Mit dem Taxi in die Luft statt in den Stau

Das deutsche Start-up Lilium macht bei seinen Tests offenbar ermutigende Fortschritte.

Prototyp eines Lilium-Jets: Ab 2025 soll das Elektroflugzeug zu ersten kommerziellen Flügen abheben. Foto: PD

Prototyp eines Lilium-Jets: Ab 2025 soll das Elektroflugzeug zu ersten kommerziellen Flügen abheben. Foto: PD

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Die Angelegenheit war in Kürze erledigt. Der Lilium-Jet hob ab und schwebte in einigen Metern Höhe etwa 40 Sekunden lang in der gleichen Position, bevor er ferngesteuert wieder landete. Für das deutsche Start-up Lilium waren diese 40 Sekunden Anfang Mai ein Durchbruch. Zum ersten Mal flog der Prototyp seines vollelektronisch betriebenen Luft­taxis in der Luft.

Zwei Wochen später hat die Firma Details veröffentlicht: «Das Flugzeug hat sich exzellent verhalten, es gab keine Fehlermeldungen von den Systemen», sagt Gründer Daniel Wiegand. Der Lilium-Jet ist eines von ­nahezu unüberschaubar vielen Projekten für Elektroflugzeuge. Lilium jedoch glaubt, einen ­Entwurf gefunden zu haben, der technisch überlegen ist und das Einsatzgebiet dramatisch ­erweitert.

Der Blick geht auch in die Schweiz

Gefragt, ob und wann der Jet auch für Flüge zu Schweizer Destinationen zum Einsatz kommen könnte, sagte ein Sprecher von Lilium, die Schweiz «ist auf jeden Fall ein interessanter Markt für uns». Konkreteres, etwa zu einzelnen Flugzielen, konnte das Unternehmen noch nicht sagen.

Der Sprecher wies indes darauf hin, dass der Lilium-Jet mit einer Batterieladung 300 Kilometer in einer Stunde zurücklegen kann. Dadurch sei es möglich, ganze Regionen abzudecken und nicht nur innerhalb einzelner Städte zu fliegen. Im Januar hatte die «SonntagsZeitung» berichtet, dass die SBB mit dem deutschen Start-up eine Absichtserklärung unterzeichnet hätten. Daraus solle ein Gemeinschaftsunternehmen entstehen für den Betrieb von Lufttaxis von und nach Schweizer Bahnhöfen oder «anderen verkehrsstrategischen Punkten».

Der Lilium-Jet hat 5 Sitze und wird angetrieben von 36 kleinen Elektromotoren, die auf 12 beweglichen Klappen angebracht sind. Er startet und landet senkrecht, aber für den Reiseflug ­werden die Klappen in die Horizontale verschoben. Dann nutzt der Jet den Auftrieb von Rumpf und Tragflächen und kann dadurch viel schneller fliegen als Heli­kopter.

Schon vor zwei Jahren hat Lilium einen zweisitzigen Technologiedemonstrator in die Luft gebracht. Der Prototyp, der Anfang Mai und seither mehrmals geflogen ist, kommt dem künftigen Serienflugzeug schon sehr nahe. Der Lilium-Jet wird zunächst von einem Piloten geflogen, soll später aber auch autonom betrieben werden können. Dank seiner Reichweite von bis zu 300 Kilometern hat er nach Wiegands Ansicht ein «Alleinstellungsmerkmal», weil er auch kleinere Orte an den Hochgeschwindigkeitsverkehr anbinden kann.

Emissionsfreies Fliegen als Ziel

Ein Flug mit dem Lilium-Jet soll irgendwann mal so viel kosten wie eine Taxifahrt – zumindest wenn ein Pilot an Bord ist. Wenn der Übergang zum autonomen Fliegen geschafft ist, soll er nicht mehr kosten als eine Fahrt mit dem eigenen Auto. Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. 2024 will Lilium die Zulassung der Flugsicherheitsbehörden bekommen. Für die erste Version mit Piloten sind keine aufwendigen Regeländerungen nötig; es gelten die Gesetze für Helikopter und Flugzeuge.

Das vollautonome Fliegen ist hingegen noch Zukunftsmusik, zu viele Fragen rund um die Flugsicherung sind ungeklärt. Vorerst steht aber sowieso etwas anderes im Vordergrund: emissionsfreies Fliegen. «Das Flugzeug ist hinsichtlich der Anteile am Gesamtgewicht quasi eine fliegende Batterie», sagt Wiegand. Die Zellen stammen von Lieferanten, aber die Batterie und ihr Gehäuse sind eine interne Entwicklung. «Sie ist extrem leicht und hat viele Zellen. Das ermöglicht uns grosse Reichweiten.» Die Batterie hat eine Leistung von mehr als einem Megawatt. Sie soll gross genug sein für sieben bis acht kurze Flüge, vier bis fünf Minuten Ladezeit seien dann für 60 bis 70 Kilometer zusätzliche Reichweite nötig.

Nach dem Erstflug sollen nun weitere Flugmanöver erschlossen werden. Die schwierigste Übung steht noch bevor: der Übergang vom Start in den Streckenflug, bei dem die Klappen mit den Motoren nach vorne geschwenkt werden müssen. Gleichzeitig muss das Flugzeug Tempo aufnehmen und Auftrieb an Rumpf und Tragflächen aufbauen, während die vertikale Kraft der Motoren nachlässt. 2025 sollen die ersten kommerziellen Flüge erfolgen.

Erstellt: 26.05.2019, 22:59 Uhr

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