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Konflikt erreicht die nächste Stufe

Mit den angekündigten Zöllen auf US-Einfuhren trifft China die Vereinigten Staaten von Amerika dort, wo es am meisten schmerzt.

Der Flugzeughersteller Boeing würde von den chinesischen Zöllen stark betroffen.Foto: Patrick T. Fallon (Bloomberg, Getty Images)
Der Flugzeughersteller Boeing würde von den chinesischen Zöllen stark betroffen.Foto: Patrick T. Fallon (Bloomberg, Getty Images)

Präsident Donald Trump will den Diebstahl von amerikanischer Technologie und Forschung durch China unterbinden. Amerikanische Bauern und Exportfirmen zahlen den Preis dafür. Dies machte China mit einer Sanktionsliste von 106 US-Exportgütern im Wert von 50 Milliarden Dollar klar. Noch gibt es Raum für Kompromisse. Die Ziele der chinesischen Sanktionen haben drei Wochen Zeit, die Strafzölle der US-Regierung abzuschwächen und so den offenen Handelskrieg zu vermeiden.

Die Regierung Trump hatte am Dienstag eine Liste von 1300 chinesischen Produkten im Wert von 50 Milliarden Dollar vorgelegt, die mit einer Abgabe von 25 Prozent belegt werden. Trump bezeichnet das Defizit im Handel mit China von zuletzt 375 Milliarden Dollar als nationale Schande, und schuld seien nicht allein die Chinesen, sondern seine Vorgänger Bush und Obama. «Wir führen keinen Handelskrieg gegen China», twitterte er. «Doch der Krieg ist schon vor Jahren von dummen oder inkompetenten Leuten verloren worden, die die USA vertreten haben.»

Anfang Jahr schien es noch, als ob besonnenere Kräfte wie Gary Cohn und Rex Tillerson die Rachegefühle des Präsidenten unter Kontrolle halten können. Doch seit ihrem Abgang haben die Nationalisten und erklärte China-Hasser wie John Bolton das Sagen. Das weiss die chinesische Führung, und nur wenige Stunden nach Bekanntwerden der US-Liste antwortete sie mit Retorsionsmassnahmen. Peking wolle eine Eskalation noch immer vermeiden, hiess es, doch «dienen unilaterale und protektionistische Aktionen weder chinesischen noch amerikanischen Interessen, und am wenigsten der globalen Wirtschaft». Im übrigen sei es noch nie gelungen, «China durch Druck oder Einschüchterung zur Aufgabe zu zwingen».

Chinas Handelsüberschussmit den USA auf Höchststand

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Beide Seiten stechen mit ihren Sanktionen auf verwundbare Teile der Wirtschaft ein. Die USA wollen nach den Zöllen auf Stahl und Aluminium nun vor allem Güter belasten, die für die Volksrepublik und ihr Programm «Made in China 2025» strategisch wichtig sind: Halbleiter, elektronische Geräte, Pharma- und Medizinalprodukte und Elektroautos. Dagegen sollen billige Alltagsartikel wie Schuhe und Kleider ausgenommen werden.

Umgekehrt zielt China gegen industrielle und landwirtschaftliche Produkte und damit auf Regionen, die überwiegend Trump gewählt haben. Zölle von 25 Prozent sind unter anderem auf Sojabohnen, Schweinefleisch, Flugzeuge und Autos vorgesehen. Wie hart dies einen Agrarstaat wie Iowa treffen wird, weiss der chinesische Präsident Xi Jinping aus eigener Anschauung. 1985 besuchte er als stellvertretender Parteisekretär einer Provinz den Staat Iowa und freundete sich mit dem späteren Gouverneur Terry Branstad an. 2012 wiederholte Xi den Besuch und zeigte sich stolz auf einem Traktor von John Deere.

Video – China verhängt Strafzölle

Die chinesische Regierung reagiert mit Vergeltungsmassnahmen auf neue Strafzölle, die US-Präsident Donald Trump erlassen hat. (Video: Tamedia, AFP)

Heute steht Branstad als neuer Botschafter der USA in China mitten im Konflikt. Besorgte Bauern aus Iowa schickten im Februar eine Delegation nach Peking und ersuchten den Botschafter, die für sie katastrophalen Strafzölle abzuwenden. Iowa ist der grösste Produzent von Soja, Mais und Schweinefleisch für den chinesischen Markt. Ein Viertel der Sojaproduktion fliesst nach China. Die US-Farmer liefern Schweinefleisch von jährlich mehr als einer Milliarde Dollar nach China.

Auge um Auge, Zahn um Zahn

In einzelnen Regionen des Grain-Belt der USA sind gemäss dem Peterson Institute for International Economics wegen der chinesischen Sanktionen bis zu 40 Prozent der Arbeitsplätze gefährdet. China anderseits hat die eigene Agrarproduktion mit strategischen Zukäufen abgesichert. Noch unter der Regierung Obama wurde der gigantische Schweinefleischverarbeiter Smithfields Foods in Virginia und die schweizerische Syngenta mit dem Ziel erworben, das gentechnische Wissen für den forcierten Soja- und Maisanbau in China zu nutzen. Beide Deals würden im heutigen Umfeld kaum mehr bewilligt. Die chinesische Seite ist sich der Tragweite für das ländliche Amerika voll bewusst. Die staatliche «Global Times» brüstete sich kürzlich damit, wie schwer Strafzölle auf US-Soja die Trump-Wählerschaft treffen würde, und fügte drohend hinzu: «Wer mir ins Fleisch schneidet, dem schlage ich die Schneidezähne heraus.»

Hart getroffen würde auch die Flugzeugindustrie. Flugzeuge und Flugzeugteile sind mit mehr als 16 Milliarden Dollar pro Jahr der grösste Exportposten der USA gegenüber China. Peking setzte eine Reihe solcher Teile der Flugzeugfertigung auf die Sanktionsliste und schürte die Befürchtung, Boeing könnte direkt boykottiert werden.

Ein Kleinkrieg um einzelne Exporte dürfte chinesische Konsumenten stärker belasten. Doch die USA befinden sich derzeit in den letzten Phasen eines starken Aufschwungs, auch an den Finanzmärkten. Die Wirtschaft ist deshalb verwundbarer. Besonders heikel ist die Lage der Autoindustrie. Sie hat zwei Rekordjahre hinter sich und hofft nun, den Abschwung mit einer Expansion in China abfedern zu können. Doch auch diese Schwäche ist ausbeutbar. «Wenn es zum Handelskrieg kommt», warnte der chinesische Verband der Autohersteller, «so werden die US-Autofirmen rasch entdecken, dass ihr Zugang zum chinesischen Markt beschränkt ist.»

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