Ruoffs Unterschrift war nichts wert

Wenn sich die Aufsicht nicht auf die Postchefin verlassen kann, hat sie bei der Post nichts mehr zu suchen.

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Im Skandal um illegal bezogene Subventionen von Postauto Schweiz wird noch mehr ans Licht kommen. Heute ist eine Zwischenbilanz möglich. Auf Druck der Presse wurde klar, dass alle wichtigen Beteiligten – der Bundesrat als Vertreter des Aktionärs, die Post und die Aufsicht – seit November 2012 wussten, dass Postauto sich nicht ans Subventionsgesetz hielt. Die Vertreter des Bundesrates machten an einer Sitzung damals klar: Für durch den Steuerzahler finanzierte Postautolinien gilt die Vorgabe «null Gewinn».

An dieser Sitzung sassen auch Postchefin ­Susanne Ruoff, der Postauto-Chef und sein Finanzchef. Ruoff wusste seit sechs Jahren, dass bei der Tochter Postauto etwas systematisch falsch lief. Was sie damals intern veranlasste, wissen wir nicht.

Die Post hat eine interne Kontrollstelle, eine interne Revision und eine externe Revisorin, die KPMG. Diese drei mussten für eine «faire und wahre Jahresrechnung» sorgen, die die Postleitung Ende Jahr unterschrieb. Diese vier haben versagt. Sonst wäre die Täuschung früher aufgeflogen. Um es mit dem Chef der Aufsicht, Peter Füglistaler, zu sagen: Auf die Unterschrift von Ruoff musste Verlass sein.

Ruoff und ihr Finanzchef könnten sich retten, wenn sie nachweisen, dass es unmöglich war, die Buchungstricks zu erkennen. Die Indizien sprechen gegen sie. Es herrschte ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Post und den Bestellern. Ein Zusatzposten hier, ein Zusatzposten da. Postauto wies in Offerten zu hohe Kosten der Vorjahresrechnung aus nach dem Motto «Vielleicht merken sie es nicht». Wenn die Kantone oder die Aufsicht reklamierten, strich sie diese wieder raus. Hilfreich war ein verschachteltes System von Unter­firmen. Die eine verkaufte der anderen Leistungen zu überhöhten Preisen, diese verrechneten sie dem Staat. Dass die Preise zu hoch waren, fiel den Kantonen auf. Doch Postauto überging deren Klagen. Die Aufsicht hat(te) bloss 15 Leute, um die Offerten zu plausibilisieren, und 2,6 Stellen, um Hunderte Jahresrechnungen zu prüfen. Umso mehr gilt: Wenn sich die Aufsicht nicht auf Ruoffs Unterschrift verlassen kann, haben sie und ihr Team bei der Post nichts mehr zu suchen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2018, 23:47 Uhr

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