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Kein Tracking im Zug oder Bus

Swiss Pass: Die SBB wollen die Privatsphäre respektieren.

Die Tage der gedruckten Billette und Mehrfahrtenkarte sind gezählt. Die teuren Automaten sollen durch dünne Tablets ersetzt werden. Was ausländische Grossstädte schon lange kennen, soll auch in der Schweiz kommen: die elektronische ÖV-Karte, auf die man Billette laden und im Voraus oder unterwegs entwerten kann. In der Schweiz gibt es die Karte schon, obwohl es uns nicht bewusst ist: Sie heisst Swiss Pass, die heute Monats-, GA- und Halbtaxabos speichert. 2,3 Millionen Exemplare sind im Umlauf, in zwei Jahren sollen es rund 3 Millionen sein. Bald sollten an Automaten und Tablets auch digitale Billette geladen werden.

Anders als im Ausland, wo die meisten ÖV-Karten anonym sind, ist jeder Swiss Pass auf eine Person registriert. Solange er nur Abos speicherte, war die Privatsphäre nicht gefährdet. Dies aber wird sich ändern, sobald digitale Einzelbillette hinzukommen. Mit jedem Kauf würden Anbieter wie SBB, BLS, ZVV oder Libero wissen, wohin wir fahren. Die News, dass die ÖV-Branche nun einen anonymen Swiss Pass einführen will, ist deshalb zu begrüssen. Sie ist auch das Resultat einer beharrlichen Position des eidgenössischen Datenschützers, eine Alternative zu handybasierten Billett-Apps, die Kunden tracken, anzubieten.

Für ÖV-Anbieter wäre das Verfolgen der Fahrgewohnheiten zwar Gold wert, denn sie könnten Kunden gezielt Angebote unterbreiten. Doch hinsichtlich der Privatsphäre ist dies so wenig akzeptabel, wie es wäre, wenn Autohersteller oder -versicherer uns auf der Autofahrt elektronisch verfolgen würden. Der Einwand, Google wisse sowieso, wo man sich befinde, trifft nicht zu, sofern man die Handy-Ortung und das W-LAN ausgeschaltet lässt.Beim unpersönlichen Swiss Pass sind noch Fragen zu klären, welche die SBB bisher nicht beantworten konnten: Wird das unpersönliche Generalabo wieder eingeführt? Es kostete ein Drittel mehr als das persönliche und wurde 2011 abgeschafft. Wird ein unpersönliches Halbtaxabo möglich werden? Wahrscheinlich nicht. Dann aber stellt sich die Frage, ob man künftig zwei Swiss-Pass-Karten benötigt: eine fürs persönliche Halbtaxabo und eine, um Billette kaufen. Das aber wäre lächerlich.

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