Tessiner Start-up erzeugt mit Drohnen billigen Strom

Weil der Wind weiter oben stärker bläst, werden Windturbinen immer höher. Noch weiter geht das Start-up Skypull.

Fliegen wie ein Drache: Die Drohnen des Start-ups Skypull sollen Energie billiger als Windturbinen produzieren. Foto: PD

Fliegen wie ein Drache: Die Drohnen des Start-ups Skypull sollen Energie billiger als Windturbinen produzieren. Foto: PD

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Der Wind hebt die Drohne wie einen Drachen nach oben. Die Leine, an dem sie befestigt ist, rollt aus. Durch das Ausrollen wird wie bei einem Dynamo im Generator am Boden Strom erzeugt. Danach leitet die Drohne einen kontrollierten Sturzflug ein, bevor sie wieder in den Drachenmodus übergeht. Im Fallwind generieren die kleinen Propeller an ihren Ecken Strom. Diesen braucht sie, um ihre eigenen Batterien wieder aufzuladen. Mit den Batterien kann sie sich selbst steuern oder bei einem Sturm selbstständig landen und dann wieder starten.

Entwickelt hat die Drohne das Tessiner Start-up Skypull. Einer der Gründer, Nicola Mona, stellte sie gestern am Stromkongress in Bern vor. Die Idee ­dahinter sei, weiter nach oben zu ­kommen, sagt er. Denn die Windstärke nehme mit zusätzlicher Höhe exponentiell zu. Zudem sei der Wind weiter oben konstanter. Skypull könne daher an mehr Tagen Strom generieren als klassische Windturbinen. Dadurch seien die Kosten pro Einheit erzeugter Energie halb so hoch wie beim Durchschnitt hiesiger Windturbinen.

Dass es etwas bringt, weiter nach oben zu gehen, wussten schon die Niederländer. Ihre zu Beginn des 16. Jahrhunderts entwickelten Holländerwindmühlen waren höher als ihre Vorgänger, rund 30 Meter hoch. Ihre Leistung fiel sowohl wegen der grösseren Flügel ­höher aus als auch wegen der stärkeren Windexposition. In den vergangenen Jahren sind Windturbinen in die Höhe geschossen wie noch nie zuvor. Seit ­Dezember ist im deutschen Gaildorf eine Windturbine in Betrieb, die bis zur Nabe – dort, wo die Rotorblätter befestigt sind – 178 Meter misst. Bis zur Spitze des nach oben zeigenden Rotorblatts ist sie 246,5 Meter hoch. Und vor der britischen Küste nahmen im Mai vergangenen Jahres 32 Windturbinen des dänischen Herstellers Vestas den Betrieb auf, die vom Meeresspiegel bis zur Rotorblattspitze 195 Meter messen.

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Solche extrem hohen Windkraftwerke gibt es in der Schweiz bislang nicht. Die höchste Windturbine hierzulande misst bis zur Nabe 119 Meter. Sie steht zwischen Landquart und Chur und wird von der Bündner Firma Calandawind betrieben. Am zweithöchsten sind drei Anlagen in Peuchapatte JU. Sie verfügen über eine Nabenhöhe von 108 Metern, wie Zahlen der Organisation Suisse Eole, welche die Windkraft fördern will, zeigen.

Im Ausland seien immer grössere Windkraftanlagen verfügbar, sagt Reto ­Rigassi, Geschäftsführer von Suisse Eole. Ob solche dereinst auch in der Schweiz gebaut würden, sei noch offen. Zwar gebe es keine staatliche Höhenbeschränkung für Windkraftwerke. Allerdings sei die Höhe bei jedem potenziellen Standort in der Schweiz ein zentrales Thema. In vielen Fällen gebe die Gemeinde mit der Nutzungsplanung eine Maximalhöhe vor.

Grosse Anlagen hätten aber durchaus Vorteile, meint Rigassi. Man könne so mit weniger Windturbinen mehr Energie gewinnen. Zudem drehten grosse Turbinen viel langsamer als kleine. Kleine machten etwa eine Umdrehung pro Sekunde. Grosse brauchten dafür sechs bis zehn Sekunden. Das wirke viel ruhiger, schon fast meditativ.

Flugerlaubnis erhalten

Nicola Mona von Skypull glaubt, dass seine Drohnen gesellschaftlich akzeptiert würden. Schliesslich fliegen sie in einer Höhe von 200 bis 600 Metern. Vom Boden aus seien sie damit kaum sichtbar. Skypull hat vom Bundesamt für Zivilluftfahrt die Flugerlaubnis erhalten. Dennoch gibt es noch Baustellen. So soll noch ein System integriert werden, das es der Drohne ermöglicht, Kleinflugzeugen oder Vögeln auszuweichen.

Ein Absturz der Drohne kann zwar nicht ausgeschlossen werden. Mona betont aber, dass das bei jedem Flugzeug und jeder Drohne der Fall sei. Es gehe immer darum, dieses Risiko durch Sicherheitsvorkehrungen auf einem Minimum zu halten. Die Skypull-Drohne könne ­zudem im Notfall per Leine eingeholt und damit an einem bestimmten Ort gezielt zum Absturz gebracht werden.

Das Unternehmen hat seine Idee bislang mit einem kleinen Prototyp getestet. «Damit haben wir gezeigt, dass unser Konzept funktionieren kann», sagt Mona. Nun soll bis 2020 ein marktfähiger grösserer Prototyp erstellt werden.

Skypull ist nicht das einzige Start-up mit dieser Idee. Twingtec aus Dübendorf ZH arbeitet an einem ähnlichen Projekt. Ebenso Makani Power, ein kalifornisches Unternehmen, das seit 2013 Google gehört. Weitere Konkurrenten sind die niederländische Ampyx Power oder die deutsche Enerkite.

Erstellt: 17.01.2018, 13:51 Uhr

Stromkongress

Treffpunkt der Branche

Von der Bundesrätin zum Start-up-Gründer, vom Regulator zum Wirtschaftsphilosoph: Mehr als 400 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und der Strombranche nahmen in den vergangenen zwei Tagen am Stromkongress in Bern teil. Der Kongress fand zum zwölften Mal statt. Organisiert wird er vom Verband Schweizerischer Elektrizitätsunternehmen und von Electrosuisse. Dominierende Fragen waren in diesem Jahr unter anderem, wie der Strommarkt in der Schweiz gestaltet werden soll und ob die Versorgungssicherheit auch künftig gewährleistet sei.

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