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Liebe Expats ...

Bei Expats wird die Schweiz unbeliebter: wegen der Preise und unserer Frostigkeit. Eine Landesverteidigung.

Treffpunkt Pub: Expats in der Schweiz.
Treffpunkt Pub: Expats in der Schweiz.
Urs Jaudas

Es kränkt schon ein wenig: Die Expats, also die reichen Ausländerinnen und Ausländer in der Schweiz, fühlen sich hier deutlich unwohler als auch schon. Noch vor vier Jahren kam die Schweiz auf Platz 4 von 68 Ländern, jetzt ist sie auf Platz 44 zurückgefallen. Das ist ein deutlicher Liebesentzug.

Er geht aus einer internationalen Umfrage bei 18’000 Expats hervor, von denen 1000 hier leben, was impliziert, dass 17’000 keine grosse Ahnung haben und die Schweiz wahrscheinlich für Schweden halten. Das relativiert schon einiges.

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Fragt man nach den Gründen, wird unsere Verschlossenheit genannt, dann unsere Preise und unser Freizeitangebot. Als Symptom der Schweizer Frostigkeit nennt ein englischer Experte, der Reisejournalist Diccon Bewes, der die Schweiz gründlich kennt und auch liebt, das schweizerische Abstimmungsverhalten. Die Schweizerinnen und Schweizer mögen keine Minarette, sie haben, wenn auch sehr knapp, für die Masseneinwanderungsinitiative gestimmt. Ausserdem wollen sie kriminelle Ausländer so schnell wie möglich ausschaffen. Zwei der drei Anliegen klingen unsympathisch, das dritte ist nicht so einfach, wie es tönt.

Sind die anderen denn besser?

Und doch will man hier sein Land verteidigen. Und zwar mit drei Argumenten. Erstens: Seid ihr wirklich besser? Angenommen, England, Frankreich, Deutschland oder die Niederlande würden über die Errichtung von Minaretten abstimmen, also eine Symbolabstimmung über den Islamismus abhalten – würde diese Abstimmung wirklich so viel toleranter ausfallen als bei uns? Gegen 20 Prozent jeder Bevölkerung denkt fremdenfeindlich, das ist auch in Indien und Pakistan so, denn so sind die Menschen halt. Entscheidend ist immer, wie sich eine Regierung verhält.

Und dann zweitens: Müssen wir uns ausgerechnet von Engländern und Amerikanern Lektionen in Toleranz anhören? Amerika hat einen Rassisten zum Präsidenten gewählt, in England ist eine rassistische Mentalität ausgebrochen, Ausländer fühlen sich bedroht auf eine Art, wie man sie nie für möglich gehalten hat in einem Land, das den Parlamentarismus erfunden hat.

Und schliesslich drittens: Vergesst nicht, liebe Expats, dass wir im 19. Jahrhundert arm waren wie heute Albanien. Vergesst nicht, dass wir Bauern sind, die keine Könige mögen. Dass wir ein sehr kleines Land sind. Was ihr für Verschlossenheit haltet, ist nichts anderes als Schüchternheit. Hey guys: We are really cool. Wir getrauen uns bloss nicht, es zu zeigen.

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