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Wer kommt an die Post-Spitze?

Der gelbe Riese braucht eine neue Führung: Das muss sie können, diese Namen kursieren.

Wer wird neuer Chef? Die Post sucht europaweit. Im Bild: Briefzentrum Härkingen. Foto: Reto Oeschger
Wer wird neuer Chef? Die Post sucht europaweit. Im Bild: Briefzentrum Härkingen. Foto: Reto Oeschger

Quasi über Nacht ist Vizechef Ulrich Hurni an die Spitze der Schweizerischen Post gerückt. Der 60-Jährige leitet seit zweieinhalb Monaten vorübergehend das operative Tagesgeschäft des staatsnahen Unternehmens, das Anfang Jahr durch die Postauto-Affäre erschüttert wurde. Der Skandal um Buchhaltungstricks hat anhaltende Unruhe in die Post gebracht. Konzernchefin Susanne Ruoff, zwei Mitglieder des Verwaltungsrats und die komplette Geschäftsleitung von Postauto haben ihre Posten geräumt. Mitte August kam es am Hauptsitz in Bern zu einer Hausdurchsuchung durch das Bundesamt für Polizei als ermittelnde Behörde.

Interims-Chef Hurni hat alle Hände voll zu tun, um seinen Tanker wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen und Vertrauen herzustellen. Mitarbeiter beschreiben den Briefpost-Chef als Kämpfer für eine traditionelle Post, der zugleich ein geschickter Strippenzieher ist. «Für ihn zählt einzig die Briefpost. Dieser Geschäftsbereich liegt ihm sehr am Herzen, da er aus seiner Sicht exemplarisch für die Post steht», sagt ein Mitarbeiter.

Einem anderen Angestellten ist aufgefallen, dass Hurni geschickt ihm nahestehende Personen konzernweit platziert hat. Er hat den Ruf eines unscheinbaren Managers, der die Leute nicht unbedingt elektrisiert.

Bei der Post gross geworden

Ulrich Hurni ist beruflich beim gelben Riesen gross geworden. Begonnen hat er seine Karriere mit einer Lehre als Betriebssekretär. Danach arbeitete er während rund acht Jahren in verschiedenen Positionen bei der Postfinance, bevor er als Controller in den IT-Bereich der damaligen Telecom PTT wechselte. Ab 1995 war er in verschiedenen leitenden Funktionen im internationalen Bereich der Post tätig. Ab Mitte 2007 hatte er die stellvertretende Leitung der Briefpost inne. Im März 2009 wurde er Leiter dieses Geschäftsbereichs.

Ob der Verwaltungsrat Hurni zum regulären Konzernchef befördert, ist indes fraglich. Mit seinem Alter steht er vor dem Ruhestand. Zudem hat die Postauto-Affäre auch ihn eingeholt. Konkret: Um Gewinne bei Postauto vor dem Bundesamt für Verkehr zu verstecken, waren vier Varianten besprochen worden. Dies geht aus einer Aktennotiz vom 17. April 2013 hervor, die an die ganze Konzernleitung ging – und damit auch an Hurni.

Ulrich Hurni leitet die Post interimistisch. Foto: PD
Ulrich Hurni leitet die Post interimistisch. Foto: PD

Die Idee war es, den Personenverkehr mit anderen Bereichen der Post zu erweitern. Dies explizit, um den Behörden den Durchblick zu erschweren oder zu verunmöglichen. Trotz dieses Wissens ernannte Verwaltungsratspräsident Urs Schwaller Hurni zum Interimschef.

Die Suche nach einem neuen Konzernchef läuft auf Hochtouren. Insider berichten aber, dass sich diese Aufgabe schwierig gestalte. Ein Grund könnte sein, dass das Ausmass der Turbulenzen potenzielle Kandidaten abschreckt. Die Post hält dazu fest: Die Suche nach einer geeigneten Persönlichkeit sei «für jede Unternehmung eine Herausforderung» und werde «sorgfältig vorgenommen».

Die Post hat die Firma Amrop Executive Search in Zumikon beauftragt, eine geeignete Person zu finden. Ziel ist es, bis Ende Jahr einen neuen Chief Executive Officer vorstellen zu können. Post-Präsident Schwaller hatte bereits im Sommer angetönt, dass die Suche nach Kandidaten auch europaweit laufe.

Das Profil des neuen Chefs

Erstmals gab die Post auf Anfrage Auskunft darüber, wie das Profil des neuen Konzernchefs aussieht. Gesucht ist eine erfolgreiche Führungspersönlichkeit, welche auf verschiedenen Führungsebenen und als Firmenchef oder Konzernleitungsmitglied eines grossen Unternehmens Erfahrungen gesammelt hat – idealerweise in unterschiedlichen Branchen und Märkten sowie im internationalen Umfeld.

Diese Person soll ausserdem ein ausgeprägtes Verständnis für die gute Unternehmensführung haben. Schliesslich muss sie einen unternehmerischen Leistungsausweis mit erprobter Verhandlungsführung, nachweisbarer Erfahrung im Veränderungsmanagement und einer guten Vernetzung mit der Schweizer Wirtschaft und dem öffentlichen Bereich vorweisen können.

Auf der internen Liste mit Wunschkandidaten dürften auch amtierende Mitglieder der Postgeschäftsleitung gelandet sein. Favorit von Mitarbeitern und Branchenkennern ist Thomas Baur, Leiter Poststellennetz. Angestellte beschreiben ihn als «hemdsärmelig» und «pragmatisch». Intern sei er deshalb beliebt. Da der 54-Jährige erst seit zwei Jahren im Postmanagement sitzt, gilt er in der Postauto-Affäre als unbefangen. Als künftiger Konzernchef ins Spiel gebracht wird auch Dieter Bambauer, Leiter Logistik und Informatik. Der 60-Jährige hat den Ruf eines versierten Logistikprofis, der die Firma gut kennt. Dagegen fehle ihm ein gutes Netzwerk in der Schweizer Politik, heisst es. Seine lange Amtsdauer in der Geschäftsleitung sowie sein Alter gelten als weitere Handicaps.

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