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Jobs bei Migros gefährdet

Zu hohe Kosten, Angriff durch Amazon, kriselndes Kerngeschäft: Die erfolgsverwöhnte Migros steht vor harten Einschnitten.

Wie genau geht das nun weiter mit der Migros? Nachgefragt beim Chef, Fabrice Zumbrunnen.

Die gestrige Bilanzmedienkonferenz der Migros war die Soloshow des Fabrice Zumbrunnen. Und der neue Konzernchef markierte schon bei seinem ersten Auftritt, dass beim Zürcher Detailhandelsriesen andere Zeiten anbrechen: Das Foyer war nicht mehr üppig dekoriert, die sonst stets in voller Zahl erschienene Generaldirektion blieb der Veranstaltung zu einem grossen Teil fern. Und selbst Finanzchef Jörg Zulauf, der sonst immer gerne ein paar flapsige Sprüche in seine Präsentation einbaute, gab sich ungewohnt wortkarg.

«Agiler und effizienter» soll die Migros werden. Das war die Hauptbotschaft gestern, und wenn man die Resultate anschaut, ist sie verständlich. Zwar überschritt der Gruppenumsatz der Migros erstmals die Schwelle von 28 Milliarden Franken. Auch konnte das Unter­nehmen dank einigen Umsatztreibern Markt­anteile gewinnen und weist eine gesunde Bilanz aus. Aber der Betriebs­gewinn brach um einen Drittel auf 603 Millionen Franken ein. Die Kurve zeigt bereits seit mehreren Jahren nach unten. Auch die Entwicklung des Reingewinns kann Fabrice Zumbrunnen nicht wirklich gefallen. Er sackte gegenüber Vorjahr um 25 Prozent ein.

«Respekt vor Amazon»

Die Gründe für die Entwicklung sind vielfältig. Die Migros selbst verwies auf die zu hohen operativen Kosten, Investitionen und Wertberichtigungen bei einzelnen Einheiten – unter anderem bei ExLibris, wo eine Restrukturierung zu Buche schlug. Doch der orange Riese steht auch auf der Ertragsseite gewaltig unter Druck: Der Preisrutsch im Detailhandel wird durch die Verlagerung der Einkäufe ins Internet immer grösser. Gestern sah sich die Branche mit einem weiteren Paukenschlag konfrontiert: US-Gigant Amazon spannt künftig mit der Schweizerischen Post zusammen. Ein entsprechender Bericht des Westschweizer Fernsehens RTS wird von der Post bestätigt. De facto bedeutet das, dass Amazon künftig sein ganzes Sortiment ohne Einschränkungen in die Schweiz wird liefern können. «Wir haben grossen Respekt vor Amazon», sagte Zumbrunnen, angesprochen auf den Deal. Allerdings: Bei der Migros rechnet man schon seit längerem mit dem vollen Markteintritt des Internetriesen. «Wir gehen in unseren Zukunftsszenarien immer davon aus, dass Amazon in die Schweiz kommt», sagte Migros-Handelschef Beat Zahnd schon vor einem Jahr zur Fachpublikation «Detailhandel Schweiz». Die Strategie von Digitec Galaxus, dem grössten Wachstumstreiber der Migros im Onlinegeschäft, sei entsprechend darauf aus­gerichtet. Am Zürcher Limmatplatz, dem Hauptsitz der Migros, fühlt man sich also gerüstet für den Angriff des amerikanischen Giganten.

Einfacher wird es die Situation für den neuen Chef aber mit Sicherheit nicht machen. Zumal es auch im Kern­geschäft der Migros, dem genossenschaftlichen Detailhandel, kriselt. Der Betriebsgewinn dieses Bereichs, der das Supermarktgeschäft beinhaltet, war 2017 mit 306 Millionen Franken gerade mal halb so gross wie etwa 2014. Der Umsatz einzelner kleinerer Genossenschaften schrumpft seit Jahren. Wie lange also wird sich die Migros diese Struktur noch leisten können? Gemäss Informationen dieser Zeitung wird das Thema in der Migros-Verwaltung seit ­geraumer Zeit diskutiert. Konzernchef Zumbrunnen hält sich bedeckt, wenn man ihn auf eine mögliche Zusammenlegung von Genossenschaften anspricht. «Es geht nicht um die Frage der Struktur, sondern um eine Veränderung der Kultur», sagt er allgemein.

Doch die erodierenden Gewinne dürften nicht ohne Folgen für die mehr als 100'000 Angestellten der grössten Arbeitgeberin der Schweiz bleiben. «Ich kann einen Job­abbau nicht ausschliessen», sagte der Romand gestern. Bei der Gewerkschaft stellt man sich offenbar bereits auf das Szenario ein: «Effizienzsteigernde Massnahmen, die auch mit veränderten Jobprofilen und Stellen­abbau einhergehen, sind zu erwarten. «Wir fordern von der Migros, dass sie diese Auswirkungen zwingend in einem Sozialplan abfedert und die Betroffenen aktiv unterstützt», sagt Kathrin Gasser, Sprecherin des kaufmännischen Verbandes. Dieser ist Sozialpartner der Migros und steht in Kontakt mit dem Management. Man sei im Rahmen der Sozialpartnerschaft von der Migros vorgängig über die Zahlen und die Einschätzung zur künftigen Entwicklung informiert worden, heisst es.

Ausbau im Gesundheitsangebot

Im Departement Handel wurde das Messer bereits angesetzt. Der Bereich, unter dem Tochtergesellschaften wie Denner, Le Shop, Globus oder Ex Libris angesiedelt sind, erwirtschaftete letztes Jahr ­erneut einen Verlust von 83 Millionen Franken. Während die Geschäfte von Denner gut laufen, stecken Globus und Ex Libris derzeit in einer massiven Restrukturierung. Der Bücherspezialist etwa baut jede dritte Stelle ab und schliesst drei Viertel aller Filialen. Globus wiederum befindet sich in einer Neupositionierung, die ebenfalls einen massiven Jobbau zur Folge hat. Auch am Hauptsitz des Migros-Genossenschaftsbundes läuft ein Effizienzsteigerungsprogramm. Daneben setzt die Migros selbstredend auch auf den Ausbau von Wachstumsfeldern. Das Gesundheits­angebot soll weiter ausgebaut werden, mit der Industrie will man vor allem im Ausland wachsen, Le Shop soll neu als Online-Lebensmittelshop der Migros-Supermärkte positioniert werden und so endlich mehr Wachstum generieren. Daneben sollen Umsatzzugpferde wie Digitec Galaxus oder die Convenience-Shops weiter gestärkt werden.

«Ich habe immer versucht, ein bisschen mehr zu leisten, als ich musste», sagt Fabrice Zumbrunnen, angesprochen auf seine Karriere. Diesen Ehrgeiz wird er in seinem neuen Job brauchen können.

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