aktionäre, Analysten und die Börsenaufsicht ausgesetzt gewesen wäre. Sie hätten seine Irrfahrt vermutlich verhindern können. Erst als er sich weigerte, seinen Posten freiwillig zu räumen, und den überfällig gewordenen Neubeginn bedrohte, griffen die Geldgeber durch und feuerten ihn. Ihre Einsicht ins Unabwendbare kommt allerdings etwas spät. Vielleicht zu spät.

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