«Hier werden die gleichen Löhne für Männer und Frauen gezahlt»

Sarah al-Suhaimi, die Chefin der saudischen Börse, verteidigt ihr Land und wehrt sich gegen Einmischung aus dem Westen.

Beredt und selbstbewusst: Sarah al-Suhaimi. Foto: PD

Beredt und selbstbewusst: Sarah al-Suhaimi. Foto: PD

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Sie ist 37 und seit kurzem Chefin der saudischen Börse – die erste Frau auf diesem Posten. Gleichzeitig leitet sie bei einer saudischen Bank die Investmentabteilung; 30 Milliarden Dollar verwaltet diese. Es wäre interessant, zu erfahren, wie Sarah al-Suhaimi ihren Finanzplatz prägen will. Wie sie denkt, führt, ihr Geschäft sieht.

Doch in den Artikeln über sie geht es in der Regel nur nebenbei ums Geld. Und zur Hauptsache darum, dass Frauen im konservativ-islamischen Saudiarabien nicht Auto fahren dürfen – wie kann eine Frau es in einem solchen Habitat zur Spitzenmanagerin bringen?

«Ich reise, wohin ich will»

Im eben erschienenen Gespräch mit dem «Spiegel» zeigt Suhaimi wenig Verständnis für die Frage. Mit dem Fahrverbot hätten sich die saudischen Frauen arrangiert, sie seien voll daran, das Land zu modernisieren, sagt sie: «Wir bewegen uns viel, auch wenn wir nicht hinter dem Steuer eines Autos sitzen.» Und: «Ich reise, wohin ich will. Da gab es auch nie Probleme, da mein Vater mich immer unterstützt hat.»

In der Tat ist die Börsenchefin, die in der Hauptstadt Riad aufwuchs, privilegiert. Ihr Vater, Jammaz al-Suhaimi, ein brillanter Kopf, hat die Börse aufgebaut, sass im Chefgremium der saudischen Zentralbank, wechselte in die Führung einer Bank im nahen Bahrain. Der Dynamiker förderte seine Tochter nach Kräften. Sie sagt, der Vater habe einen Satz wiederholt: «Du musst arbeiten, du musst arbeiten.»

Sarah al-Suhaimi studierte Betriebswirtschaft, schloss mit der Bestnote ab, erlernte in einer heimischen Bank den Umgang mit grossen Kundenvermögen. Wirklich lange im Ausland hat sie nie gelebt, auch wenn sie zu den Ehemaligen der amerikanischen Eliteuniversität Harvard zählt. Die Karriere erleichtert hat ihr, dass sie ledig ist. Und dass sie in einer Zeit lebt, da ihre Gesellschaft von oben umgebaut wird.

55 Prozent der Studierenden sind Frauen

Saudiarabien versucht, vom Erdölgeschäft weniger abhängig zu werden. Das bedeutet auch, dass mehr Leute sich aufraffen und arbeiten sollen. Gefordert sind insbesondere die Frauen. Auch wenn die Schulbildung für Mädchen erst in den 1960er-Jahren eingeführt wurde – derzeit sind bereits 55 Prozent der Studierenden an den Universitäten des Landes Frauen. An Suhaimis Börse sind gut 30 Prozent Frauen. Sie sagt: «Wir können nicht weiter die Hälfte aller Saudiaraber vom Arbeitsmarkt ausschliessen.»

Über die saudischen Geschlechterverhältnisse hätten allein die Saudis zu bestimmen, findet Sarah Al-Suhaimi. Auch hält sie dem westlichen Interviewer und dessen Lesepublikum den Spiegel vor, wenn sie im Gespräch feststellt, dass Frauen global dagegen kämpften, schlechter bezahlt zu sein als Männer: «Das ist bei uns anders, hier werden exakt die gleichen Löhne für Männer und Frauen gezahlt. Und zwar schon länger.» An Beredtheit – und an Selbstbewusstsein – fehlt es ihr nicht.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 02.05.2017, 20:43 Uhr

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