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Liechtensteins fatale Enge

Die Reputation des Fürstentums könnte aufgrund des Betrugfalles ernsthaft Schaden nehmen.

Die Geschichte ist eigentlich unfassbar: Der ehemalige Präsident des höchsten Gerichts des Fürstentums Liechtenstein veruntreut über Jahre zweistellige ­Millionenbeträge – und niemand will etwas bemerkt haben. Für jeden Finanzplatz wäre ein solcher Fall peinlich. Liechtenstein aber droht weit mehr als das, seine Reputation könnte ernsthaft Schaden nehmen.

Denn einer der wichtigsten Standortvorteile des Fürstentums verkehrt sich hier in sein Gegenteil: die Kleinräumigkeit und Überschaubarkeit des Landes. Keine 38'000 Seelen wohnen in dem Kleinstaat an der Ostgrenze zur Schweiz. Die Entscheidungsträger kennen sich alle.

Dies erlaubt im günstigen Fall schnelle und unbürokratische Entscheidungen. Als die Schweiz noch dem alten, bequemen Geschäft mit dem Schwarzgeld nachtrauerte, machte Liechtenstein vorwärts und handelte ein viel beachtetes erstes Steuerabkommen mit Grossbritannien aus. Damit nahm es die heimischen Banken aus der Schusslinie. Als sich dann später der automatische Informationsaustausch (AIA) als internationaler Standard abzuzeichnen begann, löste das Thema in der Schweiz bei Banken und einigen Parlamentariern lang anhaltende Proteste aus. Das Fürstentum dagegen zeigte sich wendiger und erklärte sich früh bereit, den AIA einzuführen. Einmal mehr wirkte die Schweiz im Vergleich dazu als unbeweglich.

Vertrauensklima ausgenutzt

Diese Wendigkeit wird begünstigt, weil Banken, Regierung und Aufsicht in Liechtenstein kurze Drähte zueinander pflegen. Diese Nähe schafft Vertrauen. Der ehemalige Spitzenjurist des Fürstentums nutzte dieses Vertrauensklima offenbar aus. Doch nun steht die Frage im Raum, warum das Treiben des 69-jährigen Anwalts und Treuhänders in Vaduz niemandem schon früher aufgefallen ist.

Das Versprechen des Finanzplatzes Liechtensteins ähnelt sehr jenem der Schweiz: Bei uns herrscht politische Stabilität, die Banken sind solide, die Kundengelder sind in Sicherheit. Und nun hat ausgerechnet ein Mitglied der Liechtensteiner Elite in die Kasse der Kunden gegriffen. Und das Sicherheitsversprechen Liechtensteins ins Absurde verkehrt.

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