Optik-Gigant lässt Schweizer Brillenhändler zittern

McOptic wird von Konkurrent Visilab geschluckt, der selbst in der Übernahme steckt – was das für den Schweizer Markt bedeutet.

Schauspielerin Juliette Lewis trägt Ray Ban, wie sol viele andere Stars auch. Hinter Ray Ban steht der Grosskonzern EssilorLuxottica .

Schauspielerin Juliette Lewis trägt Ray Ban, wie sol viele andere Stars auch. Hinter Ray Ban steht der Grosskonzern EssilorLuxottica . Bild: www.wireimage.com

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Visilab ist auf Einkaufstour: Die Firma übernimmt den Konkurrenten McOptic. Die Firma wächst damit deutlich. Rund 60 McOptic-Filialen werden aufgekauft, wie der Brillenhändler mitteilt. Etwas über 160 Läden werden künftig unter dem Visilab-Dach zusammengefasst. 1300 Mitarbeitende wird das neue Unternehmen beschäftigen. Visilab festigt damit seine Position als Nummer eins im Schweizer Geschäft mit rund 30 Prozent Marktanteil. Konkurrent Fielmann dürfte auf einen Anteil von rund 20 Prozent kommen.

Müssen nun angesichts des neuen Riesen die kleinen Läden um ihre Existenz fürchten? Für den Präsidenten von Optik Schweiz, Gregor Maranta, kommt die Übernahme von McOptic nicht überraschend. Und: «Für die unabhängigen Augenoptiker hat diese Zusammenführung keine grossen Auswirkungen.» Es stünden sich nun im Discounterbereich zwei Grosse, Fielmann und Visilab, gegenüber. Diese sieht Maranta aber nicht als Hauptkonkurrenten für kleinere Optikergeschäfte an.

Alles eitel Sonnenschein also? Mitnichten. Denn ausserhalb der Schweiz passiert gerade Beispielloses im Markt. Erst 2018 hat sich der französische Brillenglashersteller Essilor, die Nummer eins weltweit, mit der italienischen Luxottica zusammengetan. Die haben Marken wie Ray Ban, Oakley und in Lizenz Dior, Armani, Dolce & Gabbana in ihrem Portfolio. Aus zwei auf ihrem Gebiet bestimmenden Firmen wurde eine. Mit dem Zusammenschluss zu EssilorLuxottica ist die Konsolidierung noch nicht zu Ende.

Am Mittwoch wurde bekannt, dass die Firma ein Aktienpaket von über 75 Prozent an der niederländischen Grandvision übernehmen will. Grandvision ist der Mutterkonzern unter anderem von Visilab. Damit wird unter dem gleichen Dach von den Gläsern bis zu den Gestellen alles rund um Brillen produziert und verkauft. Segnen die Wettbewerbsbehörden den Deal ab, entsteht ein wahrer Optik-Gigant.

«Nicht nur Jubelschreie»

Der Zusammenschluss von EssilorLuxottica mit Grandvision wird wohl auch Auswirkungen auf die Schweiz haben. «Was das für den Optikmarkt bedeutet, ist zwar noch nicht klar», sagt Maranta. «Der neue Branchenriese könnte schlimmstenfalls die Gläser- und Fassungspreise für die unabhängigen Händler diktieren.»

Kilian Wagner, einer der Gründer des Schweizer Brillenlabels Viu, sieht es ähnlich wie Maranta. Entscheidender als die Übernahme von McOptic sei die Marktmacht, die durch den Zusammenschluss von EssilorLuxottica mit Grandvision entsteht. «Da könnte es schon zu Reibereien kommen. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht nur Jubelschreie gab in der Branche», sagt Wagner.

Viu ist von diesem Schritt selbst nicht betroffen, weil man nicht auf die Gläser von EssilorLuxottica angewiesen ist. Entsprechend gelassen beobachtet Wagner die Veränderungen. Viu ist derzeit auf Erfolgskurs, in drei Wochen eröffnet das Unternehmen in London eine weitere Niederlassung: Es ist europaweit Nummer 53.

Der Aufkauf von McOptic ist also vor allem eines: ein weiterer Schritt in der Konsolidierung des Markts. Positiv: Zu Entlassungen soll es nicht kommen, verspricht Visilab-Chef Daniel Mori. 2018 machte Visilab in der Schweiz 264 Millionen Franken Umsatz. McOptic gibt seit längerem keine Umsatzzahlen mehr bekannt. 2010 waren es 62 Millionen Franken.

(Mitarbeit: Billy Neville)

Erstellt: 02.08.2019, 18:02 Uhr

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