Nur die Bank gewinnt sicher

Wer jetzt in den ­Finanzmarkt einsteigt, muss wissen, dass der sichere Gewinn nur bei der Bank anfällt. Ob man als Anleger Geld verdient, hängt hingegen vor allem vom Glück ab.

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Es gibt vieles in der Bankenwelt, das an 2006 erinnert, die Blütezeit der Spekulation, kurz bevor die Finanzblase platzte. Oder an 2001, als vor dem 11. September die Aktienkurse in den Himmel stiegen. Alles war ­phänomenal neu, phänomenal gut, und um noch ­aggressiver auf die neuen Zeiten wetten zu können, ­erfand die Finanzbranche laufend mehr Kombinationen, oder strukturierte Produkte, wie sie bald einmal genannt wurden.

Immer ging es um dasselbe: Man versuchte, mit der Kombination verschiedener Angebote ein neues zu kreieren, bei dem der Konsument die Übersicht verliert, die Preisvergleiche nicht mehr so einfach sind und die Gewinne dafür umso einfacher.

Heute liegen die Kurse an der US-Börse 70 Prozent über dem Höchstwert vor der Finanzkrise, darum ergibt es durchaus Sinn, das Geld wie bei den sogenannten Strukis anzulegen: Wenn man einen Aktienkauf mit dem Kauf einer Obligation intelligent kombiniert, kann man das Risiko reduzieren. Dass die Bank solche Produkte anbietet und dafür Geld verlangt, ist gut. Wenn sie es richtig macht, rechtfertigt sie auch die hohen Personalbestände und die guten Bankerlöhne, die für unsere Volkswirtschaft so wichtig sind.

Die netten Berater der Banken werden mit ihren Boni in eine Richtung getrieben, die für sie selbst lukrativ, aber für die Kunden nicht unbedingt erfolgversprechend ist.

Nur: Was man als Konsument mitmacht, muss man sich gut überlegen. Denn die netten Berater der Banken werden mit ihren Boni in eine Richtung getrieben, die für sie selbst lukrativ, aber für die Kunden nicht unbedingt erfolgversprechend ist. Darum sollte man sich die Gebühren erst einmal genau anschauen, die man zahlt. Wenn die Bank keine klaren Antworten liefert, sind sie zu hoch. Dann stellt sich die Frage, wer hinter dem Produkt steht. Ist es die Bank, bei der man es kauft, oder etwa, wie im berühmtesten Schweizer Fall, statt der vermeintlich stabilen Credit Suisse die konkursite US-Investment Bank Lehman Brothers?

Auch die Kunden der grossen Rivalin wissen, wie man ungeahnt viel Geld verliert, seit die Absolute-Return-Fonds der UBS plötzlich grosse Verluste statt absolut ­sicherer Renditen schreiben. Fazit: Wer jetzt in den ­Finanzmarkt einsteigt, muss wissen, dass der sichere Gewinn nur bei der Bank anfällt. Ob man als Anleger Geld verdient, hängt hingegen vor allem vom Glück ab.

Erstellt: 30.03.2017, 22:51 Uhr

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