Chinesen stoppen Talfahrt der Uhrenindustrie

Die florierende Weltwirtschaft treibt den Schweizer Handel in Rekordhöhe. Welche Branchen besonders profitieren.

Ziel für das Gesamtjahr wurde in der Branche bereits nach sechs Monaten erreicht: Ein Mitarbeiter von Louis Chevrolet baut in Pruntrut eine Uhr zusammen.

Ziel für das Gesamtjahr wurde in der Branche bereits nach sechs Monaten erreicht: Ein Mitarbeiter von Louis Chevrolet baut in Pruntrut eine Uhr zusammen. Bild: Keystone

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So viel haben Schweizer Firmen in einem halben Jahr noch nie exportiert: Für 109,6 Milliarden Franken wurden in den ersten sechs Monaten 2017 Medikamente, Maschinen, Uhren und weitere Produkte ins Ausland verkauft. Die anziehende Weltwirtschaft trieb die Nachfrage nach Produkten made in Switzerland an.

Deutlich mehr geliefert als im Vorjahreshalbjahr wurde in die USA, nach China und Deutschland, wie aus den am Donnerstag veröffentlichten Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) hervorgeht.

Der nach wie vor grösste Handelspartner Deutschland (20,6 Milliarden Franken) sowie die USA (16,3 Milliarden Franken) gaben fast 7 Prozent mehr für Schweizer Produkte aus als noch im Vorjahreshalbjahr. Besonders in Deutschland hat die Konjunktur deutlich an Fahrt aufgenommen.

Neuer Exportrekord nach China

China kaufte mit einem Plus von 22,4 Prozent über ein Fünftel mehr in der Schweiz ein – die Exporte in die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt schnellten somit auf einen Höchststand von 5,8 Milliarden Franken. Die chinesische Wirtschaft war im zweiten Quartal auch dank staatlichen Stimulus-Massnahmen schneller als erwartet gewachsen.

Seit drei Jahren hat die Schweiz ein Freihandelsabkommen mit China. Seither haben sich die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern weiter intensiviert. Allerdings konnten die Chinesen ihrerseits bis zur Jahresmitte nicht mehr Produkte in die Schweiz exportieren: Die Importe aus dem Land verharrten praktisch auf dem Niveau des Vorjahreshalbjahrs, übertrafen aber mit knapp 6 Milliarden Franken die Exporte immer noch um über 200 Millionen Franken.

Ende der Talfahrt für Uhrenindustrie

Von der stärkeren Nachfrage aus China profitierten etwa die Uhrenhersteller: Sie konnten über ein Fünftel mehr in die Volksrepublik ausführen. Die Uhrenindustrie, die drittgrösste Exportbranche der Schweiz, scheint ihre Talfahrt der letzten eineinhalb Jahre gestoppt zu haben. In den ersten sechs Monaten erreichten die Ausfuhren das Vorjahresniveau.

Somit wurde dank eines guten zweiten Quartals das Ziel für das Gesamtjahr bereits nach sechs Monaten erreicht, wie der Schweizerische Uhrenverband (FH) in einer Mitteilung frohlockte. Allerdings bleibe die Lage lokal weiterhin ungewiss. So hätten sich die USA nicht an der Erholung beteiligt, und gewisse Märkte seien nach wie vor Gegenstand bedeutender Anpassungen.

Der unangefochtene Wachstumstreiber bei den Exporten blieb auch im ersten Semester die Chemie- und Pharmaindustrie. Zwei Drittel der Exportsteigerung waren auf ihre Produkte zurückzuführen. Die Ausfuhren von Medikamenten und Wirkstoffen kletterten um 7 Prozent auf ein neues Rekordniveau. Zuletzt zeigte sich allerdings eine Abschwächung: Im Juni traten die Ausfuhren arbeitstagbereinigt auf der Stelle.

Aufschwung der Metallindustrie

Die Exporte der Maschinen- und Elektronikindustrie traten im ersten Semester auf der Stelle. Die Metallindustrie hingegen konnte ihre Ausfuhren kräftig um 11 Prozent steigern. Bijouterie und Juwelierwaren verzeichneten ein Exportplus von 6 Prozent, Nahrungs- und Genussmittel eines von 1,3 Prozent.

Bei Bekleidung und Schuhen legten die Exportzahlen erneut wegen Retouren an Onlineshops im Ausland zu: Sie stiegen um ein Fünftel. Drei Branchen exportierten weniger: Die Fahrzeugindustrie (–3,8 Prozent), die Kunststoffindustrie (–2,7 Prozent) und die Papier- und grafische Industrie (–3,7 Prozent).

Unter anderem wegen guter Exportaussichten prognostizieren Ökonomen der Schweizer Wirtschaft dieses Jahr ein Wachstum zwischen 1,3 und 1,7 Prozent.

Starke Importe

Der Handel der Schweiz florierte auch in umgekehrter Richtung: Im Juni betrug das Importplus 12,9 Prozent. Im ersten Semester erreichten die Einfuhren mit einem Plus von 4,8 Prozent den höchsten Wert seit 8 Jahren.

Neun der zwölf Hauptgruppen wiesen in der ersten Jahreshälfte Importsteigerungen auf. Insbesondere die Energieträger legten mit 26,8 Prozent deutlich zu. Darin spiegelten sich die anziehenden Preise. Den höchsten Beitrag zur gesamten Importsteigerung lieferte mit einem Plus von 1,9 Milliarden Franken (9 Prozent) wiederum die Pharmaindustrie. (woz/sda)

Erstellt: 20.07.2017, 08:02 Uhr

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