Italien startet Angriff auf Schweizer Banken

Schweizer Institute sollen ihre Geschäfte und die Namen ihrer Mitarbeiter in Italien offenlegen. Was hinter der Taktik steckt.

Im Tessin hat das Geschäft mit Kunden aus Italien Tradition, es ist aber stark geschrumpft: Finanzplatz Lugano.

Im Tessin hat das Geschäft mit Kunden aus Italien Tradition, es ist aber stark geschrumpft: Finanzplatz Lugano. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Nachbarländer nehmen den Schweizer Finanzplatz ins Visier. Schon bevor Frankreich der UBS eine milliardenschwere Busse aufgebrummt hat, hat der italienische Fiskus zahlreichen Schweizer Banken einen Brief geschickt. Der sorgt für Unruhe.

Schweizer Institute erhielten im Januar von italienischen Behörden einen Fragebogen zugestellt, mit dem diese detaillierte Auskünfte zu ihrer Geschäftspraxis in Italien verlangen. Die Behörden wollen unter anderem wissen, wie die Kundenvermögen verwaltet werden und mit wie vielen Kundenberatern die Institute vor Ort arbeiten – und sogar ihre Namen sollen offengelegt werden. Der Bankenpersonalverband warnt davor, dass die Rechte der Bankmitarbeiter in Bezug auf Datenlieferungen ins Ausland in Gefahr sind.

Auch Angaben zum Geschäftsvolumen werden verlangt. Ziel ist offenbar, dass Schweizer Banken Quellensteuern zahlen sollen. Das Schreiben ging auch an Banken aus Monaco und Liechtenstein.

Kundenbeziehung im Visier

Dabei haben es die Behörden nicht auf unversteuertes Schwarzgeld der italienischen Kunden bei Schweizer Banken abgesehen. Es geht ihnen um die aktuellen Kundenbeziehungen. Daher sorgt der italienische Vorstoss gerade im Tessin für grosse Nervosität. Dort hat das Geschäft mit Kunden aus dem Nachbarland Tradition – auch wenn es in den vergangenen Jahren stark geschrumpft ist.

Alberto Petruzzella, der Präsident der Tessiner Bankiervereinigung, sagte kürzlich dem «Corriere del Ticino», wenn Rom die Schweizer Banken angreife, würden diese reagieren. Lokale Banken, wie etwa EFG, wollen sich nicht äussern.

Der Vorstoss der italienischen Behörden sorgt gerade im Tessin für grosse Nervosität.

Rom hat in den vergangenen Jahren mehrere Steueramnestien durchgeführt. Italiener konnten sich jeweils selbst anzeigen und ihre unversteuerten Vermögen im Ausland offenlegen. Dadurch haben die italienischen Behörden einen Wust an Informationen über die Geschäfte der Schweizer Banken mit italienischen Kunden gesammelt. Nun wollen sie offenbar einen Nutzen daraus ziehen. Denn italienische Bürger sind in Italien nicht quellensteuerpflichtig, dort können nur Firmen diese Abgabe abführen. Bemessungsgrundlage für die Quellensteuer sind zum Beispiel Kredite an Kunden wie Hypotheken. Der Vorstoss soll nun dazu führen, dass die Schweizer Banken die Abgabe abführen.

Infoschreiben soll Geldhäusern weiterhelfen

Betroffen davon sind vor allem Institute, die ihren Kunden Hypotheken finanziert oder Lombardkredite gewährt haben. Gemäss dem Doppelbesteuerungsabkommen ist ein Steuersatz von 12,5 Prozent auf die Zinserträge zulässig. Das Kreditbuch einer Bank müsste daher sehr gross sein, um eine für sie schmerzhafte Steuerzahlung auszulösen. Kenner der Verhältnisse glauben daher nicht, dass es um grosse Beträge gehe. Es sei zudem nicht zu erwarten, dass andere Staaten dieselbe Taktik wie Italien wählen. Dies, da die Rechtslage in Italien sehr speziell sei und sich kaum auf andere Staaten übertragen lasse.

Schweizer Banken hätten aber ein akutes Interesse, diese steuer- und strafrechtlichen Entwicklungen in Italien sorgfältig zu beobachten, so der ehemalige Tessiner Staatsanwalt Paolo Bernasconi.

Zahlreiche von Italien angeschriebene Banken haben sich an die Schweizerische Bankiervereinigung gewandt. Zusammen mit den Behörden hat die Branchenorganisation ein Infoschreiben verfasst, welches den Geldhäusern weiterhelfen soll. Die Banken beantworten die Anfrage schliesslich nach eigenem Ermessen, wie ein Sprecher der Bankiervereinigung sagt.

Ermittlungen gegen 18 Mitarbeiter

Vieles an der Initiative der italienischen Behörden bleibt aber für hiesige Beobachter unklar, etwa, wie viele Banken kontaktiert worden sind.

Laut Medienberichten sind die italienischen Behörden zudem gegen die Tessiner Bank PKB vorgegangen. Gegen 18 Mitarbeiter werde ermittelt, weil sie italienischen Kunden dabei geholfen haben sollen, ihr Vermögen vor dem Fiskus zu verstecken. Laut dem Präsidenten der Tessiner Bankiervereinigung Petruzzella zeigten die Ermittlungen, wie sich die Einstellung der italienischen Behörden gegenüber den Schweizer Banken gewandelt habe.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 06.03.2019, 06:44 Uhr

Artikel zum Thema

Schaltergebühr legte beinahe neuen Einzahlungsschein lahm

Der Aufschlag für Bareinzahlungen am Postschalter sorgte für unerwarteten Ärger. Wie es zur Fast-Panne kam. Mehr...

Präsentation: Das ist der neue 1000er der Schweiz

Die Nationalbank hat die wertvollste Banknote der neuen Serie vorgestellt. Mehr...

Nach dem UBS-Urteil wächst die Angst vor weiteren Klagen

Nach der Milliardenbusse aus Paris fragt sich, was das Urteil für andere Schweizer Banken bedeutet. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Zahlgewohnheiten ändern sich

Für viele Menschen ist Bargeld heute noch das Nonplusultra. Kreditkarten gelten oft als teuer und eher unpraktisch. Doch die Zeiten ändern sich. Und vor allem die Karten selbst.

Kommentare

Blogs

Tingler Alles auf Zeit
History Reloaded Der Zwingli des Islam

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Wiederspiegelt die Gesellschaft: Ein Fahrradfahrer fährt im Lodhi Art District von Neu Dehli an einem Wandbild vorbei. (24. März 2019)
(Bild: Sajjad HUSSAIN) Mehr...