Schweizerische Nationalbank ist Kritikern nicht grün genug

Die SNB will auch künftig nicht auf Aktien von Erdölfirmen verzichten. Andere Schweizer Grossinvestoren wählen einen anderen Weg und setzen die Umweltsünder unter Druck.

Profitiert von den Investitionen der SNB: Der Energiekonzern Chevron (im Bild eine Bohranlage in Argentinien).

Profitiert von den Investitionen der SNB: Der Energiekonzern Chevron (im Bild eine Bohranlage in Argentinien). Bild: Keystone

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Es war eine klare Absage. Andréa Maechler, Direktorin der Schweizerischen Nationalbank, sagte an einer Rede in Genf: «Das Bestimmen der Ziele und der Lösungsansätze für den Übergang in eine kohlenstoffarme Wirtschaft liegt nicht in der Kompetenz der SNB.» Zwar seien Klimarisiken eine grosse Herausforderung für die Schweizer Bevölkerung und die Wirtschaft und so auch Thema für die SNB – sie dürfe aber bei der Geldpolitik nicht in Interessenkonflikte geraten.

Seit 2013 kauft die SNB keine Aktien von Unternehmen, die Menschenrechte massiv verletzen oder gravierende Umweltschäden verursachen – Aktien von Erdölfirmen wird sie aber weiterhin halten. Dafür erntete sie von Parlamentariern und Wissenschaftlern in den sozialen Medien Kritik.

Die SNB steht mit ihrer Position nicht alleine da. Bundesbankpräsident Jens Weidmann hat vor wenigen Tagen davor gewarnt, die Geldpolitik mit umweltpolitischen Zielen zu überladen. «Forderungen nach einer grünen Geldpolitik sehe ich sehr kritisch», so Weidmann. Doch es gibt auch andere Stimmen. Christine Lagarde, die neue Präsidenten der Europäischen Zentralbank, hat sich bereits vor ihrem offiziellen Antritt dafür ausgesprochen, dass die EZB auf Anleihen von CO2-intensiven Unternehmen verzichten und nachhaltige Wertpapiere fördern könnte.

Tipps für Investoren

Auch grosse Schweizer Investoren sehen es als ihre Aufgabe an, dafür zu sorgen, dass ihre Investitionen vereinbar sind mit den Klimazielen des Pariser Abkommens. Der Schweizer Verein für verantwortungsbewusste Kapitalanlagen (SVVK), zu dem einige der grössten Investoren der Schweiz, wie etwa die Pensionskasse Publica oder der AHV-Ausgleichsfonds gehören, gibt seinen Mitgliedern Tipps ab, wie sie das erreichen können. «Der Verein empfiehlt seinen Mitgliedern, mit CO2-intensiven Unternehmen den Dialog zu suchen», so Marcel Metry, Präsident des SVVK. Ein Unternehmen solle darstellen, wie sich der Klimawandel und die Massnahmen zu dessen Begrenzung langfristig auf das Geschäftsmodell auswirken.

Die Einflussnahme auf das Management durch die Aktionäre zeige erste Erfolge. So habe der Erdölkonzern Shell erst auf Druck der Aktionäre eine detaillierte Klimapolitik verabschiedet. «Mit Engagement geben wir dem Kapital eine Stimme», erklärt Metry. Ist dieser Prozess nicht erfolgreich, kann der Verein einen Ausschluss empfehlen. Das bedeutet, dass die Mitglieder ihre Investitionen überdenken sollen. «Das ist aber die letzte Massnahme», so Metry. Bislang finden sich auf der Ausschlussliste des Vereins einige Waffenhersteller, aber noch keine Firma, die wegen Klimakriterien ausgeschlossen wurde.

Als vorbildlich gilt diesbezüglich der norwegische Staatsfonds. Das erdölreiche Land will vom wichtigen Rohstoff unabhängiger werden: auch bei seinen Geldanlagen. Der Staatsfonds hat jüngst beschlossen, seine Beteiligungen an Unternehmen aus der Kohlenindustrie um 10 Milliarden Dollar zurückzufahren. Dazu dürften die Anteile des schweizerisch-britischen Rohstoffgiganten Glencore gehören. Die Aktien des Bergbaukonzerns Rio Tinto sind für die Norweger aber wieder zulässig. Dies, nachdem sich die Firma von einer besonders dreckigen Kupfermine trennte.

Erstellt: 15.11.2019, 18:20 Uhr

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