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Krise bei der Mall of Switzerland – eine Umnutzung ist nicht einfach

Kurz nach dem Start überlegen sich die Betreiber des Shoppingcenters in Luzern bereits einen Neuanfang. In Basel und im Tessin hat man Erfahrung damit.

Ernst Meier
Am Eröffnungstag kamen noch viele Besucher: Mittlerweile findet die Mall of Switzerland in Ebikon LU aber nicht genügend Kundschaft. Jetzt prüfen die Betreiber eine Umnutzung. (Video: Nicolas Fäs)

Im Einkaufscenter Stücki in der Stadt Basel, in Fussdistanz nur wenige Minuten zu Deutschland gelegen, wird gehämmert und gesägt. Die Umbauarbeiten bedeuten gleichzeitig den Abschied vom Shoppingcenter. Künftig nennt sich der Ort Stücki Park. Die Besitzerin, die Immobiliengesellschaft Swiss Prime Site, spricht von einem kompletten Neuanfang nach neun Jahren.

Das Stücki startete 2009 als klassisches Einkaufscenter – doch die Kundschaft blieb aus. Die Fläche mit Detailhändlern wird nun um zwei Drittel reduziert. Dabei fallen Kleidergeschäfte fast vollständig weg, erklärt Peter Lehmann, Chef von Swiss Prime Site. Auf der frei werdenden Fläche von über 20'000 Quadratmetern gibt es künftig Büros und Gewerberäume, ein Gigaplex-Kino mit 18 Kinosälen und ein Fitnesscenter.

Eine ähnliche Umnutzung könnte auch der Mall of Switzerland bevorstehen. Das zweitgrösste Einkaufscenter der Schweiz öffnete nach langwieriger Planung und mit Verspätung im vergangenen November die Tore. Die Bilanz nach neun Monaten ist verheerend. Ein grosser Detailhändler hat bisher nur ein Viertel der budgetierten Umsätze erreicht, wie die «SonntagsZeitung» schreibt.

Bilder vom Eröffnungstag

85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
85 Läden und 17 Restaurants: Die Mall of Switzerland wurde für 450 Millionen Franken gebaut. (27. Oktober 2017)
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Viel Platz: Bisher wurden rund 80 Prozent der Fläche des neuen Shoppingcenters vermietet.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Etwas für zukünftige Musiktalente: Auf der Orchesterwand kann man die Hand auf verschiedene Instrumente legen und diese tönen dann entsprechend.
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Volle Rolltreppen: Die Besucher strömten pünktlich zur Eröffnung durch die neu eröffnete Mall.
Manuel Lopez, Keystone
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Schulter an Schulter durch den Konsumtempel: Die Betreiber rechnen mit 50'000 Besuchern täglich.
Alexandra Wey, Keystone
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alles wird festgehalten: Eine Besucherin knipst ein Foto von der strahlend neuen Mall.
Alexandra Wey, Keystone
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Faszinierende Innenarchitektur: Die Besucher betrachten die auffälligen Deckenmuster.
Manuel Lopez, Keystone
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Knallig und hell: Das Shoppingcenter wirke fast ein wenig amerikanisch sagte eine Besucherin.
Manuel Lopez, Keystone
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Der Baustart war im Juni 2014: Es dauerte 41 Monate, um die Vision der Architekten umzusetzen.
Manuel Lopez, Keystone
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Spass im Wasser: Die Pocket-Wave kann bis Dezember besucht werden.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Infostand für Kinder: Der Roboter Pepper gibt den Kindern Auskunft.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Peace an alle Zuschauer: Die Besucher des Pathe bekamen nebst Unterhaltung auch Snacks.
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Kino und Fitnesscenter in einem: Die ersten Besucher trainieren auf dem Stepper im Kino Komplex. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Erste Panne: Ein Mitarbeiter probiert mit Taschentüchern das tropfende Wasser zu stoppen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Süsse Köstlichkeiten: In den 17 Restaurants haben die Besucher die Gelegenheit, sich zu verpflegen.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wonder-Waffel: Im Erdgeschoss lädt ein edler McDonalds mit Schwarz-Weiss-Tafeln und Wonder-Waffel zum Verweilen ein.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Wo stehe ich hier: Ein Junge orientiert sich auf dem Lageplan des Schoppingcenters.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Gigantische Grösse: Die Mall of Switzerland ist circa 10 Fussballfelder gross.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Beleuchtete Rolltreppen: In der neusten Schweizer Mall sollen 1100 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Traditioneller Empfang: Alphornbläser musizieren vor dem Eingang der Mall.
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Menschen so weit das Auge reicht: Massen von Menschen stehen im Eingang und drängen die Rolltreppe hoch
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Vom Regen ins Trockene: Die Besucher strömen in die neu eröffnete Mall.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Das Band ist durchschnitten: Jetzt ist das neuste Schweizer Shoppingcenter eröffnet.
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Der Moment des Tages: Hier durchschneiden Robert Küng, (Regierungsrat Luzern), Daniel Gasser, (Gemeinderat Ebikon), Max Hess, (Gemeinderat Dierikon), und Jan Wengeler, (Center Manager) das rote Band vor der Mall of Switzerland. (8. November 2017)
Alexandra Wey, Keystone
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Seht mal alle her: Die Damen in Weiss spielen mit dem roten Band vor dem Eingang.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Behält alles im Auge: Ein Sicherheitsbeamter bewacht die gläserne Einkaufspforte.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Der Regierungsrat Robert Küng hält die Eröffnungsrede.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Hüte in der Form des Logos: Diese Damen unterhalten die Besucher vor dem Eingang des neuen Zentrums.
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Der letzte Schliff für die Show: Bevor sich die Tore öffnen, machen sich die Künstler bereit, um den Besuchern ein Spektakel zu zeigen. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Trommelwirbel: Für die Eröffnung sind diverse Vorstellungen geplant. (8. November 2017)
Tages-Anzeiger/ Caroline Freigang
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Mehr Besucher als die Rigi und das Verkehrshaus zusammen: Im 65'000 Quadratmeter grossen Center werden jährlich 5 Millionen Besucher erwartet.
Tages-Anzeiger/Urs Jaudas
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Der Autobauer Tesla hat seine Verkaufsfläche bereits geräumt. Andere Geschäfte denken ebenfalls über einen Auszug nach. Centerleiter Jan Wengeler gibt sich trotzdem zuversichtlich. Gesamthaft sei man auf Kurs, sagt er in der «Luzerner Zeitung». Wengeler räumt jedoch ein, dass eine Umnutzung eines Teils der 65'000 Quadratmeter grossen Centerfläche geprüft werde. Eine Projektgruppe arbeite bereits daran, sagt Wengeler.

Völlig falsch geplant

In den sozialen Medien ist die Krise der Mall of Switzerland ein heftig diskutiertes Thema. «Offenbar am Markt vorbeigeplant», schreibt ein Leser. Eine andere Person meint: «War doch vorauszusehen.» Die Vielzahl an hämischen Kommentaren zeigt, die Schadenfreude in der Bevölkerung ist gross. Das Einkaufscenter in der Luzerner Agglomeration ist seit der Planung umstritten. Die ersten Investoren sprangen ab.

Gebaut wurde der 500 Millionen Franken teure Shoppingtempel nur, weil der Staatsfonds von Abu Dhabi einstieg. «Sie hätten während des Baus die Reissleine ziehen und die Pläne ändern müssen», sagt ein Insider. Die Shoppingcenterpläne beruhen auf über zehn Jahre alten Vorstellungen.

In der Zwischenzeit ist der Detailhandel im Umbruch. Onlineshops wachsen auf Kosten des stationären Verkaufs. Bei der Ebikoner Mall kommt hinzu, dass es nicht gelang, das Einkaufscenter auf die in Luzern in grossen Scharen verkehrenden asiatischen und arabischen Touristen auszurichten. Diese kaufen ihre Uhren und Souvenirs nach wie vor in der Luzerner Innenstadt.

Umbau braucht neue Bewilligung

Selbst wenn die Mall-Verantwortlichen zu einer Umnutzung gezwungen sind, dürfte diese nicht einfach werden. Denn Räumlichkeiten für grosse Detailhandelsunternehmen sind anders ausgelegt als Büroliegenschaften oder Wohnungen. Das mussten die Verantwortlichen des Centro Ovale in Chiasso erfahren.

Das Shoppingcenter steht seit Ende 2015 leer und gilt als die erste «Dead Mall» der Schweiz. Das Gebäude, gebaut in der Form eines riesigen Kieselsteins, hätte in ein Bürohaus umgenutzt werden sollen. Die Betreiber kündigten den Einzug des Onlinereisebüros Lastminute.com und von rund 400 Mitarbeitern an. Doch das Einholen der dafür nötigen Bewilligungen erwies sich schwieriger als erwartet. Eine Drittpartei erhob Einspruch. Schliesslich zog sich Lastminute.com zurück.

Bei einer Umnutzung müssen die Investoren nochmals kräftig Geld nachlegen. Beim Stücki beispielsweise investiert Swiss Prime Site rund eine Viertelmilliarde Franken in den Umbau. Und ob 18 Kinosäle und ein weiteres Fitnesscenter bei der Bevölkerung ankommen, muss sich erst noch zeigen.

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