SBB-Rabattaktion wird heftig kritisiert

Die SBB bieten Neukunden ein Halbtaxabo zum halben Preis an. Alte Kunden drohe der Konzern hingegen zu verlieren, sagen Konsumentenschützer.

Gleiche Leistung, verschiedene Preise: Ein Kondukteur kontrolliert die Billette und Halbtaxabos. Foto: Christian Beutler (Keystone)

Gleiche Leistung, verschiedene Preise: Ein Kondukteur kontrolliert die Billette und Halbtaxabos. Foto: Christian Beutler (Keystone)

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Der Tag nach Thanksgiving sollte in den USA eigentlich die Zeit der Weihnachtseinkäufe einläuten. Er ist vor allem bekannt für riesige Rabatte, welche die Händler gewähren – was ihnen wiederum Rekordumsätze beschert, weil die Kunden ihnen die Türen einrennen. Den düsteren Namen Black Friday erhielt er, weil Fabrikbesitzer in den 50er-Jahren Produktivitätsverluste erlitten, da viele Arbeiter sich krankmeldeten, um ein langes Wochenende zu geniessen.

Inzwischen ist der Black Friday über den Atlantik geschwappt. Auch in der Schweiz zelebrieren Händler den Tag, um Sonderrabatte zu gewähren. Und zumindest eine Aktion sorgt dabei für düstere Stimmung – allerdings in diesem Fall auf der Konsumentenseite: Interdiscount feiert in dieser Woche gar die «Black Friday Week» und wirbt in einer Medienmitteilung damit, dass es unter anderem das Halbtax zum halben Preis gebe.

92.50 statt 185 Franken

Statt 185 Franken zahlen Schnäppchenjäger nur 92.50 Franken für einen Gutschein, den sie dann bei den SBB einlösen können. Das Angebot gelte für rasch entschlossene Kunden, schreibt der zu Coop gehörende Discounter weiter in der Mitteilung.

Was genau das heisst, ist nicht wirklich klar. «Das Angebot ist zeitlich stark eingeschränkt, der Kauf eines Gutscheins nur bis 30. November möglich», so SBB-Sprecher Christian Ginsig. Grundsätzlich sind günstige Angebote für die Kunden ja eine erfreuliche Sache. Das Problem ist für Konsumentenschützer aber ein anderes, denn: «Die Aktion steht ausschliesslich Neukunden ohne Halbtax zur Verfügung», stellt Ginsig klar.

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«Mit dieser Aktion werden bestimmt kurzfristig neue Kunden gewonnen», glaubt Pro-Bahn-Präsidentin Karin Blättler. «Bestehende langjährige treue Kunden hingegen bleiben auf der Strecke und werden vergrault.» Die Aktion von Interdiscount und SBB richte sich mehrheitlich an ein Kundensegment, das sich ausschliesslich auf Schnäppchen ausrichte. «Ob diese Aktion nachhaltig ist, stelle ich infrage.»

Auch Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz rechnet damit, dass die Rabattaktion unter dem Strich nicht rentiere. «Das wird die Kunden mehr verwirren und verärgern, als neue Kunden zu generieren», urteilt sie. Bei den SBB ist man aber optimistisch, dass sich der Black Friday bei Interdiscount lohnen werde. «Wir rechnen damit, dass mit dieser Aktion einige Tausend Neukunden ein Halbtax lösen könnten», so SBB-Sprecher Ginsig.

Pro-Bahn-Frau Blättler sieht die Black-Friday-Aktion der SBB auch als Symptom eines grösseren Phänomens. «Pro Bahn findet den aktuellen Wildwuchs bei den ÖV-Preisen und Verkaufskanälen äusserst bedenklich», sagt sie. «Der Service public sollte nicht nur für Fahrplanangebote, sondern auch für Billette, Tarife und Verkaufskanäle gelten.» Als Beispiel nennt sie den Klassenwechsel für Halbtaxkunden für fünf Franken. Kondukteure können diesen den Kunden bei freien Plätzen in der ersten Klasse anbieten. Das «ist ein Affront für die den Vollpreis zahlenden 1.-Klasse-Kunden», findet Blättler.

Kritik am Verkaufskanal

Auch Konsumentenschützerin Walpen sieht die Preispolitik der SBB als problematisch an. «Das Ganze zeigt erneut, dass die Preisstrategie der SBB die Kunden verwirrt.» Es sei völlig unklar, welche Leistungen man zu welchen Konditionen erhalte.

Als Beispiele nennt sie unterschiedliche Preise für dieselbe Strecke und «die zum Teil über den Billettautomaten kaum zu bewältigende Suche nach dem richtigen Billett für die gewünschte Strecke». Auch gestrichene Rabatte für Halbtax und GA, wenn der Swisspass nicht direkt erneuert werde, stören Walpen. Ebenfalls für Unklarheit sorge der Verkaufskanal über Interdiscount. «Es ist eine sehr eigenartige Strategie, das Halbtax über einen Heimelektronikanbieter zu vertreiben», so Walpen.

Die SBB verteidigen sich. «Wir arbeiten seit Jahren eng mit Coop zusammen, und Interdiscount mit seinen 200 Filialen in der ganzen Schweiz hat sich für diese Aktion der ÖV-Branche ideal angeboten», so Christian Ginsig. Der Verkauf sei auch keine reine SBB-Aktion. Man habe im Auftrag der ganzen Branche der Schweiz den Vermarktungsauftrag für das Halbtaxabo. Ziel sei es, ganz gezielt Menschen anzusprechen, welche sonst nicht mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs seien. «Gutscheine von Interdiscount können an jedem Bahnschalter eingelöst werden.» Das müssten aber nicht zwingend Schalter der SBB sein.

Erstellt: 20.11.2017, 22:53 Uhr

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