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Radikaler Klimaschützer

Der schottische Ökonom Graeme Maxton setzt sich für die Umwelt ein und will, dass der Sprit 100 Euro je Liter kostet.

«Die Veränderung hat längst begonnen», sagt Graeme Maxton. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)
«Die Veränderung hat längst begonnen», sagt Graeme Maxton. Foto: Salvatore di Nolfi (Keystone)

Wer Graeme Maxton reden hört, könnte leicht auf die Idee kommen, dass er es mit einem Ökoaktivisten der harten Sorte zu tun hat. «Wir müssen radikale Veränderungen vornehmen», fordert der 58-Jährige. «Je länger wir warten, desto radikaler müssen diese Veränderungen ausfallen, damit wir überhaupt noch etwas erreichen können.» Was der gebürtige Schotte damit meint? Er kämpft dafür, den Klimawandel zu stoppen – koste es, was es wolle.

Den Flugverkehr will Maxton drastisch einschränken, 100 Euro für den Liter Benzin hält er für angemessen, Ölproduktion und Autoindustrie mit Verbrennungsmotoren will er rasch ganz dichtmachen. Zum Ausgleich sollen betroffene Arbeiter und Aktionäre entschädigt werden, schlägt er vor. Das notwendige Kapital könnten die Notenbanken bereitstellen, das sei weiter kein grosses Problem. «Geld existiert nicht wirklich, das sind alles nur Zahlen auf dem Computer», sagt er. Schliesslich seien während der Finanzkrise von 2007 und 2008 Billionen Euro und Dollar geschaffen worden, um das Bankensystem zu retten.

«Ich bin keiner, der sich an Bäume kettet, nackt mit dem Velo durch die Gegend fährt oder vegane Würstchen mag.»

Wer so provokante Sätze von sich gibt, muss damit rechnen, nicht ernst genommen zu werden. In Maxtons Fall fällt das jedoch nicht so leicht. Er hat das Auftreten eines seriösen Managers – dunkler, gut sitzender Anzug, randlose Brille. Was er in seinem neuesten Buch mit dem Titel «Change!» fordert, ist unbequem und radikal. Zu radikal und nicht umsetzbar, finden seine Kritiker. Maxton lässt sich dadurch nicht beirren.

«Ich bin keiner, der sich an Bäume kettet, nackt mit dem Velo durch die Gegend fährt oder vegane Würstchen mag», sagt er über sich. Trotzdem will er etwas bewegen, und er kann eine respektable Karriere vorweisen. Der Ökonom hat für die Citibank, die Kreditkartenfirma American Express sowie als Berater der Autoindustrie gearbeitet. Später war er für die Wirtschaftszeitung «The Economist» in Südostasien tätig. Maxton ist Mitglied im Club of Rome, bis vor kurzem war er auch dessen Generalsekretär. Die Vereinigung von Wissenschaftlern veröffentlichte 1972 die «Grenzen des Wachstums». Einen viel beachteten Bericht, der vor einer rücksichtslosen Ausbeutung des Planeten und deren Folgen für die Menschheit warnte und heute aktueller scheint denn je.

«Mir ist klar geworden, dass alles, was wir über Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung schreiben, nicht stimmt.»

Doch was machte aus dem Manager und Banker einen Klimaaktivisten? Einen Wendepunkt habe für ihn die Zeit in Asien markiert, wo das hässliche Gesicht der Finanzkrise besonders deutlich wurde. Maxton beschreibt die Armut vieler Menschen in Malaysia und Indonesien, die ohne Sicherheitsnetz noch tiefer ins Elend rutschten, und die unerträgliche Verschmutzung von Luft und Wasser. «Mir ist klar geworden, dass alles, was wir über Wachstum und wirtschaftliche Entwicklung schreiben, nicht stimmt», sagt er.

Maxton hält Vorträge, in denen er fordert, der Klimawandel müsse entschlossen gestoppt werden. Politikern wirft er in dieser Hinsicht einen Mangel an Wissen und Interesse vor. Auch fehle der Druck, etwas zu ändern. Ihnen sei entweder nicht klar, was da auf künftige Generationen zukomme, oder es sei ihnen einfach egal. «Diesen Sommer haben sich die Mitteleuropäer über das tolle Badewetter gefreut. Viele wollen nicht verstehen, dass die Veränderung längst begonnen hat.»

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