Mehr Geld für Gebäude und Solarstrom

Politiker von SP, CVP und Liberalen wollen Gebäudesanierungen und Sonnenkollektoren bevorzugen. Das geht jedoch nur mit neuen Speicherkraftwerken in den Alpen.

Damit auch in der Nacht und im Winter Strom zur Verfügung steht, muss dieser gespeichert werden. Im Bild: Das neuste Schweizer Pumpspeicherwerk Limmern, Kanton Glarus. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

Damit auch in der Nacht und im Winter Strom zur Verfügung steht, muss dieser gespeichert werden. Im Bild: Das neuste Schweizer Pumpspeicherwerk Limmern, Kanton Glarus. Foto: Alessandro Della Bella (Keystone)

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Ein überparteiliches Komitee will die Subventionen in der Energiepolitik anders verteilen, und so die Ziele des Klimaabkommens von Paris erreichen. Ohne Mehrkosten soll die Schweiz bis 2030 ihren Ausstoss von Kohlendioxid halbieren und bis 2045 um 90 Prozent senken können.

Dazu legen die Co-Präsidenten der Solaragentur – die Zürcher SP-Nationalrätin Priska Seiler Graf, der Luzerner CVP-Vertreter Leo Müller und der Basler Liberal-Demokrat Christoph Eymann – eine Studie vor, die aufzeigt, wie mit Investitionen in Gebäudesanierungen und Solaranlagen die inländische Produktion von Strom vervielfacht werden könnte.

Mehr Anreize für Gebäudesanierungen

Priska Seiler Graf wird auf dieser Basis mit einem Vorstoss verlangen, dass Gebäudesanierungen Zugang zu Einmalvergütungen erhalten, wenn sie neben der Stromerzeugung den Energieverlust halbieren. Es brauche noch mehr Anreize für Gebäudesanierungen, sagte sie. Damit könnten auch die Nebenkosten der Mieter gesenkt werden. Leo Müller will die Einmalvergütung für grosse Anlagen insbesondere in der Landwirtschaft zugänglich machen. Mit einer Nutzung von 80 Prozent der bei Bauern vorhandenen Dächer könnten die drei Kernkraftwerke in Mühleberg und in Beznau ersetzt werden und es gäbe einen Zusatzverdienst von 1,7 Milliarden Franken pro Jahr für die Landwirte.

Christoph Eymann will das Gleiche für Gewerbebauten erreichen, wenn diese die Energieverluste reduzieren. Alle drei fordern, die Subventionen dort zu streichen, wo sie weniger bringt. Dies sei insbesondere bei der Förderung der Kleinwasserkraft, der Windenergie und der Geothermie der Fall, wie Gallus Cadonau, Geschäftsführer der Solaragentur ausführte. Eymann kritisierte die «unverhältnismässigen» Unterschiede bei der Förderung. Während der Hochbausektor nur gerade zu einem Prozent unterstützt werde, gebe es Kleinwasserkraftwerke, die bis zum Dreifachen ihrer Kosten Subventionen erhielten. Leo Müller rechnete vor, dass die Unterstützung von Anlagen in der Landwirtschaft viel preisgünstigeren Strom produziere als die Kleinkraftwerke.

Mit der Offensive wollen die ­Initianten bis 2029 pro Jahr 100 Terawatt­stunden Solarstrom produzieren. Bis 2045 würden es dann 280 Terawattstunden sein. Das sei genug, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Die ­Initianten rechnen dafür mit Kosten von 1,4 bis 3,2 Milliarden Franken pro Jahr, je nach Szenario. Auf dieses Geld müssten ­andere Subventionsempfänger verzichten.

Notwendig wären bis zu 90 Pumpspeicherkraftwerke

Hinzu käme noch die notwendige Speicherung, um auch in der Nacht und im Winterhalbjahr über Strom zu verfügen, wenn die Sonne nicht scheint. Gemäss den Zahlen in der Studie bräuchte es 20 bis 30 weitere solche Kraftwerke bis 2029, bis ins Jahr 2050 sogar 60 bis 90. Auch das Paul-Scherrer-Institut rechnete vor zwei Jahren mit 40 bis 60 nötigen Pumpspeicherkraftwerken, um Strom für die Wintermonate speichern zu können.

Auf Nachfrage sagte Cadonau, es könne eventuell auch mit zehn Kraftwerken gehen, da die Gebäudesanierung ja den Stromverbrauch im Winter senken werde. Die Schweiz verfügt im Moment über zwei Pumpspeicherkraftwerke. Das neuste derartige Werk im Kanton Glarus ging 2015 ans Netz und kostete 2,1 Milliarden Franken.

Erstellt: 13.08.2019, 23:09 Uhr

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