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Vögele wird verkauft – Marke verschwindet

Der kriselnde Schweizer Modehändler dürfte neue Besitzer erhalten. Und die handeln rasch.

Ab Sommer 2017 bis Anfang 2018 wurden sämtliche Charles-Vögele-Filialen in OVS umbenannt und umgestaltet.
Ab Sommer 2017 bis Anfang 2018 wurden sämtliche Charles-Vögele-Filialen in OVS umbenannt und umgestaltet.
Christian Beutler, Keystone
Der Vögele-Nachfolger OVS hat seine Mitarbeiter informiert, dass das Unternehmen Massenentlassungen in Betracht zieht.
Der Vögele-Nachfolger OVS hat seine Mitarbeiter informiert, dass das Unternehmen Massenentlassungen in Betracht zieht.
Christian Beutler, Keystone
Zunehmender Onlinehandel, Einkaufstourismus und 2016 auch schlechtes Wetter setzten seinem Unternehmen zu: Vögele-Chef Markus Vögeli, hier an der Bilanzmedienkonferenz. (26. April 2016)
Zunehmender Onlinehandel, Einkaufstourismus und 2016 auch schlechtes Wetter setzten seinem Unternehmen zu: Vögele-Chef Markus Vögeli, hier an der Bilanzmedienkonferenz. (26. April 2016)
Walter Bieri, Keystone
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Charles Vögele soll von dem italienischen Modekonzern OVS S.p.A. und zwei weiteren Investoren übernommen werden. Die Sempione Retail AG, bestehend aus OVS S.p.A. und zwei weiteren Investoren, hat ein öffentliches Kaufangebot zur Übernahme aller sich im Publikum befindlichen Inhaberaktien von Charles Vögele veröffentlicht.

Sollte der italienische Modekonzern OVS Charles Vögele übernehmen können, wird der Name Charles Vögele verschwinden. Die Umbenennung und die Umgestaltung der Läden soll bis 2018 abgeschlossen sein.

Umbau startet 2017

Die Charles Vögele Läden werden künftig den Namen OVS tragen. «Wir werden bis im Sommer 2017 einen erster Teil der Charles Vögele-Läden umbenannt und umgestaltet haben», sagte OVS-Chef Stefano Beraldo an einer Medienkonferenz am Montag in Zürich. Anfang 2018 soll dann die Integration des Schweizer Modekonzerns in OVS abgeschlossen sein.

Die Abkehr von der Traditionsmarke erklärte Charles Vögele Verwaltungsratspräsident Max E. Katz mit der Vergangenheit. Durch die anhaltenden Schwierigkeiten des Unternehmens sei die Marke belastet, sagte er. Beraldo behielt sich dabei vor, den Namen Charles Vögele allenfalls doch noch länger bestehen zu lassen, sollte die Umbenennung wider Erwarten nicht erfolgreich sein.

Und die Jobs?

Keine genaueren Angaben konnte beiden Manager zu den Auswirkungen der Übernahme auf den Personalbestand machen. Klar sei einzig, dass der Personalbestand am Hauptsitz eine Reduktion erfahren werde, sagte Katz. Über den Umfang etwas zu sagen, sei jedoch noch zu früh.

Der heute eingereichte Angebotspreis von 6,38 Franken pro Inhaberaktie entspricht einer Prämie von 2,1 Prozent gegenüber dem Schlusskurs vom Freitag. Sollten alle Aktien angedient werden, würde dies einem Kaufpreis von rund 56 Millionen Franken entsprechen.

Mindestkontrollquote von 70 Prozent

Das Angebot gelte für alle sich im Publikum befindenden Inhaberaktien mit einem Nennwert von je 3 Franken und stehe unter der Bedingung einer Mindestkontrollquote von 70 Prozent, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die Angebotsfrist soll voraussichtlich um den 26. Oktober beginnen und um den 23. November enden. Nach dem Abschluss des öffentlichen Kaufangebots sollen Charles-Vögele-Aktien dekotiert werden.

Neuer Verwaltungsrat

Nach der Übernahme von Charles Vögele soll der Hauptsitz in der Schweiz bleiben und der gesamte Verwaltungsrat zurücktreten. Anlässlich einer ausserordentlichen Generalversammlung soll anschliessend ein neuer Verwaltungsrat mit drei Vertretern von Sempione Retail gewählt werden.

Bei Sempione Retail handelt es sich um eine Gruppierung aus dem italienischen Modekonzern OVS und Aspen Trust sowie Retails Investment. OVS ist nach eigenen Angaben mit einem Nettoumsatz von 1,3 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015 die Nummer eins im italienischen Modemarkt. Zum börsenkotierten Unternehmen gehören unter anderem die Marken OVS, OVS Kids, UPIM und Blukids.

62 Millionen Franken Verlust

Aspen Trust ist mit einer Beteiligung von 15,2 Prozent Hauptaktionär von Charles Vögele. Das «Bindeglied» zwischen Aspen Trust und Charles Vögele ist Vögele-Verwaltungsrat Christophe Spadone, der diesen Trust vertritt. Die Retails Investment gehört den italienischen Unternehmern Jonathan Kafri und Enzo de Gaspari.

Charles Vögele befindet sich seit Jahren in der Krise. Im Geschäftsjahr 2015 wurden wiederum tiefrote Zahlen geschrieben. Der Jahresverlust belief sich auf 62 Millionen Franken. Auch im ersten Semester 2016 fiel erneut ein happiger Verlust von 32 Millionen Franken an. Vor Monatsfrist wurde daher die Schliessung von Filialen angekündigt. Bereits im ersten Halbjahr hatte Charles Vögele am Firmenhauptsitz in Pfäffikon SZ 50 Vollzeitstellen gestrichen, davon die Hälfte durch Entlassungen.

SDA/woz

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