Fiat und Peugeot wollen viertgrössten Autobauer schaffen

Die beiden Autokonzerne haben sich auf Fusionsgespräche geeinigt. Die PSA-Aktie ist im Sinkflug. Und Fiat Chrysler steht vor einem Umbruch.

Wollen keine Fabriken schliessen: PSA und FCA sprechen über eine Fusion. Bild: Regis Duvignau/Reuters

Wollen keine Fabriken schliessen: PSA und FCA sprechen über eine Fusion. Bild: Regis Duvignau/Reuters

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In der Autobranche bahnt sich eine transatlantische Mega-Fusion an. Der Fiat Chrysler-Konzern und der französische Autokonzern PSA mit Marken wie Peugeot und Opel wollen den viertgrössten Autohersteller der Welt schmieden. Beide hätten sich auf offizielle Fusionsgespräche verständigt, teilten die Konzerne am Donnerstag gemeinsam mit.

Der neue Konzern könne 8,7 Millionen Fahrzeugen pro Jahr absetzen, hiess es in der Mitteilung. Nur noch Volkswagen, Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund wären grösser als der neue Auto-Riese. Er käme auf einen Jahresumsatz von 170 Milliarden Euro und einen jährlichen Betriebsgewinn von mehr als 11 Milliarden Euro ohne die Marken der Zulieferer Magneti Marelli und Faurecia.

Milliarden-Einsparungen

Die Konzerne versicherten weiter, dass sich mit einer Fusion Spareffekte in Höhe von 3,7 Milliarden Euro erzielen liessen, ohne eine Fabrik im Zuge des Deals zu schliessen. Die Effizienzgewinne, die sich etwa aus Einsparungen beim gemeinsamen Einkauf ergäben, liessen sich nach vier Jahren zu 80 Prozent heben. Allerdings wird die angepeilte Fusion auch viel Geld kosten: PSA und Fiat Chrysler rechnen mit einmaligen Kosten von 2,8 Milliarden Euro.

Hauptsitz der PSA-Gruppe in Rueil-Malmaison bei Paris. (Archivbild) Bild: Vincent Isore/Getty

Es wird ein Zusammenschluss «unter Gleichen» angestrebt mit einem ausgewogen besetzten Vorstand unter Führung von PSA-Chef Carlos Tavares als Vorstandsvorsitzendem. Der FCA-Verwaltungsratsvorsitzende John Elkann - Enkel des langjährigen Fiat-Bosses Giovanni Agnelli - würde diese Rolle auch bei dem neuen Unternehmen einnehmen. Die FCA-Aktionäre sollen eine Sonderdividende von 5,5 Milliarden Euro erhalten. Peugeot würde nach der Mitteilung vom Donnerstag 46 Prozent seiner Anteile an Faurecia an seine Aktionäre verteilen.

PSA führt die Marken Peugeot, Opel, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati unter seinem Dach. Opel gehört seit gut zwei Jahren zu PSA und wird mit harter Hand auf Effizienz und Gewinne getrimmt.

Anleger uneinheitlich

Die Märkte reagierten am Donnerstag uneinheitlich auf die Ankündigung. Die FCA-Papiere an der Börse in Mailand gingen weiter um 9,6 Prozent nach oben auf ein Hoch seit Mai. Die PSA-Anleger jedoch reagierten ernüchtert: mit einem 10-prozentigen Abschlag fielen sie sogar unter ihr Niveau vom Dienstag, also bevor die Fusion am Markt zum Thema wurde.

Frankreich begrüsste die Fusionspläne. Am Ende könnte ein Konzern mit rund 400 000 Mitarbeitern stehen, erklärte Wirtschafts- und Finanzminister Bruno Le Maire am Donnerstag in Paris. Die beabsichtigte Fusion sei eine Antwort «auf die Notwendigkeit für die Autobranche, sich zu konsolidieren», sagte der Minister. Die französischen Gewerkschaften FO und CFTC betrachten laut Nachrichtenagentur AFP die Fusion eher als «Chance», während sich die CGT beunruhigt zeigte.

In Rom sagte der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte, dass es sich um eine «Marktoperation» handele. «Ich kann das Abkommen nicht beurteilen, aber was der Regierung am Herzen liegt ist, dass das Produktions- und Beschäftigungsniveau in Italien gesichert ist», sagte Conte.

Die Mirafiori-Autofabrik von Fiat in Turin. (Archivbild) Bild: Giorgio Perottino/Reuters

Die Bürgermeisterin der Fiat-Stadt Turin, Chiara Appendino, sagte, die Kommune verfolge die Entwicklung «mit grosser Aufmerksamkeit». Der Präsident des Industrieverbandes Confindustria, Vincenzo Boccia, sagte, ein möglicher europäischer Riese liege auf der Linie, die Confindustria unterstütze. (oli/sda)

Erstellt: 31.10.2019, 08:41 Uhr

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