Ronaldinho gründet in Zürich Stiftung für Medizinreisen

Der brasilianische Ex-Fussballer wirbt von der Bahnhofstrasse aus für Hepatitis-C-Therapien in Ägypten.

Engagiert sich im Kampf gegen Hepatitis C: Ronaldinho, zweimaliger Weltfussballer des Jahres. Foto: Reuters

Engagiert sich im Kampf gegen Hepatitis C: Ronaldinho, zweimaliger Weltfussballer des Jahres. Foto: Reuters

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Er wurde empfangen wie ein Star. Doch liegen seine grössten Tage schon lange zurück. Den Job als Profifussballer hat Ronaldinho vor zwei Jahren endgültig an den Nagel gehängt, seine besten Zeiten sind noch etwas länger her. Umso mehr freute sich der Brasilianer über die Begeisterung, die ihm in Ägypten entgegenschlug. «Kairo ist wunderbar», schrieb er bei Instagram.

Ronaldinho ist in Ägypten auf Werbetour. Er macht mit seinem Namen auf das Programm Tour’n’Cure aufmerksam. Mit dieser Initiative will die ägyptische Regierung Hunderttausende Medizinaltouristen ins Land locken. Sie sollen am Nil eine günstige Hepatitis-C-Therapie erhalten. Der zweifache Weltfussballer des Jahres unterstützt das Projekt selbst. Er hat dazu eine eigene Stiftung gegründet. Dies belegen Dokumente, die dem TA vorliegen. Der Sitz der Organisation: die Zürcher Bahnhofstrasse, wo eine Anwaltskanzlei einquartiert ist.

Günstige Kuren am Nil

In der Ronaldinho Foundation sitzen neben dem Ex-Kicker, der mit bürgerlichem Namen Ronaldo de Assis Moreira heisst, ein Zürcher Anwalt sowie sein neun Jahre älterer Bruder Roberto. Auch er war einst als Fussballprofi tätig. Während seiner aktiven Karriere spielte er unter anderem für den FC Sion. Damals sorgte er dafür, dass Ronaldinho als Teenager in die Schweiz kam und einige Juniorenspiele für den Walliser Club absolvierte.

Nun engagieren sich die beiden gemeinsam im Kampf gegen Hepatitis C. Die Krankheit greift die Leber an, übertragen wird das Virus über das Blut einer infizierten Person. Die brasilianischen Brüder sind nach Ägypten gereist, wo die Firma Prime Pharma sitzt, die mit der Ronaldinho Foundation zusammenarbeitet. Das Unternehmen gehört zur Gruppe des ägyptischen Unternehmers Tamer Wagih. Das Imperium setzt laut eigenen Angaben rund 400 Millionen Dollar um und soll über beste Kontakte zur ägyptischen Regierung verfügen.

Weltweit leiden etwa 150 Millionen Menschen an Hepatitis C – und sind auf einen günstigen Wirkstoff angewiesen.

Ronaldinho freut sich über die Unterstützung. «Danke Prime Pharma und allen Unterstützern aus Ägypten für die Spenden!», schrieb der Weltstar auf Twitter. Die Reise ans Land am Nil hat er auf sozialen Medien dokumentiert. Unter anderem posierte er zusammen mit seinem Bruder vor der weltberühmten Sphinx von Gizeh.

Der Besuch soll einem guten Zweck dienen. Aus der ganzen Welt sollen bald schon Patienten nach Ägypten kommen und sich gegen Hepatitis C behandeln lassen. Für 5900 Dollar gibt es eine Therapie. Die Behandlung dauert rund drei Monate und wird aus der Ferne durch ägyptische Ärzte überwacht. Die Rehabilitationsphase von einer Woche verbringt der Patient dann unter der ägyptischen Sonne. Die Kosten von Patienten, die sich die Behandlung nicht leisten können, will Ronaldinhos Stiftung übernehmen, heisst es.

Doch auch für Patienten, die das Geld selber aufbringen müssen, wäre es ein sehr günstiger Preis. Eine Hepatitis-C-Therapie kostet in der Schweiz rund 50'000 Franken. Einige Schweizer Patienten haben sich daher in Käuferclubs organisiert, die Nachahmermedikamente aus Indien einführen. Die Kosten dafür liegen bei rund 1500 Dollar und müssen meist von den Patienten selbst getragen werden.

Kürzlich hat das Bundesamt für Gesundheit entschieden, einen ersten Wirkstoff für alle Patienten verfügbar zu machen. Dieser hilft aber nicht allen Erkrankten. Hierzulande gibt es rund 50'000 Hepatitis-C-Infizierte.

Tourismus in der Krise

Weltweit leiden etwa 150 Millionen Menschen an der Krankheit – und sind auf einen günstigen Wirkstoff angewiesen. Im besten Fall sollen Millionen Touristen mit der Tour’n’Cure ins Land gelockt werden, so die Vorstellung der ägyptischen Regierung. Das wäre ein willkommener Zuwachs an Touristen für die gebeutelte Feriendestination. Sie hat in den vergangenen Jahren nach dem Militärputsch sowie den Anschlägen auf ein russisches Flugzeug und auf koptische Kirchen immer weniger Fremde angezogen. Zwischen 2010 und 2015 ging die Zahl der Ägyptenreisenden von 15 Millionen auf 9 Millionen zurück. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten warnt, dass es jederzeit zu Terroranschlägen im ganzen Land kommen könne – das gelte auch für die einstmals so beliebten Badeorte.

In solchen Zeiten kann Ägypten jede Hilfe brauchen. Die ägyptische Regierung setzt daher nicht nur auf Ronaldinho. Auch der argentinische Fussballstar Lionel Messi soll seine Unter­stützung für den Medizinaltourismus zugesichert haben.

Erstellt: 07.07.2017, 21:36 Uhr

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