Islands Probleme mit einer zu teuren Währung

Dank einer unabhängigen Währung hat sich das kleine Land deutlich besser von der Krise erholt als andere Euroländer. Jetzt aber werden die Schwankungen der Krone für Island zu einem Problem.

Immer mehr Touristen bereisen Island: Das Freibad «Blaue Lagune» in der Nähe der Hauptstadt Reykjavik ist eine beliebte Attraktion. Foto: Tim Graham (Getty Images)

Immer mehr Touristen bereisen Island: Das Freibad «Blaue Lagune» in der Nähe der Hauptstadt Reykjavik ist eine beliebte Attraktion. Foto: Tim Graham (Getty Images)

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Auf den ersten Blick gleichen die Probleme Islands in Bezug auf seine Währung denen der Schweiz: Der kleine Inselstaat ist nicht Mitglied der EU und hat mit der Krone eine unabhängige Währung, die jüngst eine deutliche und für das Land problematische Aufwertung erfahren hat, die mittlerweile für die Wirtschaft des Staates zu einem Problem geworden ist. In der Anfang Jahr neu angetretenen Regierung des Landes denkt man deshalb offen darüber nach, die Krone fest an eine andere Währung zu binden. In einem Interview mit der britischen «Financial Times» erklärte der isländische Finanzminister Benedikt Johannesson, für eine Bindung käme entweder der Euro oder das britische Pfund infrage.

Beim Blick auf den Ursprung der Währungsprobleme Islands enden die Vergleiche mit der Schweiz. Der Inselstaat wurde von der Finanzkrise so hart getroffen wie wenige andere Länder. Die drei grössten Banken des Landes haben sich enorm verspekuliert, und das wurde ein Problem für das ganze Land, da ihre Bilanzsumme beim Ausbruch der Krise 14-mal so gross wie das Bruttoinlandprodukt war. Als die drei Finanzinstitute 2008 pleitegingen, brach auch die isländische Wirtschaft ein.

Boomender Tourismus

Anders als europäische Krisenländer wie Griechenland profitierte Island allerdings von seiner unabhängigen Währung, die damals in Euro gemessen rund die Hälfte ihres Wertes verlor. Das steigerte die Wettbewerbsfähigkeit isländischer Produkte des stark vom Export abhängigen Landes, auch wenn die Aussenverschuldung in eigener Währung dadurch deutlich anstieg. Doch Island zwang seine Gläubiger, Abschreiber auf der Schuld vorzunehmen: Es fror Rückzahlungen kurzerhand ein. Ausserdem schränkte der Staat den freien Kapitalverkehr ein, um so eine Kapitalflucht und einen Totalabsturz der Krone zu verhindern.

Grafik: Entwicklung der isländischen Krone Zum Vergrössern anklicken.

Die Folge der Massnahmen war, dass Island deutlich schneller aus der Krise herauskam als andere euopäische Länder. Die billige isländische Krone hatte insbesondere zur Folge, dass das Land für Touristen noch attraktiver wurde, als es wegen seiner Vulkane, Geysire und seiner aussergewöhnlichen Landschaft ohnehin ist. Seit 2010 verfünffachte sich die Besucherzahl beinahe, und der Fremdenverkehr wurde zur wichtigsten Wirtschaftsbranche, noch vor dem Banking und der Fischerei. Das bescherte dem Land mit lediglich 330 000 Einwohnerinnen und Einwohnern – das sind weniger, als die Stadt Zürich zählt – einen regelrechten Boom, sodass die isländische Wirtschaft im vergangenen Jahr um gewaltige 7,2 Prozent zulegte. Dieser Boom war es auch, der den Wert der isländische Krone im letzten Jahr gegenüber dem Euro um 20 Prozent ansteigen liess.

Die deutliche Wertzunahme der Krone erweist sich immer mehr als Belastung für andere Exportbranchen, allen voran für die Fischerei. Deren Produkte verteuern sich und verlieren so an Wettbewerbsfähigkeit. Es besteht die Gefahr, dass Investitionen in diesen Bereich ausbleiben. Dabei war man im Inseltaat nach der Finanzkrise bemüht darum, die Risiken der wirtschaftlichen Entwicklung auf mehrere Branchen zu verteilen. Denn was wäre, wenn die Tourismusströme plötzlich ausblieben und all die Immobilieninvestitionen in diesem Zusammenhang wertlos würden?

Anbindung, aber keine Aufgabe

Die Wertzunahme der Krone hat es immerhin möglich gemacht, dass Island im März die während der Finanzkrise eingeführten Kapitalverkehrskontrollen wieder abschaffen konnte. Weil damit bisher unmögliche Kapitalabflüsse möglich wurden, fiel der Wert der isländischen Währung etwas. Anderseits besteht die Gefahr, dass Kapitalzuflüsse –angezogen durch den Tourismusboom –die Währung weiter verteuern. Die Aussicht auf durch die Spekulation getriebene Schwankungen im Wert der Krone nach Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen sind der wichtigste Grund, weshalb die Regierung ihre Währung an eine andere anbinden will.

Anders als noch in früheren Jahren ist dagegen die gänzliche Aufgabe der Krone und die Übernahme etwa des Euro trotz den Problemen mit den Währungsschwankungen in Island – wie auch in der Schweiz – kein Thema. Die Isländer haben in der Krise gelernt, welchen Wert eine unabhängige Währung hat.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 03.04.2017, 20:47 Uhr

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