Postfinance wehrt sich gegen Auslandschweizer-Zwang

Politiker fordern, dass Postfinance allen Auslandschweizern ein Bankkonto mit Kreditkarte anbieten muss. Das sei aber gar nicht möglich, so die Bank.

Die Postfinance-Filiale in Bellinzona: Die Bank soll allen Auslandschweizern eine Kreditkarte anbieten.

Die Postfinance-Filiale in Bellinzona: Die Bank soll allen Auslandschweizern eine Kreditkarte anbieten. Bild: Gaetan Bally/Keystone

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Eine Rechnung bezahlen, mit der Kreditkarte einkaufen oder für die Pensionierung sparen. Das ist alles nicht besonders kompliziert, doch für viele Auslandschweizer ein grosses Problem. Für sie wurde es in den letzten Jahren immer schwieriger, bei einer Schweizer Bank ein Konto zu bekommen. Je nachdem, wo sie hinziehen, wird ihr bestehendes Konto von ihrer Hausbank sogar aufgelöst. Dies, obwohl sie für viele Geldgeschäfte auf eine Bankbeziehung in der Schweiz angewiesen sind.

Wenn sie das Konto doch behalten können, bezahlen sie dafür oft deutlich höhere Gebühren als Inlandschweizer. Immerhin rund 750'000 Auslandschweizer gibt es, der grösste Teil lebt in Frankreich, viele aber auch in Ländern, in denen die lokalen Banken keinen guten Ruf geniessen.

Schon lange lobbyiert daher die Auslandschweizer-Organisation (ASO) für bessere Konditionen für Schweizer, die ihre Heimat verlassen. Ihre Chancen auf ein besseres Angebot steigen. Die Aussenpolitische Kommission des Ständerats hat jüngst eine Motion der Nationalratskommission gutgeheissen, die eine Besserstellung von Schweizer Postfinance-Kunden im Ausland fordert. Postfinance sei den Auslandschweizern als staatseigene Bank besonders verpflichtet, daher müsse sie ihnen entgegenkommen, so die Argumentation. Eine Minderheit der Kommission war hingegen der Ansicht, dass Postfinance mit den zusätzlichen Auflagen gegenüber anderen Schweizer Banken benachteiligt würde.

Postfinance darf nicht überall eine Kreditkarte anbieten

Konkret fordert die Motion, dass Auslandschweizer einen Zugang zu allen Dienstleistungen von Postfinance haben. Die Bank soll auch verpflichtet werden, ihnen eine Kreditkarte abzugeben. Postfinance wehrt sich gegen diesen Vorstoss. «Fakt ist, dass das Produkteangebot im Ausland aus regulatorischen Gründen eingeschränkt sein kann», so ein Postfinance-Sprecher. Dies gelte auch für die Kreditkarte. So würde die Pflicht eines Kreditkartenangebots in diversen Ländern eine Bankbewilligung bedingen. Postfinance verfüge aber ausschliesslich über eine Schweizer Banklizenz. Hinzu komme, dass die Kreditkarte schon im Inland nicht zu den Dienstleistungen der Grundversorgung zähle. In Südafrika dürfen beispielsweise nur lokale Banken Kreditkarten abgeben. Dort leben derzeit mehr als 9000 Schweizer.

Die Motion verlangt aber nicht nur, dass Auslandschweizer eine Karte haben dürfen, sondern auch, dass sie ihre Karte und ihr Konto zu «ähnlichen Konditionen» wie in der Schweiz führen können. Was genau «ähnlich» bedeutet, geht aus dem Vorstoss nicht hervor. Laut Postfinance ist das ungerecht. «Wir erachten das aktuelle Pricing als fair, denn es ist verursachergerecht und berücksichtigt die wesentlich höheren Aufwände, die im grenzüberschreitenden Geschäft anfallen», so ein Sprecher. Die dadurch entstehenden Kosten würden nicht pauschal auf alle Kunden verteilt, sondern bei den Kunden mit Domizil im Ausland erhoben. Anfang 2017 hat die Bank die monatliche Gebühr für Zahlungsverkehrskonten für Auslandschweizer von 15 auf 25 Franken erhöht.

Genfer KB springt ein

Wie viel Geld sie das von der Politik geforderte Angebot nun kosten würde, gibt die Bank nicht bekannt. Doch kostet die Betreuung der Auslandskunden bei vergleichbaren Banken in etwa einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr. Dieser Aufwand würde auf das Ergebnis schlagen. Postfinance ist der wichtigste Ertragsbringer des Post-Konzerns, hatte aber zuletzt mit schrumpfenden Einnahmen zu kämpfen. So ging der Zinsertrag im letzten Jahr um gegen 120 Millionen Franken zurück. Um den Rückgang auszugleichen, lobbyiert Postfinance lautstark dafür, ins Kreditgeschäft einsteigen zu können, ist aber bislang bei der Politik abgeblitzt.

Die Auslandschweizer-Organisation setzt sich seit Jahren für bessere Konditionen ein. Ein früherer politischer Vorstoss von ASO-Vizepräsident und CVP-Ständerat Filippo Lombardi verlangte von den systemrelevanten Banken, CS, UBS, Postfinance, Raiffeisen und Zürcher Kantonalbank, Auslandschweizern zwingend ein Konto anzubieten. Er blieb auf der Strecke – da es nicht möglich sei, eine private Organisation zu zwingen, mit einer anderen einen Vertrag abzuschliessen. Zudem wären die Risiken der Banken erhöht worden, die man eigentlich in den letzten Jahren versuchte mit den strengeren Regeln zu reduzieren.

Immerhin gelang es der Auslandschweizer-Organisation, die Genfer Kantonalbank an Bord zu holen. Sie bietet neuerdings ein Paket für Auslandschweizer mit Finanzplanung und Vermögensberatung an. Das Konto soll auch noch nach dem Auswandern aus der Schweiz eröffnet werden können.

Das kürzlich lancierte Angebot richte sich aber nicht nur an Auslandschweizer, sondern auch an Expats aus dem Ausland, die in der Schweiz leben, so ein Sprecher der Genfer Kantonalbank. Die Kontoführungsgebühren betragen zurzeit 18 Franken pro Quartal, für Kunden die das Internetbanking nutzen. Die Gebühr müssen aber nicht alle bezahlen. So sind etwa Bankkunden unter 25 Jahren von ihr befreit, das gilt auch für solche, die ein Vorsorgesparkonto bei der Bank haben. Das Angebot kommt offenbar gut an. Die Genfer Kantonalbank verspüre für das erst vor kurzem lancierte Programm ein grosses Interesse, so der Sprecher.

Erstellt: 10.05.2018, 11:30 Uhr

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