Und was bringt dieser Gigantenkonzern?

Auto-Papst Ferdinand Dudenhöffer sagt, was hinter den Fusionsträumen von Renault und Fiat-Chrysler steckt.

Wird Fiat-Chrysler bald schon mit Renault zusammengehen?

Wird Fiat-Chrysler bald schon mit Renault zusammengehen? Bild: Jonathan Ernst/Reuters

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Fiat-Chrysler will mit Renault zusammengehen. Das meldete Fiat heute Morgen. Für Auto-Professor Ferdinand Dudenhöffer ist klar: «Das kann für beide Seiten Sinn ergeben». Ein Zusammengehen erhöhe die Chance, sich für die Zukunft besser zu positionieren. Der Verwaltungsrat von Renault sieht dies offenbar ähnlich. Man wolle einen Zusammenschluss mit Fiat-Chrysler prüfen, heisst es in einer Medienmitteilung von Montagmittag.

Weiter entfernt können zwei Automarken eigentlich nicht sein als Dacia und Ferrari. Auf der einen Seite die Günstigautos mit wenig Anspruch an Komfort und Luxus, auf der anderen der rote Traum aller Autoliebhaber. Bald schon könnten beide Automarken unter dem gleichen Konzerndach gebaut werden. Wenn Renault, also Dacia, mit Fiat-Chrysler fusioniert, verbrüdern sich plötzlich unzählige Automarken: Renault, Alfa Romeo, Chrysler, Jeep, Fiat, Dacia, um nur einige zu nennen.

Der neu formierte Konzern hätte im abgelaufenen Jahr rund 8,7 Millionen Fahrzeuge verkauft. Rechnet man die Allianz mit Nissan und Mitsubishi, in der Renault sich befindet, dazu, wären es gar über 15 Millionen Fahrzeuge. Damit würde ein neuer Gigant im internationalen Autobau entstehen. Zum Vergleich: der VW-Konzern verkaufte 2018 10,9 Millionen Fahrzeuge.

Renault mit Vorteilen bei E-Autos

Mit dem Zusammengehen könnten Fiat-Chrysler und Renault verstärkt von Skaleneffekten profitieren. Das heisst, die Kosten für Produktion und Entwicklung würden kleiner. Von 5 Milliarden Euro an Einsparungen geht Fiat-Chrysler aus.

Wer als Kunde nun auf günstigere Autos gehofft hat, dürfte erst mal enttäuscht werden. Denn die Autobranche habe riesige Investitionen vor sich, sagt Dudenhöffer, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. «Die Geschichte der Autoindustrie wird gerade neu geschrieben. Die mögliche Fusion ist dabei aber nicht mal ein Kapitel, sondern eher ein Abschnitt.»

Die beiden Hauptreiber sind: Elektromobilität und autonomes Fahren. Gerade bei der Elektromobilität sei Renault gut aufgestellt. Mit dem Renault Zoe haben die Franzosen einen echten Verkaufsschlager im Portfolio. Vonseiten Fiat-Chrysler käme da aber gar nichts, sagt Dudenhöffer.

Das heisst: Fiat-Chrysler kann von Renaults Stärke profitieren. Zudem sei Fiat-Chrysler zum Beispiel in Europa schwach aufgestellt. Man habe eine überalterte Produktpalette. Gewinne würden vor allem die grossen SUV und Pick-ups von Dodge, Jeep und Ram in Amerika machen. Doch diese seien wenig innovativ.

Der Weg nach Amerika

Fiat-Chrysler würde also gestärkt aus einer Fusion herausgehen. Doch welche Vorteile hätte der Zusammenschluss für Renault? Die Franzosen arbeiten heute bereits eng mit Nissan und Mitsubishi in einer Allianz zusammen. Doch die Zusammenarbeit hat gelitten. So wollte der ehemalige Manager Carlos Ghosn die Marken zu einem Konzern zusammenführen.

Doch Ghosn stürzte, und die Japaner wollten bei einer Fusion nicht mitmachen. Denn Nissan-Mitsubishi ist in der Allianz wichtiger geworden als Renault, so Dudenhöffer. Die Franzosen hingegen sind zunehmend isoliert in der Allianz.

Renault wisse auch nicht, wie sich Nissan in Zukunft verhalten werde. Deshalb sei das Zusammengehen mit Fiat-Chrysler eine Chance für Renault, auch weil man so den Einstieg in den amerikanischen Markt schaffen könne, sagt Dudenhöffer. Und Amerika ist immerhin der zweitgrösste Automarkt der Welt.

Zittert nun VW?

Für den deutschen Autokonzern VW habe die Fusion erst einmal keine grossen Auswirkungen, glaubt Dudenhöffer. Es werde eine Zeitlang dauern, bis das neue Unternehmen auch wirklich davon profitiere. Und: Es werde sicher nicht einfach für den neuen Konzern. Zu spüren bekommen dürfte ein Zusammengehen vor allem Ford in Europa, meint Dudenhöffer.

Autonomes Fahren könnte derweil die Automobilindustrie noch mal gehörig durcheinanderwirbeln. Man werde sehen, wie sich die Fahrdienstleister wie Uber dabei entwickeln. Autonome Fahrzeuge könnten auch bedeuten, dass weniger Autos an Privatkunden verkauft werden, so Dudenhöffer.

Erstellt: 27.05.2019, 11:21 Uhr

Artikel zum Thema

Paukenschlag in der Autoindustrie – entsteht hier ein neuer Gigant?

Fiat Chrysler teilt heute Morgen mit, der Konzern habe Renault das Angebot einer Fusion unterbreitet. Mehr...

Die Migros verkauft jetzt Autos

Im digitalen Warenhaus Galaxus gibts per Mausklick Neuwagen ab der Stange. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sie wollen täglich die besten Beiträge aus der Redaktion?
Dann abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter «Der Morgen».

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...