Rücktritt von Sunrise-Chef löste weitere Abgänge aus

Olaf Swantee macht den Weg frei für einen Neuanfang bei Sunrise. Damit drängte er auch den Präsidenten und den Vizepräsidenten des Verwaltungsrats zum Rücktritt.

Sunrise-Verwaltungsratspräsident Peter Kurer (links) verzichtet im Frühling auf eine Wiederwahl. Firmenchef Olaf Swantee ist per sofort zurückgetreten. Foto: Ennio Leanza (Keystone)

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Für Sunrise ist es ein turbulenter Start ins neue Jahr: Firmenchef Olaf Swantee gab am Freitag seinen sofortigen Rücktritt bekannt. Zudem stellen sich Verwaltungsratspräsident Peter Kurer und Vizepräsident Peter Schöpfer an der kommenden Generalversammlung nicht mehr zur Wiederwahl. Offenbar hat der Rücktritt des CEO diese Kaskade an Abgängen ausgelöst.

Als Nachfolger von Swantee präsentiert Sunrise den bisherigen Finanzchef André Krause. Zwar hat Sunrise damit das Amt des Firmenchefs umgehend besetzt. Mit dem Abgang von Kurer und Schöpfer entsteht aber an der Spitze des Verwaltungsrats ein Vakuum. Das Unternehmen liess offen, wer das Präsidium und das Vizepräsidium übernehmen soll.

Sunrise teilte auf Anfrage einzig mit, dass man die möglichen Nachfolger bis vor der kommenden Generalversammlung am 8. April 2020 vorschlagen werde. Der zuständige Nominations- und Vergütungsausschuss werde dazu ein unabhängiges Auswahlverfahren durchführen.

Stellt Sunrise-Grossaktionär den Präsidenten?

Eine Möglichkeit wäre, dass Sunrise-Grossaktionär Freenet die Verantwortung übernimmt und dass Freenet-Chef Christoph Vilanek selbst den Verwaltungsratspräsidenten stellt. Das wäre ein konsequenter Schritt: Denn die geplante Übernahme der Kabelgesellschaft UPC ist vor allem am Widerstand des deutschen Mobilfunkanbieters gescheitert.

«Die Entscheidung von Herrn Kurer ist so frisch, dass noch keinerlei Überlegungen über die Nachbesetzung seitens Freenet angestellt wurden.»Christoph Vilanek, Freenet-Chef

Ob Vilanek nun tatsächlich Nachfolger von Kurer werden will, lässt er offen: «Die Entscheidung von Herrn Kurer ist so frisch, dass noch keinerlei Überlegungen über die Nachbesetzung seitens Freenet angestellt wurden», sagt Freenet-Chef Christoph Vilanek gegenüber dieser Zeitung. Er selbst sei nicht überrascht davon, dass Kurer abtritt; allenfalls der Zeitpunkt dafür käme unerwartet, erklärte er.

Branchenkenner halten es indes für keine gute Idee, Vilanek an der Spitze des Verwaltungsrats zu installieren. Der Österreicher würde mit seiner Art zu viel Unruhe ins Aufsichtsgremium bringen, sagen sie mit Blick auf Vilaneks Rolle beim gescheiterten Kauf von UPC. Er hatte lauthals Stimmung gegen das Geschäft gemacht und es geschafft, unter den Aktionären Verbündete zu finden.

«Zusammen mit Olaf Swantee bin ich zu Sunrise gestossen, und zusammen gehen wir.»Peter Kurer, abtretender Verwaltungsratspräsident

Die Tatsache, dass Freenet vom Rücktritt Kurers kalt erwischt wurde, zeigt auch der Fakt, dass der Abgang von Swantee am Anfang der Wechsel innerhalb der Sunrise steht. Verwaltungsratspräsident Kurer stand danach gehörig unter Druck. Als massgeblicher Treiber des UPC-Deals hätte er sich kaum noch lange halten können.

Kurer selbst sagt, er habe den Weg für einen Neuanfang freimachen und damit Misstöne bei der anstehenden Generalversammlung vermeiden wollen. Er sei zusammen mit Swantee zu Sunrise gekommen «und zusammen gehen wir». Zudem werde er in diesem Jahr 71 Jahre alt. Da sei es langsam an der Zeit, kürzerzutreten.

Swantee war nicht ganz vier Jahre Chef von Sunrise. Noch im Oktober hatte der niederländisch-schweizerische Doppelbürger gesagt, dass er nach der gescheiterten Übernahme des Kabelnetzbetreibers UPC nicht zurücktreten werde. Die im Herbst eingekehrte Ruhe nach dem monatelangen Hickhack um den Kauf von UPC währte somit nicht lange.

Neuer Sunrise-Chef ist gut vernetzt

Dass ausgerechnet André Krause beim zweitgrössten Telecomanbieter der Schweiz übernimmt, ist kein Zufall. Erstens arbeitete der Deutsche seit sieben Jahren als Finanzchef bei Sunrise. Zudem hat er das volle Vertrauen von Sunrise-Grossaktionärin Freenet.

Zum neuen Sunrise-Chef sagt Freenet-Chef Vilanek: «Ich kenne Herrn Krause schon aus seiner Tätigkeit bei Telefónica Deutschland. Er repräsentiert die moderne Form eines Finanzchefs, der tief im operativen Geschäft und in der Steuerung des Erfolges involviert ist.» Aus Vilaneks Sicht trug der neue Sunrise-Chef zum grossen Teil zum Erfolg der vergangenen Jahre des Unternehmens bei.

André Krause ist neuer Chef von Sunrise. Foto: Steffen Schmidt (Keystone)

Daher sei es nur konsequent, dass man ihm das uneingeschränkte Vertrauen schenkt. «In den vergangenen Wochen haben wir mit ihm über mögliche Veränderungen gesprochen, und er hat deutlich gemacht, dass er eine erfolgreiche Zukunft für Sunrise als Stand-alone-Firma sieht – damit hat er uns überzeugt», sagt Vilanek über Krause.

Die Wege beider Manager haben sich mehrmals gekreuzt: So arbeiteten sie zur gleichen Zeit beim Beratungsunternehmen McKinsey.

Branchenbeobachter werten die Nominierung des neuen Sunrise-Chefs zwar als Zeichen von Kontinuität. Dennoch erhöhe sich die Unsicherheit, «weil Sunrise seine unabhängige Strategie neu definieren muss», meint Mark Diethelm, Analyst bei der Privatbank Vontobel. Bis bei Sunrise wieder Ruhe einkehrt, dürften im neuen Jahr wohl noch einige Monate vergehen.

Erstellt: 03.01.2020, 17:22 Uhr

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