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Ölproduzenten verlängern Förderlimiten bis Ende 2018

Der Beschluss soll die Preiserholung am Ölmarkt längerfristig absichern.

Saudi Aramco soll 2018 an die Börse, auch dafür sind hohe Ölpreise wichtig: Raffinerie der Ölgesellschaft. Foto: Alamy
Saudi Aramco soll 2018 an die Börse, auch dafür sind hohe Ölpreise wichtig: Raffinerie der Ölgesellschaft. Foto: Alamy

Die 14 Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec), die sich gestern in Wien zur jährlichen Ministerkonferenz trafen, hatten allen Grund zur Selbstzufriedenheit. Vor Jahresfrist legten sie an gleicher Stätte den Grundstein zu einer abgestimmten Beschränkung der Ölförderung – gemeinsam mit zehn weiteren Produzentenländern, die nicht der Opec angehören. Ihr Ziel: das enorme Überangebot auf dem Ölmarkt einzudämmen und so den Ölpreis wieder über die Marke von 60 Dollar je Fass zu hieven.

Genau das ist eingetroffen. Die Notierungen bewegten sich in den Tagen vor dem Opec-Treffen bei rund 63 Dollar, womit sie seit letztem November um gut einen Drittel zugelegt haben. Gleichzeitig sinken die Ölvorräte weltweit erstmals seit etwa drei Jahren – auch wenn das Ziel der Opec, die Lagervolumen auf den Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre zurückzufahren, bei weitem noch nicht erreicht ist.

Ringen bis zuletzt

Für die insgesamt 24 Ölförderstaaten – sie kontrollieren zusammen mehr als die Hälfte der globalen Produktion – gab es also Gründe genug, die derzeit bis Ende März 2018 bestehende Förderlimite um weitere neun Monate bis Ende kommenden Jahres zu verlängern. Dass die Ölminister dennoch bis zuletzt um dieses Ergebnis gerungen haben, lag vor allem an Russland. Die Russen, die nicht Mitglied der Opec sind, hätten eine Ausdehnung der Förderbegrenzung nur um drei bis sechs Monate bevorzugt.

Infografik: 2014 ging es mit dem Ölpreis bergab

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Sie befürchten, dass der verteuerte und allenfalls noch weiter steigende Ölpreis andere Produzenten – namentlich die Fracking-Industrie in den USA – ermuntern könnte, ihre Fördertätigkeit zu erhöhen. Für Russland und die anderen Ölproduzenten, die an die Förderlimiten gebunden sind, könnte diese Restriktion den Verlust von Marktanteilen zur Folge haben, ohne dass dies durch höhere Preise kompensiert würde.

Dieses Risikos ist sich natürlich auch Saudiarabien bewusst gewesen. Gleichwohl hat die faktische Führungsmacht in der Opec vehement auf eine Verlängerung der Förderlimiten bis Ende 2018 gedrängt. Für das Königreich hat derzeit ein stabiler und hoher Ölpreis höchste Priorität. Dies zum einen mit Blick auf den 2018 anstehenden Börsengang der staatlichen Ölgesellschaft Saudi Aramco. Zum andern ist das Land auf die Öleinnahmen dringend angewiesen, um sein ambitiöses Reformprogramm – mit dem es seine Abhängigkeit vom Öl längerfristig kappen will – zu finanzieren.

Saudischer Positionswechsel

Die Saudis haben damit ihre Position innerhalb der Opec merklich verschoben. Lange Zeit gehörten sie zu den eher gemässigten Kräften: Immer wieder warnten sie vor einem allzu heftigen Ölpreisanstieg, weil dies den weltweiten Ölkonsum dämpfen und die Bestrebungen zur Ersetzung des schwarzen Goldes durch erneuerbare Energieträger beschleunigen würde.

Der saudische Wechsel ins Lager der «Hardliner» fiel zusammen mit dem Aufstieg von Kronprinz Muhammad bin Salman zum faktischen Herrscher des Königreichs. Hinzu kam die «Schieferölrevolution» in den USA, die massgeblich zur Schwemme auf den Ölmärkten und ab Mitte 2014 zum Preiseinbruch von über 100 Dollar je Fass auf zeitweise 30 Dollar beitrug. Unter der Führung Saudiarabiens strebte die Opec anfänglich danach, die unliebsame Konkurrenz durch eigene Produktionssteigerungen und bewusst herbeigeführte Preisunterbietungen aus dem Markt zu drängen.

Überprüfung im Juni

Das Vorhaben scheiterte jedoch nicht zuletzt deshalb, weil die drastisch geschrumpften Öleinnahmen vieler Opec-Mitglieder deren öffentliche Haushalte in schwere Schieflage brachten und das Wirtschaftswachstum bremsten. Davon war auch und gerade Saudiarabien empfindlich betroffen. Unter diesem Schockerlebnis riss der Opec-Primus im letzten Jahr das Steuer herum und machte sich für eine koordinierte Kürzung der Ölproduktion stark, um so den aus den Fugen geratenen Markt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Damit war der Weg geebnet zur historischen Übereinkunft zwischen Saudis und Russen, den beiden weltweit wichtigsten Ölproduzenten. Der seit Anfang 2017 geltende Vertrag sah vor, die Ölförderung in den beteiligten 24 Opec- und Nicht-Opec-Ländern um 1,8 Millionen Fass pro Tag zu kürzen, was 2 Prozent der globalen Produktion entspricht.

Die gestern beschlossene Verlängerung der Förderlimiten bis Ende 2018 entsprach den Erwartungen der meisten Marktakteure. Dementsprechend ruhig verhielt sich der Preis nach Bekanntgabe des Entscheids. Auf russischen Wunsch soll indes bereits im nächsten Juni neuerlich überprüft werden, ob es der Produktionskürzungen noch bedarf.

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