Kritik am Eigenmietwert-Deal

Die umstrittene Steuer soll fallen und mit ihr Abzüge für den Unterhalt von Häusern. Das passt Teilen der Wirtschaft gar nicht.

Nicht begeistert: Handwerker fürchten um Aufträge von Hausbesitzern.

Nicht begeistert: Handwerker fürchten um Aufträge von Hausbesitzern. Bild: Urs Jaudas

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Ein «historischer Meilenstein» sei erreicht, verkündete der Hauseigentümerverband (HEV) letzten Dienstag. Grund für den Jubel war ein Plan, den die Wirtschaftskommission des Ständerats ausgeheckt hat. Sie will den umstrittenen Eigenmietwert abschaffen, den Hauseigentümer versteuern müssen. Er entspricht den theoretischen Mieteinnahmen, die sie mit ihrem Haus erzielen könnten. Auch Steuerabzüge für Schuldzinsen, den Unterhalt sowie – zumindest auf nationaler Ebene – für energiesparende Sanierungen sollen künftig wegfallen. Ein Kompromiss, der für den Staat haushaltsneutral sein soll. Und vor allem dafür sorgen soll, dass Mieter gegenüber Vermietern nicht benachteiligt werden.

Ärger bei Sanitärinstallateuren, Spenglern und Planern

Mit dem Vorschlag will die Kommission den Eigenmietwert nach vielen erfolglosen Versuchen endlich kippen. Es sei eine tragfähige Lösung, mit der auch linke Kritiker besänftigt werden könnten, sagt HEV-Präsident Hans Egloff. Unerwähnt lässt Egloff eine andere Gruppe, die betroffen wäre: das Gewerbe. Denn für Hausbesitzer dürften Renovierungen weniger attraktiv sein, wenn sie die Kosten dafür nicht von den ­Steuern abziehen können.

Beim Verband Suissetec ist man darum gar nicht begeistert vom Plan der Ständeratskommission. Der Verband vertritt 3500 Gebäudetechnik-Firmen, darunter Spengler, Sanitäre und Planer. «Diese Lösung ist kein Kompromiss, sondern kurzsichtig und dumm», sagt Direktor Hans-Peter Kaufmann. Sollten die Abzüge für Unterhaltsarbeiten wegfallen, würde dies Schwarzarbeit fördern, so Kaufmann. Denn für das Einfordern der Steuerabzüge braucht es korrekte Abrechnungen. «Auch aus diesem Grund sind Liegenschaften in der Schweiz besser und professioneller unterhalten als in anderen europäischen Ländern.»

«Steigen die Hypothekarzinsen, führt das zu riesigen Problemen.»Hans Kaufmann, Suissetec

Problematisch ist laut Kaufmann auch, dass Schuldzinsen nicht mehr von den Steuern abgezogen werden könnten. «Steigen die Hypothekarzinsen, führt das zu riesigen Problemen bei hoch verschuldeten Hausbesitzern.» Suissetec will sich gegen die Reform wehren, genauso wie AEE Suisse, die Dachorganisation der Wirtschaft für ­erneuerbare Energien und Energie­effizienz.

Wie viel die Verbände ausrichten können, ist unklar. Die Dachorganisation der Schweizer Bauwirtschaft, ­Bauen Schweiz, steht laut Berichten hinter der Reform. Die Position des Gewerbeverbands ist noch unkonkret. Er stimme der grundsätzlichen Stossrichtung der Vorschläge zu, sagt eine Sprecherin. Möglichkeiten zu Abzügen müssten aber bestehen bleiben. 

Auch für Banken könnte ein Ende des Eigenmietwerts Folgen haben. Dürfen Hausbesitzer ihre Schuldzinsen nicht mehr von den Steuern ­abziehen, schafft das Anreize, die Hypothek schneller zu amortisieren. Bei den Banken würden also die Zins- und Vermögensverwaltungserträge sinken.

Erstellt: 25.08.2018, 19:30 Uhr

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