Zum Hauptinhalt springen

Kurzschluss im Weissen Haus

Nach dem Abgang von Wirtschaftsminister Gary Cohn ist Trump schwer angeschlagen. Warum das für die EU eine Chance sein kann.

Gary Cohn war nicht der Wundermann der Regierung Trump, und die Demission des Wirtschaftsberaters führt nicht direkt zu einem globalen Handelskrieg. Der ehemalige Investmentbanker hätte eher schon früher gehen sollen. Etwa, als der Präsident nach den Unruhen in Charlottesville die Neonazis in Schutz nahm – und der gläubige Jude Cohn blieb. Oder als er ein Steuerpaket von 1500 Milliarden Dollar mit irreführenden Angaben über die Vorteile für den Mittelstand durchboxen half – und unterschlug, wie einseitig die reiche Minderheit profitieren wird. Obwohl Demokrat, stand Cohn für die republikanische Elite und für die Wallstreet. Das machte ihn zu einer Übergangsfigur in einer Regierung, die den Aufstand gegen die alte Ordnung probt. Er wusste das und gab sich nur ein Jahr.

Trumps Rückhalt gerade in Handelsfragen ist im Kongress schwach.

Sein Abgang verheisst dennoch Übles: Die US-Wirtschaftspolitik liegt nun ganz in den Händen von nationalistischen Aussenseitern, Donald Trump ist nur noch von Kopfnickern mit verqueren Ideen und Vorurteilen umgeben. Trump liebt das Chaos; es macht ihn zum Feldherrn einer Truppe von zweitrangigem Personal. Niemand wird ihn stoppen, wenn er die USA vom Welthandel abschotten und selbst die engsten Handelspartner – die Europäer, die Kanadier, die Mexikaner – dem US-Regime unterjochen will. Notfalls mit Strafzöllen und Sanktionen.Für die EU und die Nafta-Partner mag die Verlockung gross sein, die USA mit ihren eigenen Waffen zu schlagen – und damit dem destruktiven Präsidenten seinen so sehr gewünschten Handelskrieg zu ermöglichen. Ihr nachzugeben, wäre aber ein Fehler. Es würde den Isolationisten in die Hand spielen.

Trump ist nach dem jüngsten Fiasko schwer angeschlagen: Sein Rückhalt gerade in Handelsfragen ist im Kongress schwach. Deshalb gibt es für die EU auch keinen Grund nachzugeben. Sie sollte vielmehr die Leere im Weissen Haus als Chance verstehen, selber aktiv zu werden. Nicht mit einem Geplänkel um Bourbon, Jeans und Erdnussbutter, sondern mit der Forderung an die USA, die Differenzen mit umfassenden neuen Verhandlungen um einen transatlantischen Handelsraum zu beseitigen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch