RAV will Arbeitslose nach Deutschland schicken

Ein Basler Kaufmann erhielt vom RAV ein Schreiben, das ihm die Jobsuche in der EU nahelegt.

Versucht Stellensuchende dazu zu motivieren, auch jenseits der Grenze einen Job zu suchen: Das Amt für Wirtschaft und Arbeit in Basel. Bild: Google

Versucht Stellensuchende dazu zu motivieren, auch jenseits der Grenze einen Job zu suchen: Das Amt für Wirtschaft und Arbeit in Basel. Bild: Google

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«Können Sie sich vorstellen, nochmal etwas ganz Neues zu wagen, vielleicht sogar in einem Nachbarland zu arbeiten?» Als Christian Schaub am 3. Mai das E-Mail des Basler Amts für Wirtschaft öffnete, staunte er nicht schlecht. Der Basler Speditionskaufmann ist derzeit auf Stellensuche. Seine Arbeitssituation sei seit vier Jahren problematisch, wie er «Prime News» sagte. Bei vielen Vorstellungsgesprächen hat er das Gefühl, werde er nur der Form halber eingeladen.

Jetzt soll er also sein Glück im Ausland suchen. «Erweitern Sie ihren Suchradius. Fachkräfte mit ihrem Profil sind gesucht», heisst es in der Einladung zu einem Informationsanlass für Schweizer Stellensuchende. Darauf hat Schaub aber gar keine Lust. «Ich bin in der Schweiz aufgewachsen und habe mein Leben lang hier gearbeitet. Und das will ich auch weiterhin», sagte der 53-Jährige dem Newsportal. Idealerweise in einem kaufmännischen Job.

Dieses Schreiben erhielt der Basler Speditionskaufmann Christian Schaub vom Amt für Wirtschaft und Arbeit. Bild: Screenshot

Schaub kann sich aber auch eine andere Tätigkeit vorstellen, etwa in der Betreuung älterer Menschen. «Grundsätzlich kann man mit mir über alle Jobs sprechen», sagt er. Einzig körperliche Arbeit komme für ihn aus gesundheitlichen Gründen nicht infrage.

«Das ist frech»

Auf Facebook teilte er die Einladung zum Grenzgänger-Informationsanlass beim RAV. «Jetzt sollen also die Schweizer in Deutschland arbeiten, da die Deutschen wegen der höheren Löhne in die Schweiz kommen und im deutschen Arbeitsmarkt eine Lücke hinterlassen. Es wird immer besser», schrieb er. «Nicht zu glauben. Das ist frech.»

Das Amt für Wirtschaft und Arbeit rechtfertigt sich. Solche Anlässe hätten im grenznahen Gebiet Tradition. «Es handelt sich um einen Informationsanlass, der sich an freiwillig interessierte Stellensuchende richtet, die Ihre Kenntnisse über den deutschen Arbeitsmarkt erweitern wollen», erklärt Amtsleiterin Nicole Hostettler im Artikel. Es ist denn auch nicht das RAV, das die Aktion initiierte hat, sondern das europäische Job-Netzwerk Eures, das die Mobilität auf dem europäischen Arbeitsmarkt verbessern möchte.

Schweizer entdecken den europäischen Arbeitsmarkt

Allerdings: Immer mehr Schweizer wagen das Abenteuer: Laut Zahlen des Staatsekretariats für Wirtschaft Seco haben letztes Jahr 3540 Schweizer Stellensuchende, die beim RAV gemeldet waren, in einem EU-Land nach einem Job gesucht. 2014 taten das erst 1530 Personen. Schaub hat aber kein Interesse auf ein solches Job-Abenteuer. Dem Anlass am 16. Mai werde er fernbleiben. «Ich will mich nicht unnötig aufregen.»

Zum Vergleich: Ende 2018 waren laut dem Statistischen Amt Basel-Stadt 34'122 Grenzgänger in Basel-Stadt registriert, davon kamen 16'234 aus Deutschland.

(red)

Erstellt: 07.05.2019, 10:25 Uhr

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