Keine US-Technologie für Huawei

Neben Google dürfen zahlreiche weitere Unternehmen nicht mehr mit dem chinesischen Konzern geschäften. Betroffen sind indirekt auch europäische Firmen.

Gemäss US-Regierung sei Huawei nicht sicher und der verlängerte Arm des chinesischen Geheimdienstes. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Gemäss US-Regierung sei Huawei nicht sicher und der verlängerte Arm des chinesischen Geheimdienstes. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Zwei Entscheide der US-Regierung liessen letzte Woche aufhorchen: Einerseits wurde der Kommunikationsnotstand ausgerufen, um zu verhindern, dass die USA von ausländischen Telekomfirmen abhängig werden. Als wäre es da nicht schon deutlich genug gewesen, dass die US-Regierung erneut den chinesischen Telekomausrüster Huawei im Visier hat, wurde die chinesische Firma auch noch auf eine schwarze Liste für Sicherheitsrisiken gesetzt. Wer mit einer solchen Firma geschäften will, braucht eine offizielle Erlaubnis.

Seit Monaten versucht die US-Regierung, befreundete Staaten davon abzuhalten, Huawei-Technologie für ihre Handynetze zu kaufen. Das Argument ist dabei immer dasselbe: Huawei sei nicht sicher und der verlängerte Arm des chinesischen Geheimdienstes. Huawei bestreitet das jeweils vehement und verweist darauf, dass Hintertüren in der Software ein viel zu grosses Geschäftsrisiko wären. Dass man bis jetzt keine solche Hintertüren gefunden hat, beruhigt Kritiker aber nicht. Sie argumentieren: Jetzt wird vielleicht nicht spioniert, aber das kann sich in ein paar Jahren mit einem Software-Update ändern.

So unklar die Diskussion um die Sicherheit von Huaweis Technologie ist, so unbestritten sind ihre Fortschrittlichkeit und vor allem ihr günstiger Preis. Gerade beim Aufbau der neusten 5G-Netze macht Huawei etablierten Anbietern wie Nokia oder Ericsson das Leben schwer.

Gestern nun wurde deutlich, was die zwei Entscheide der US-Regierung in der Praxis bedeuten. Google muss die Zusammenarbeit mit Huawei einstellen. Die zwei Firmen haben seit Jahren bei Smartphones zusammengearbeitet. Huawei baute die Geräte, und Google stellte das ­Android-Betriebssystem zur Verfügung. Solche Kooperationen sind im Smartphone-Geschäft normal.

Ausser Apple, das mit iOS ein eigenes Betriebssystem hat, sind alle Handyhersteller – allen voran Samsung – auf Googles Android angewiesen. Dieser ­offene Ansatz von Android hat dazu geführt, dass es mit 2,5 Milliarden aktiver Geräte zum ­weltweit ­dominierenden Betriebssystem geworden ist. Konkurrenten wie Nokias Symbian oder Microsofts Windows Phone mussten kapitulieren.

Nebst dem Betriebssystem liefert Google auch zahlreiche Apps, einen App-Shop und Dienste mit. Diese vorinstallierten Angebote haben bereits die Wettbewerbshüter der EU auf den Plan gerufen. Doch nun geraten sie auch ins Visier der US-Regierung und dürfen künftig genauso wenig wie Sicherheits-Updates auf Huawei-Geräten angeboten werden. Huawei und Google betonten zwar in ersten Statements, dass für aktuelle Besitzer eines Handys von Huawei oder Honor (eine Untermarke ­des Konzerns) weiterhin alles wie gehabt funktionieren soll. Was künftige Kunden erwartet, ist dagegen unklar.

Was ist mit Microsoft?

Von den neusten Massnahmen der US-Regierung ist nicht nur Google betroffen. Microsoft liefert mit Windows das Betriebssystem für Huaweis Laptops. Bis Redaktionsschluss konnte der Konzern nicht bestätigen, ob er sich dem Boykott ebenfalls anschliessen muss. Mit Intel hat aber der Prozessor-Lieferant der Huawei-Laptops bereits angekündigt, künftig nicht mehr liefern zu wollen. Auch Qualcomm, ein weiterer Chip-Hersteller, will die Zusammenarbeit mit Huawei aufkünden. Nebst den Zulieferern für die Handysparte trifft das Handelsverbot auch Firmen, die Huaweis Netzwerksparte mit Bestandteilen rund um Handymasten belieferten.

Auch Nicht-US-Firmen sind betroffen: So darf der deutsche Chip-Hersteller Infineon künftig keine in den USA hergestellten Produkte mehr an Huawei liefern. Die Mehrheit der Produkte des Konzerns dürften aber weiterhin an Huawei geliefert werden. Wie Huawei diese Lieferstopps wegsteckt, werden die nächste Monate zeigen. Einerseits dürfte der Konzern sicherheitshalber die Lager mit Bestandteilen aus den USA gefüllt haben. Andererseits hat Huawei in den letzten Jahren grosse Summen in die Erforschung und Entwicklung eigener Bauteile ­investiert. Auch bei der Software hat der Konzern einen Plan B: Huawei hat ein eigenes Betriebssystem in der Hinterhand. Ob das jedoch mit der Konkurrenz mithalten kann, muss sich zeigen.

Ebenso offen ist die Frage, ob und wie dieses neue Betriebssystem mit Android-Apps harmoniert. Am Versuch, ein eigenes App-Ökosystem mit Entwicklern und einen Onlineshop aus dem Boden zu stampfen, sind in den letzten Jahren schon namhafte Techkonzerne wie Microsoft, ­Nokia, Blackberry oder Palm gescheitert.

Erstellt: 20.05.2019, 20:56 Uhr

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