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Jura will Postautos verbannen

Der Kanton schreibt alle Buslinien neu aus. Auch andernorts könnte die Post-Tochter ihr Monopol verlieren.

Postauto: Das Unternehmen kriegt die Kurve an mehreren Orten der Schweiz nicht mehr. Foto: Urs Flüeler/Keystone
Postauto: Das Unternehmen kriegt die Kurve an mehreren Orten der Schweiz nicht mehr. Foto: Urs Flüeler/Keystone

Nach dem Subventionsskandal droht Postauto ein weiterer Schlag: Mehrere Kantone wenden sich ab und geben anderen Busunternehmern eine Chance. Den Anfang macht der Kanton Jura. Als erster Kanton beschloss er, im kommenden Frühling sämtliche 38 Postauto-Linien öffentlich auszuschreiben.

Auf Hunderten von Busstrecken in der gesamten Schweiz hatte Postauto bislang das Monopol. Das heisst: Kein anderes Unternehmen konnte sich um diese Strecken bewerben. Doch Hans-Peter Wessels, Präsident der Konferenz der kantonalen Verkehrsdirektoren (KÖV), macht klar, dass das nun anders wird: «Das Vertrauen der Kantone in das Unternehmen Postauto hat ganz klar gelitten», sagt er. «Ich gehe davon aus, dass Gemeinden und Kantone Linien nicht mehr Postauto überlassen, sondern vermehrt öffentlich ausschreiben.» Diese Tendenz werde nach den Vorfällen deutlich zunehmen, sagt der KÖV-Präsident.

Was das heissen kann, zeigt der Kanton Jura. Er ist bezüglich Fläche der 14.-grösste Kanton und hat entsprechend viele Postauto-Linien. Die jurassischen Behörden haben die Aufgabe des Postauto-Monopols zwar bereits vor dem Subventionsskandal angedacht. «Doch der Skandal hat uns in unserem Entscheid bestärkt», sagt David Asséo, Leiter des Amtes für Mobilität und Transport des Kantons Jura.

Zwar könnte Postauto versuchen, einen Teil der 38 Linien bei der Ausschreibung zurückzuerobern. Der Tonfall der jurassischen Behörden dürfte dem Unternehmen aber wenig Hoffnung machen. Denn als Grund für die Ausschreibung nennt Asséo explizit den Unmut gegenüber Postauto: «Wir waren nicht zufrieden mit Kosten und Qualität der Postauto-Angebote.» Er wirft der Post-Tochter zudem «mangelhafte Transparenz und unzureichende Unterstützung für die Projekte» vor.

Der grösste Postauto-Kanton erwägt Ausschreibung

Auch in Graubünden, dem Kanton mit den meisten Postauto­-Linien, könnten bald weniger gelbe Busse fahren: Man führe nach der Betrugsaffäre «ein umfassendes Benchmarking durch, um Postauto mit anderen Transportanbietern besser vergleichen zu können», sagt Erich Büsser, Vorsteher des Amts für Energie und Verkehr Graubünden. «Es kann sein, dass wir nach Abschluss der Prüfung einen Teil der Linien ausschreiben», sagt Büsser.

Was das bedeuten kann, zeigt der Kanton Bern. Er ist der einzige Kanton, der schon vor der Postauto-Affäre einen erheblichen Teil der traditionellen Postauto­-Linien öffentlich ausgeschrieben hat: Von insgesamt 34 traditionellen Postautolinien, die der Kanton seit 2003 ausgeschrieben hatte, gingen danach 20 an ein anderes Busunternehmen. Die Berner Behörden wollen nach dem Postauto-Skandal weiterfahren mit dieser Praxis. Bern und der Kanton Wallis werden gemäss Bundesamt für Verkehr demnächst weitere Linien ausschreiben.

Es gibt jedoch auch Kantone, die lieber bei Postauto bleiben und höhere Preise zahlen, als die Vergabe der Buslinien dem Markt auszusetzen. Dazu gehört der Kanton St. Gallen. «Das Einsparpotenzial bei einer Ausschreibung kann unter Umständen beachtlich sein», sag Patrick Ruggli, Leiter Amt für öffentlichen Verkehr St. Gallen. «Aber für uns gelten nicht nur die finanziellen Aspekte.» Für Fahrleistungen zählten auch die Sozial- und Umweltverträglichkeit, sagt Ruggli. Deshalb setze der Kanton St. Gallen lieber auf Zielverein­barungen mit Postauto als auf Wettbewerb mit anderen Anbietern. Ähnlich klingt es aus dem Kanton Zürich.

Bei Postauto überlegt man sich offenbar, die traditionellen Postauto-Linien im Jura kampflos aufzugeben: «Sobald der Kanton Jura die Ausschreibungsunterlagen veröffentlicht hat, wird Postauto diese prüfen und entscheiden, ob das Unternehmen eine Offerte einreicht», sagt Postauto-Sprecher Urs Bloch.

Über den Umfang der Verluste in anderen Kantonen hat sich die Post-Tochter noch keine Gedanken gemacht. Bei Postauto bestünden derzeit «keine Prognosen zur Auswirkung möglicher Ausschreibungen», sagt Bloch.

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