Jetzt gibts ganze Würmer und Grillen zum Knabbern

Seit einem Jahr sind gewisse Insekten als Lebensmittel erlaubt. Coop baut das Angebot aus, während die Migros erste Produkte testet.

In den neuen Snacks findet man ganze Grillen und Mehlwürmer zum Verzehren.

In den neuen Snacks findet man ganze Grillen und Mehlwürmer zum Verzehren.

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Ein WM-Spiel schauen und dazu ein paar geröstete Grillen und Würmer knabbern – seit dieser Woche ist dies möglich. Die Mehlwürmer und Grillen sind geröstet, werden vermischt mit Nüssen und je nach Sorte mit Salz, Curry oder Paprika gewürzt.

Nachdem es bereits seit knapp einem Jahr Burger aus verarbeiteten Würmern und Energieriegel mit Grillen gibt, werden tote Insekten nun auch zum Apéro-Snack verarbeitet. Bei Coop gibt es Snack-Mischungen mit ganzen Insekten, wie der Grossverteiler schreibt. Damit baut Coop seine Stellung im Bereich Insekten-Food aus.

Migros will «keinen Gruselfaktor»

In den Regalen der Migros-Supermärkte findet man weiterhin keine entsprechenden Angebote. Beim orangen Riesen ist man im Bereich Insekten-Food aber nicht untätig. Bei der Migros-Tochter Micarna forscht ein Team intensiv an Gerichten aus Insekten.

Vom 26. bis 28. Juni führt Micarna sogar einen Feldversuch durch und testet eine erste Eigenkreation. Im Migros-Restaurant Topolino in Zürich gibt es einen sogenannten «Pop-Bug-Burger», hergestellt aus «natürlichen Zutaten und zu 35 Prozent aus Mehlwürmern bestehend», schreibt Micarna. Laut dem Unternehmen der M-Industrie ist der Bug-Burger eine «Produktinnovation ohne Gruselfaktor». Im Burger-Fleisch gebe es nämlich keine ganzen Insekten. «Wir sind überzeugt, dass der Markt ein Potenzial für verarbeitete Insektenprodukte hergibt», schreibt Micarna.

Entsprechende Burger und Fleischbällchen aus Insekten hat Coop seit vergangenem August im Sortiment. Wie gut der Verkauf läuft, will das Unternehmen nicht verraten. Coop-Chef Joos Sutter sagte dazu vor kurzem der «SonntagsZeitung» lediglich: «Umsatzmässig ist das noch nicht relevant.» Beim Insekten-Food gehe es um eine zukunftsweisende Ernährungsform, um Alternativen zum Fleisch. «Bei solchen grundsätzlichen Trends wollen wir früh dabei sein.»

Getestet wird der Insekten-Burger auch in den Hitzberger-Restaurants, die ebenfalls zur Migros gehören. Weiter will Micarna an Streetfood-Festivals herausfinden, wie die Kundschaft auf das Krabbel-Angebot reagiert.

Zürcher Start-up entwickelt Insekten-Food für Coop

Während man bei der Migros in den Labors der eigenen Metzgerei Micarna forscht, lässt Coop seine Insekten-Mahlzeiten von der Zürcher Essento Food AG entwickeln. Das Start-up-Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, Produkte aus essbaren Insekten zu entwickeln.

Werden die Konsumenten auch Zugreifen? Der Food-Journalist und Sensoriker Patrick Zbinden glaubt daran. «Die jetzt heranwachsende Generation sieht Insekten immer weniger als Schädlinge», sagt Zbinden. Die Akzeptanz, Mehlwürmer oder Grillen zu essen, sei bereits deutlich gestiegen. Ausschlaggebend, ob man die Insekten am Schluss auch isst, sei aber der Geschmack. «Auch hier hat sich einiges getan», sagt Zbinden.

Entsprechend setze Coop bei ihrer Innovation auf bekannte Geschmacksrichtungen wie Curry und Paprika. Hinderlich für den Erfolg der Insekten-Gerichte könnte der Preis sein, glaubt Zbinden. Die neuen Krabbel-Snacks von Coop sind deutlich teurer als Apéro-Nüsse. Eine Packung geröstete Grillen mit Nüssen beinhaltet 70 Gramm und kostet 6.95 Franken. Zum Vergleich: 160 Gramm geröstete Cashewnüsse mit Chili (Fine Food) gibts für 5.95 Franken.

Aldi und Lidl warten ab

Andere Grossverteiler wie Aldi und Lidl führen keine Insekten-Mahlzeiten im Angebot. Man verfolge den Trend jedoch, heisst es bei beiden auf Anfrage. Auch die Bauerngenossenschaft Landi setzt noch nicht auf Insekten zum Verzehr.

Seit Mai 2017 sind in der Schweiz drei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen: Grillen, Mehlwürmer und europäische Wanderheuschrecken. Das Bundesamt für Lebensmittel gibt genau vor, wie die Insekten gehalten und verarbeitet werden müssen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.06.2018, 17:23 Uhr

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