Migros beobachtet Kunden auf Schritt und Tritt

Die Migros testet derzeit in einer Zürcher Filiale den Einsatz einer neuen Videoauswertungsmethode. Sie will so Diebe ausfindig machen.

Haarfarbe, Körpergrösse, Kleidung, Geschlecht: In einer Zürcher Migros-Filiale werden Kunden von Kameras genau beobachtet.
Bild: Keystone/Gaetan Bally

Haarfarbe, Körpergrösse, Kleidung, Geschlecht: In einer Zürcher Migros-Filiale werden Kunden von Kameras genau beobachtet. Bild: Keystone/Gaetan Bally

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In einem Zürcher Geschäft testet die Migros derzeit den Einsatz einer neuen Videoauswertungsmethode, um Diebe ausfindig zu machen. Dies berichtet die «Schweiz am Wochenende».

Aufgrund von Videoaufnahmen kann die Software neu die Wege der Kunden anhand von Erscheinungsmerkmalen wie Haarfarbe, Körpergrösse, Kleidung und sogar dem Geschlecht rekonstruieren. So soll eruiert werden, wie oft, wo und wie lange ein Kunde beim konkreten Verdachtsfall eines Diebstahls im Geschäft war. Zudem sollen die Kameras Analysen darüber ermöglichen, ob der Kunde ein Einzeltäter war oder einer Gruppe angehörte.

Erweiterte Unterstützung bei der Datensuche

«Der Test verläuft gut», sagt Sprecher Francesco Laratta. «Es handelt sich um eine erweiterte Unterstützung bei der Datensuche.»

In der Testfiliale werde aber nicht explizit auf die neue Auswertungsmethode des Videomaterials hingewiesen, da die Analyse nur bei einzelnen Ereignissen und auf bereits gespeicherte Daten angewendet wird, sagt Laratta. Der Hinweis, dass grundsätzlich Videoaufnahmen gemacht werden, sei aber in allen Migros-Filialen angebracht. Analysen von Liveaufnahmen seien hingegen nicht möglich.

Regelmässig gelöscht

Kritisch sieht das Ganze der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte. Es müsse den Kunden deutlich gemacht werden, dass sie mit mehr als einer herkömmlichen Überwachungskamera gefilmt werden, sagte ein Sprecher. Es sei ein spezieller Fall, wenn «biometrische Daten abgeglichen werden und das Bewegungsprofil durch den ganzen Laden hindurch nachgezeichnet wird.» Nur wenn die Kunden entsprechend informiert seinen, könnten sie ihr Auskunftsrecht geltend machen und verlangen, dass die Aufnahmen gelöscht werden.

Laratta verweist darauf, dass die Migros Zürich die neue Analysemethode ausschliesslich bei Diebstählen testet. Grundsätzlich werde das gesamte Bildmaterial in den Filialen innert Wochenfrist automatisch gelöscht. Bei begründeten Verdachtsfällen müssten die Sequenzen manuell gespeichert werden. (scl)

Erstellt: 28.09.2019, 06:58 Uhr

Artikel zum Thema

Stellenabbau: Migros-Mitglieder haben wenig zu sagen

«Die Migros gehört den Leuten», heisst es in der Kampagne des orangen Riesen. Doch Genossenschafter können kaum Einfluss nehmen. Mehr...

Migrolino prüft Gesichtsscanning

Das Gesicht scannen und schwupps – der Einkauf ist vom Konto abgebucht. Darüber denkt die Migros-Tochter nach. Andere Detailhändler zeigen sich vorsichtiger. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Fast wie auf der Titanic: Ein Liebespaar betrachtet die untergehende Sonne im untergehenden Venedig (17. November 2019).
(Bild: Luca Bruno) Mehr...